| Zillich,
Heinrich: Der Zigeuner München: Langen / Müller, 1940 (?) [1933]. 61 Seiten |
| Die Erzählung Der Zigeuner
zeigt exemplarisch die Schnittstelle Zigeuner und der Bevölkerung in
Siebenbürgen (nordwestlich der Karpaten). Sie beginnt harmlos, doch
typisch: "Der Zigeuner ging quer über die Weidefläche der Stadt zu"
(S. 5). In der Nußschale hat der Leser die gesamte Erzählung.
Der Zigeuner sucht die Begegnung mit der Stadt. Er macht es nicht auf geradem Wege sondern quer zur kulturgepflegten Weidefläche. Und dann holt Zillich aus wirklich allen Vorurteilsschubladen was hervor. Der Zigeuner bettelt (S. 5), grapscht nach Frauen (S. 9), stiehlt (S. 11), vergewaltigt (S. 13), wird ausgepeitscht (S. 15), ist starr von Schmutz (S. 22), ist faul (S. 34), lügt (S. 39), und hat Läuse (S. 52). Die Zigeunerinnen laufen mit schlaffen, heraushängenden Brüsten herum (S. 21, S. 56), viele sind schwanger (S. 23), da sie ständig rumhuren (S. 34). Der Zigeuner Popa Bela nennt die Zigeunerin Babe eine "Sau" und sie kontert mit "Schwein" (S. 27). Soll man das lesen? Ja, denn der Autor beherrscht die deutsche Sprache, die Erzählung ist gut aufgebaut und gekonnt erzählt. Die Geschichte der Vergewaltigung des Zigeuners und seine Bestrafung ist lehrreich. Der Leser erlebt die Verachtung gegenüber dem minderwertigen Zigeuner, die weder erst 1933 begann, noch 1945 endete. Zillich schrieb die Erzählung 1931 (S. 62). Die Hierarchie lautet: deutsche Bevölkerung - ungarische Magd - Zigeuner. Die Kontraposition der verschiedenen Bevölkerungsgruppen wird plastisch vor Augen geführt. Das Büchlein Der Zigeuner erschien in hohen Auflagen; das mir vorliegende war 31.-40. Tausend. Die Erzählung "Der Zigeuner" erschien zuerst in der Sammlung Sturz aus der Kindheit, Leipzig: Staackmann, 1933. Zillichs Bücher erlebten auch nach 1945 noch lange viele Neuauflagen. Zuletzt erschienen (neben heimatkundlichen Werken von ihm): Deutsche Weihnacht in Ost und West. Wien: Österr. Landsmannschaft, 1996; Epoche der Entscheidungen. Köln : Böhlau, 1984, 2., verb. Aufl. |
| Heinrich Zillich, 23.5.1898 Kronstadt
(Rumänien) 1988 Starnberg (?) ab 1924 freier Schriftsteller; gründete die Kunst- und Literaturzeitschrift Klingsor und gab sie bis 1939 heraus. 1936 freier Schriftsteller in München; bis 1939 noch Herausgeber von Klingsor Die Nazis ehrten Zillich 1937 mit einem Ehrendoktorat der Universität Göttingen. Während des NS-Regimes wurden seine Werken in großen Auflagen verbreitet. Im 2. Weltkrieg Offizier der Wehrmacht; Herausgabe der Feldpostausgaben deutscher Dichtung. Nach dem Krieg war Zillich Sprecher, dann Ehrenvorsitzender, der »Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen« und ab 1959 Herausgeber der Südostdeutschen Vierteljahresblätter und des Südostdeutschen Kulturwerks. Preise und Würdigungen von rechtsnationalen Verbände und Vertriebenenorganisationen. "Z. zählt zu den Verfechtern eines militanten Auslandsdeutschtums", Ernst Loewy: Literatur unterm Hakenkreuz, S. 366. |
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