| Sonja
Baum: Novembertag im Frühling Aachen: Karin Fischer, 2003. Broschiert, 180 Seiten |
| Im Februar 2004 fiel mir der
Unispiegel 1/2004 mit einem Artikel über das neue Buch der
Biologie-Studentin Sonja Baum auf ( Die Biologie-Studentin Anna in Heidelberg bewegt sich zwischen ihrem Zimmer, Cafeteria und den Hörsälen der Universität. Und sie wird bewegt: ins 17. Jahrhundert auf dem Heidelberger Schloß. Das Elisabethentor (hübsche Collage auf dem Titelbild!) ist mit seinen Verzierungen vom Schloß abgewandt. Ein verblüffendes Detail, dem die Autorin Baum in Novembertag im Frühling nachgeht. Neben Johannes, dem Physikstudenten, greift immer wieder ein alter Bekannter Annas ein: Marten, ein älterer verflossener Liebhaber (?). Trotzdem Anna und Johannes beide Naturwissenschaftler sind oder werden wollen, gehörte sie "nicht zu denen, die übernatürliche Erscheinungen für Humbug hielten. Leider" (S. 20). Leider auch für den Leser. Obwohl alles am Ende mehr oder weniger plausibel aufgelöst wird, blieb es für mich doch schemenhaft. Anna zeigt eine gewisse Neugierde: warum nur wollte sie beim Aufstellen des Elisabethentors unbedingt dabei sein (S. 105)? Andrerseits nehmen sowohl Anna als auch Johannes die Zeitsprünge recht ergeben hin und lassen die Neugierde vermissen. Der Novembertag im Frühling gefiel mir stilistisch und atmosphärisch am besten im Heidelberg der Gegenwart. Da kennt sich die Autorin aus, das wirkt authentisch. Sonja Baum benutzt gelegentlich abgenutzte Bilder: im Königssaal wird "so reichlich aufgetischt ..., daß sich die Tische unter der Last bogen" (S. 107). Es gibt zwei Hintergrundebenen: die Szenen im höfischen Leben des 17. Jahrhunderts und die Verstrickungen mit Marten. Da zur Voraffäre Marten und Anna wenig gesagt wird, kann man den Show-down am Ende des Romans nicht recht einordnen. Er scheint mir etwas konstruiert. Anna und Marten befinden sich von Anna her eher ungewollt in einem abgelegenen Labor: "Sie saß in der Falle" (S. 143). Warum Falle? Zumal Anna in der Folge wirklich hinausgehen will (S. 148) und es auch tut (S. 164). Novembertag im Frühling ist ein netter Heidelbergroman, für mich aber nicht allzu spannend. |
| Sonja Baum hat an der Universität Heidelberg berühmte Vorgänger. Spontan fällt mir dazu einer meiner Lieblingsschriftsteller Somerset Maugham ( |
| Bei Amazon nachschauen | |
|