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olfgang A. Gogolin
Wolfgang A. Gogolin: Der Puppenkasper. Weibliche Macht – Männliche Ohnmacht
Norderstedt: Books on Demand, 2004. Broschiert, 126 Seiten
Der kurze Roman Der Puppenkasper erzählt die Jugend Tims vom achten Geburtstag an. Es ist ein Bildungsroman besonderer Art. Tim wird zwanzig Jahre lang immer klarer, daß seine (unsere) Welt von den Frauen und ihrer Macht dominiert wird. Für diese Einsicht deckt der Autor und Tim (es ist oft unklar: sind die pubertären Überlegungen Tims Gedankenwelt oder ist es der auktoriale Erzähler, der uns da was mitteilen möchte) manch netten Zusammenhang auf, der einem oft nicht bewußt wird. Tim hat es hauptsächlich mit fünf Frauen zu tun, eine trostloser wie die andere: seine Mutter Christiane, seine Lehrerin Uschi, seine Freundinnen Susanna und Julia und die Freundin seiner Vaters Verena.
Allerdings bemüht er (Tim / Autor) auch sattsam bekannte Klischees, simple Vorurteile oder zieht Zusammenhänge, wo keine sind. Beispielsweise vermisst er die Frauenquote in harten Männerberufen. Dabei ist jedem Grundschüler klar: wo keine Benachteiligung vorliegt, muß man nicht dirigistisch eingreifen.
Bemerkenswert ist, daß der Autor immer neue frauenfeindliche Bonmots findet. "Susanne hatte wirklich Brei im Hirn. In solchen Momenten kleidete sie Brei in Sprache und schlug dem Schwachsinn eine Schneide" (S. 56). Dabei ist der eigentlich Doofe im Roman Tim. Das wird spätestens bei der groß herausgestellten Frage "Warum?" (S. 107) klar. Tim war zum zweiten Mal (Wiederholungstäter!) zum Verhüten zu blöd und muß zur rabiaten Selbsthilfe greifen. Diese Lösung passt zur dumpfen Vorstellungswelt des Puppenkaspars Tim. Sie gibt dem Roman so ziemlich am Ende etwas Pfeffer.
Die Welt Tims teilt sich pfeilgerade in bevorzugte Frauen und benachteiligte Männer auf. Das ist Tims "simple Verhaltensbiologie: Die eine Hälfte der Menschheit drehte sich nach jedem Kinderwagen um, die andere nach jedem jungen Mädchen" (S. 83). In Schwangerschaft und Geburt sieht er keinen besondere Tat: es ist die natürlichste Sache der Welt. Geboren wurde früher beim Kartoffelklauben und anschließend ging's zur nächsten Furche.
Der Roman ist flott erzählt, regt oft zum Schmunzeln an; vor allem wie es dem Autor gelingt mit ständig neuen Benachteiligungen vom Leder zu ziehen ist bewundernswert.
Ethisch fragwürdig
Bedenklich ist die Gegenüberstellung des verunglückten zwanzigjährigen Motorradfahrers (Easy Rider), der beinahe tot in die Klinik eingeliefert wird (S. 55). Nach Denkweise des Autors (die hier aber nicht ausgesprochen wird), ist der Motorradfahrer zumindest mitschuldig: warum fährt er Motorrad?! Dank ärztlicher Kunst und Überlebenswille von Easy Rider und nach mehrmonatiger Kostenbelastung der Allgemeinheit wird er zum männlichen Helden (ist was ernsthaft gemeint?). Ihm wird das behindert geborene Kind Malte (S. 104; warum kein Mädchen?) gegenübergestellt. Malte wird von Julia dankbar angenommen und aufopfernd gepflegt. Tim ist unbegreiflich, wie diese Behinderung von Julia (pränatale Diagnose der Ärzte) nicht verhindert wurde. Darüber kann man diskutieren. Easy Rider ist aber kein Gegenfall, denn wenn jemand in diesem Geflecht verantwortungslos handelte, so sind es Tim und Easy Rider. Beide frönen ihrer Leidenschaft und verursachen Leid.
Während der Lektüre keimte in mir der Verdacht, Der Puppenkaspar sei eine Parodie auf all die Klischees, die für eine Benachteiligung der Frauen sprechen, an der sie selbstverständlich mit Schuld haben (S. 31). Eine Parodie auf die Parodie!? Warum tragen die Frauen ihre Reize auch immer mit? Statt sie zuhause abzuschnallen. Und dann wundern sie sich über eine Vergewaltigung. Diese Argumentationsmuster kann niemand ernsthaft gegen die Frauenbewegung und -emanzipation ins Feld führen.
So denke ich, zeigt der Autor: die vermeintliche Frauenbevorzugung ist allzu hirnrissig begründet. Das aber erzeugt einen falschen Effekt. Es gibt ungerechtfertigte Bevorzugungen des männlichen Geschlechts: ein Feature im Bayerischen Rundfunk (Reihe IQ - Wissenschaft und Forschung) zeigte die Bevorzugung der Mädchen schon in der Schule auf (Den Link auf die BR-Sendung habe ich im Jan. 2009 entfernt; leider pflegen viele grosse Medien und öffentliche Stellen die Unart, Webseiten aufzugeben oder die URLs öfters mal neu zu vergeben).
Ein unbedarfter Leser des Puppenkaspars wird das als Knalleffekt abtun. So erweist Der Puppenkaspar der Männersache einen Bärendienst.
Kurzweilige, leicht zu lesende Anektodenreihung. Inhaltlich eher Stammtischniveau.
Links
Gogolin Wolfgang A. Gogolin
BevorzugungWolfgang A. Gogolin: "Schluss mit der Emanzipation!"
Literatur
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Gogolin Wolfgang A. GogolinWolfgang A. Gogolin: Der Puppenkasper. Weibliche Macht – Männliche Ohnmacht. Norderstedt: Books on Demand, 2004. Broschiert, 126 Seiten

Wolfgang A. Gogolin
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 25.1.2009