Heidi
Rehn: Blutige Hände
Köln: Emons, 2006. Broschiert, 335
Seiten – Links
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Literatur
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| München im Frühjahr 1870 läßt einen gleich an König
Ludwig II. denken. Er und sein damaliger Favorit Richard Wagner (seine
Die Walküre wird am 26. Juni 1870 im Müchener Nationaltheater
uraufgeführt) kommen nur am Rand vor. Nach einem Mord am zwielichtigen
Händler und Schneidermeister Riederer werden die blutigen Hände im
Umfeld der bayerischen Arbeiterbewegung gesucht. Wer
sozialdemokratische Ideen vertritt kommt als Erster als Täter in
Betracht (S. 45). Der Polizeioffiziant Severin Thiel geht auf die klar
zu Tage liegende Lösung seines Vorgesetzten nur skeptisch ein. Prompt
wird er entbunden und muss sogar den Dienst quittieren. Er ist Witwer
und stimmt damit mit derzeit gängigen Ermittlerklischee überein:
einsamer, meist schuldhaft von der Polizei Entlassener und auf eigene
Faust Ermittelnder. |
| Die Dominante des Krimis ist ein historisch verbürgter
Streik der Schneidergesellen in München. Er scheitert an
verschiedenen Umständen unter anderem an mangelnder Solidarität und
ungenügender Vorbereitung und Unterstützung durch die aufkeimende
Gewerkschaft. Schon damals versuchten die Mächtigen die Gruppen (hier:
Handwerker, Händler und Arbeiter) auseinander zu sprengen, Untergebene
einzuschüchtern und die Ursache der angeblich vorübergehenden Krise
woanders auszumachen (S. 255). Wie sich die Bilder gleichen. |
| Zu Severin Thiel gesellt sich Johanna Morgenthau, eine
undurchsichtige Verfechterin der Frauenbewegung, als helfende Grand
Dame. Die Namensgleichheit mit der 1859 geborenen Johanna
Hess geb. Morgenthau, die noch Opfer der Nazis wurde, ist wohl zufällig. |
| Die Autorin zirbelt an verschiedenen Strängen und hält
die zahlreichen, aber überschaubaren Handelnden ziemlich auf Trapp. Das
bringt Bewegung und Farbe ins Geschehen. Die Wirkung hält sich in
Grenzen, weil Heidi Rehn sehr zur breiten Darstellung neigt, ein Manko
etlicher zeitgenössischer (historischer) Krimis. Dabei gäb es
Streichpotential zuhauf ohne dem Roman zu schaden: im Gegenteil. Ich
nenne beispielhaft den dritten Absatz, Seite 61. Die Breite wird
unterstrichen durch zahllose überflüssige Fragenblöcke, wie S. 70 oben,
S. 84 unten, S. 223 unten. Diese Fragen sollten sich die Leser selbst
stellen ohne von der Autorin mit der Nase darauf gestossen zu werden. |
| Hohes
Lob für die geschichtliche Einbettung und das münchnerische
Lokalkolorit. Der Krimi ist solide mit einigen plausiblen Motiven und
Verdächtigungen angelegt. Doch fehlt durch die genannten Breiteneffekte
der letzte Schwung zum grossen Kriminalroman. |
| Vergleichsliteratur |
Oskar Maria Graf: Unruhe um einen Friedfertigen |
Robert Hültner: Die Godin |
Gerhard Hauptmann: Die
Weber – dhm.de |
| Links |
Historische Romane über die Industrialisierung
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Interview mit Heidi Rehn – Historische Krimis 2007
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München Krimis
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Tambosi am Hofgarten, seit 1775
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| Literatur |