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Gabriele Erdwien: Riverside Residenz. Mord im Frauenhaus
Bremen: Donat, 2003. Gebunden, 142 Seiten – Gabriele LinksGabriele Literatur
Bob Jefferson nimmt sich eine Jüngere und will sie im eigenen Haus einquartieren. Das ist seiner Noch-Ehefrau Caroline zuviel und sie flüchtet in ein Mietshaus für Frauen in Manhattan. Kaum dort wird Coleen, eine der 150 Frauen, ermordet aufgefunden. Carolin mischt sich in der Art von Miss Marple in die polizeiliche Aufklärung ein (dazu gleich mehr). Das Frauenhaus entpuppt sich als mordträchtiger Handlungsort: die Frauen sind untereinander verfeindet, sie benehmen sich skurril bis an die Grenze der Debilität; das männliche Personal besteht aus ehemaligen Gefängnisinsassen und Ex-Drogenabhängigen.
Nach dem rasanten Einstieg schleppt sich die Untersuchung dahin. Sie besteht hauptsächlich aus Befragungen und Gesprächen. Kommt ein verfolgenswertes Indiz hoch, verschwindet die damit verdächtige Person oft. Die Ermittlung läuft ins Leere (z.B. Jane ist weg als zwei Beamte zur Residenz eilen, S. 97). In dieser Häufung ist dies kein Spannungsmoment.
Carolines Einsatz und ihre Zusammenarbeit mit Inspektor Parker erscheint unglaubwürdig.
• Sie selbst hat nichts Konkretes stuft aber die Leute nach Aussahen und erstem Eindruck ein: John, den sie zum ersten Mal sieht, "sah aber nicht so aus, als ob er Joe gleich anschwärzen wollte" und gleich darauf wird Caroline "sofort klar, dass John Colleen nicht getötet hatte" (S. 96). Ja, wenn Mordermittlungen so einfach und intuitiv ablaufen.
• Obwohl Caroline auch zu den Verdächtigen zählt (durch den zeitlichen Zusammenfall ihrer Ankunft und des Mordes sogar verstärkt), bespricht Inspektor Parker mit ihr freimütig den Ermittlungsstand (S. 61ff). Dazu genügt es, dass Caroline ihn mit großen Augen ansieht: "Sie können mir alles anvertrauen, ich verrate niemandem etwas" (S. 64).
• Diese Zutraulichkeit gipfelt darin, dass Caroline heimlich und mit Zustimmung Parkers bei Vernehmungen im Polizeirevier zuhören darf (S. 129).
Zu diesen Konstruktionsschwächen treten schriftstellerische. Vieles wird vorgekaut (S. 61 oben) und breitgetreten. Eine szenische Lesung der Frauenhausbewohnerin Helen wird auf nahezu zwei Seiten ausführlich beschrieben. Dann wird sie mit "Es war nicht zum Aushalten" kommentiert. Warum wird es dann in dieser Breite dem Leser zugemutet?
Dank eines New York Aufenthalts der Autorin ist die US-Metropole gut in den Roman eingebracht (soweit ich es beurteilen kann).
Ein gut ausgewähltes Handlungsumfeld und eine geschickt konstruierte Mordgeschichte genügen hier nicht für einen rasanten Krimi.
Vergleichsliteratur
Gabriele Alan Isler: The Prince of West End Avenue (kein Krimi; spielt in einem NY Altersheim)
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