| Volker
Streiter: Fressen ihn die Raben. Alpen-Krimi Kassel: Prolibris, 2011. Taschenbuch, 247 Seiten – |
| In den letzten Jahren fanden die Regionalkrimis modischen Zuspruch. Die Alpen eignen sich als hochdramatische Kulisse und deshalb liegt hier ein weiterer Krimi unter der Rubrik Alpen Krimi vor. Die Orte im Berchtesgadener Land sind meist authentisch, die Personen natürlich fiktiv. |
| Ein Bus voll Besucher der Hitlerstätte am Kehlstein explodiert. Doch das bleibt eine Nebenhandlung, wenn auch beim Hauptverbrechen – einem zerstückelten Gastronomiekritiker – die Motivierung teilweise bis in die Nazi-Zeit zurückreicht. |
| Oberhalb des Königssees, rund ums Koglerhaus (fiktiv),
passieren merkwürdige Dingen: von der zerstückelten Leiche war schon
die Rede, dazu kommt ein Tötungsversuch per Gerölllawine. Bizarre Morde
sind – wie der Regionalbezug – nicht nur im deutschen Krimi ebenfalls
en vogue. Heinrich Steinfest treibt das fast zur Satire, beispielsweise
in Nervöse Fische ( |
| Ein weiteres
Versatzstück – man meint fast, es gehe nicht anders –
ist der Ermittler, der gerade nicht im Dienst ist, daraus entlassen
wurde oder unmittelbar vor der Pensionierung steht. Im vorliegenden
Krimi ermitteln sowohl die ortsansässige Polizei, wie auch
weitere Dienststellen und hauptsächlich die am Kogelhaus Urlaub
machende Kölner Kripobeamte Elke Hundgeburth. Das ist ein kleines
Wortspiel mit dem öfters vorkommenden Großen Hundstod (2593m). Immerhin
passt das
gut ins Romangefüge und ist völlig glaubhaft dargestellt. Alle
polizeilichen Massnahmen sind überzeugend, da weist sich der Autor als
vom Fach aus. Das Motivationsnetz ist weit gespannt aber immer innerhalb der Glaubwürdigkeit. Das kann man nicht von allen Einzelheiten sagen. Ausländerfreie Hütten (S. 109) gibt es nicht. Holländer sind recht häufig zu Gast. Auch unter dem Personal sind viele Ausländer, auch hier in diesem Krimi. Unklar ist beispielsweise, warum der Gastronomiekritiker vorgeschriebene Berichte mit auf den Berg nimmt. |
| Das leitet zum Stil und der Wortwahl über. Vieles ist gelungen,
aber es heißt entweder "auf dem Berg" oder "am Berg". Das mehrfache "im
Berg" wäre für einen Stollen angebracht. Das "Zirbenmaterl" sollte wohl
ein Marterl sein. Keine Berchtesgadenerin verwendet das norddeutsche
"abgeblieben" wie hier Moni (S. 245). Diese Kritikpunkte trüben
den guten Eindruck kaum. Das alpine Umfeld ist dem Kölner Autor
insgesamt gesehen gut gelungen. Die komplizierten Fäden bleiben dank geschickter, in die Handung eingebundener Rekapitulierung überschaubar. Manch abschweifende Absätze lenken vom Geschehen ab. Trotzdem kocht die Spannung auf mittlerer Temperatur. |
| Wenn man – so wie ich – die Örtlichkeiten des Krimis kennt und die Wege selbst gegangen ist hat man neben dem Krimigehalt ein anheimelndes Wiedererkennungserlebnis. Für diese Leute und für solche, die etwas in Krimi verpackt über die Berchtesgadener Alpen lesen wollen, lohnt sich die Lektüre. |
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