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Peter J. Kraus: Cattolini erbt
Saarbrücken: Conte, 2012. Broschiert, 227 Seiten – Peter J. LinksPeter J. Literatur
Der Autor ist weder der bekannte Schlagersänger noch Raymond Chandler, klingt aber verdammt danach (dem zuletzt Genannten).
Der abgehalfterte Vic Cattolini aus Los Angeles und drum herum tischt uns eine fabelhafte und turbulente Geschichte auf. In seiner Bar und seiner Wohnhöhle herumhängend bekommt er unverhofft von einem schnicken Anwalt $ 17.000 als Erbanteil von Porky. Der Penner starb und hinterließ ein Vermögen. Der abgebrühte Ich-Erzähler Vic nimmt sie und jetzt schnürlt eine etwas verworrene aber atemlose Geschichte ab, ja, zunächst mehrere, aber sie reimen sich zusammen.
Vic Cattolini erhält noch einen lukrativen Auftrag und ist die Geldsorgen (vorerst) los. Dass er bald wieder klamm ist, leuchtete mir nicht ein.
Der Autor kennt sich in L.A. und Kalifornien gut aus, zieht einige Register, die eines Raymond Chandler oder Dashiell Hammett würdig sind und spielt so wunderbar unauffällig auf der Klaviatur der  Klischees, dass man es nicht übel nimmt.
Vic Cattolini hat nicht nur eine glaubhafte Biografie der Autor verpasst ihm auch auch eine höchst passende Lebenseinstellung. Trotzdem er Geld gut gebrauchen kann stürzt er sich nicht auf seinen Auftrag, sondern will erst mal ausschlafen (S. 42). Er macht sich grundsätzlich keine Gedanken über die Zukunft und jedem, der meint, es gehe ihm beschissen, sagt er: „Dann hast du ja keine Ahnung, wie es mir geht” (S. 166).
Der lakonische Ton schreit nach einer Verfilmung mit Humphrey Bogart oder Robert Mitchum; wird wohl nichts, da beide das Zeitliche verlassen haben.
Die US-Politik und Zeitumstände bekommen gelegentlich ihr Fett weg (z.B. S. 75). Das fügt sich gut in die dichten Schlagabtausche ein. Manche Episoden werden ausgewalzt, doch wenn sie so stimmig sind, wie Laninis Eintreffen in Santa Barbara (S. 140-142), liest man sie gerne. Dafür versäumt es Peter J. Kraus die Zusammenarbeit mit Lanini aus Boston (oder andere Gelegenheiten) zu nutzen um für die Leser den Ermittlungsstand zu rekapitulieren. Doch der rote Faden ist nicht so wichtig, Stil und Atmosphäre bringen es.
Für abgebrühte Krimifreunde wartet mit Cattolini erbt ein knallharter aber vergnüglicher Lesespass.
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 15.8.2012