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Forster
Angela L. Forster: Schuldlos tot. Ein Hamburg-Harburg-Krimi
Hamburg: Acabus, 2014. Broschiert, 347 Seiten – Angela L. LinksAngela L. Literatur
In einer Hamburger Tierarztpraxis wird Regine Carlsen tot aufgefunden, bestialisch ermordet. Ihr Mann, der Tierarzt Volker Carlsen und seine Kollegin Brigitte Made wurden schwer zusammengeschlagen leben aber noch. Auf einer Trennglasscheibe in der Praxis steht „S. Sine Culpa”. Petra Taler, aus Bayern zugezogene  Kommissarin, registriert im Umfeld der Praxis heftige Demonstrationen gegen Landverbrauch. Sie stößt auch auf abscheuliche Tierexperimente.
Hervorragendes Umfeld für einen spannenden Krimi. Der sich allmählich enthüllende Hintergrund des Falls ist ja auch einigermaßen gut konstruiert.  Doch Spannung kommt nur selten auf.
Die Einteilung in kurze Schnitte (148 Kapitel und Prolog und Epilog) will Tempo erzeugen, doch das gelingt nicht: die Schnitte sind oft willkürlich. Das Schneckentempo der Ermittlungen (die Gründe dafür folgen gleich) kann damit kaum kaschiert werden. Man stimmt am Ende der Lektüre Petra zu, der klar wurde, dass der Fall ebenso kompliziert endet, wie er angefangen hat (S. 284).
Das hat zahlreiche Gründe.
  • Die Krimihandlung verzettelt sich in zu viele Nebenschauplätze. Petra Taler holt sich einen Obdachlosen in die Wohnung. Diese Nebenhandlung (und noch andere) wird in vielen Kapiteln ausgeführt, wobei der Obdachlose immerhin etwas zur Ermittlung beiträgt.
  • Petra Taler hat neben den üblichen privaten Problemen – die immer wieder zur Sprache kommen – mit Handwerkern an ihrem ererbten Bauernhof nahe Hamburg zu kämpfen. Zugunsten der breiten Erörterung eines authentischen Privatumfelds werden die Ermittlungen immer wieder unterbrochen.
  • Doch selbst diese werden durch viele überflüssige oder gar unglaubwürdige Kapitel weiter zerdehnt. So wird in einem (wenn auch nur zweiseitigen) ganzen Kapitel beschrieben, wie Petra ihr Haus verläßt (Kap. 38).
  • Dann folgt eine wirklichkeitsfremde Pressekonferenz (Kap. 39).
  • Die Einschüchterungsversuche beim Verhör zweier Jugendlicher sind geradezu lächerlich. Petra droht: das Reviergebäude mit den Zellen stehe auf einem alten Friedhofsgelände, da könne es durchaus sein, dass noch Leichen übrig geblieben sind usw. (S. 113).
  • Viele Verhördialoge werden detailliert wörtlich wiedergegeben. Das erzeugt keine Spannung sondern ermüdet den Leser. Beispiele erspare ich dem Leser dieser Besprechung.
  • Ich weiß nicht, wie man in Hamburg alltagssprachlich redet. Mir erschienen viele Dialoge ziemlich verquer. Hierzu gebe ich ein Beispiel. Petra zu ihrem Assistenten: „Ich denke, die Täter kannten Carlsen und Made und wussten der abendlichen Machenschaften.” (S. 269). Selbst wenn man in Hamburg so gestelzt redet (ich bezweifle es): Petra zog vor kurzem aus Bayern zu. Das wird als lokalfremder Kolorit oft hervorgehoben. Kaum jemand in Bayern würde so reden.
  • Sehr oft werden die zahlreichen Dialoge im Schreibstil wiedergegeben. Oder stellt jemand ernstlich eine kunstvolle Frage wie Petra hier ihren beiden Assistenten: „Und warum hat Regine, außer Jensens vorläufigen Aussagen nach, sie sei am Klebeband erstickt, keinen Kratzer?” (S. 138). Keiner, den ich kenne, flicht in der wörtlichen Rede so kunstvoll eine zweistufige Beifügung ein.
Die Konstruktion des Krimifalls in bester Hamburger Gegend ist kompliziert aber gut ausgedacht. Doch zahlreiche handwerkliche Schwächen lassen den Erzählstrom zerfließen. Wenige treffende Stegreif-Szenen retten nicht.
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 27.7.2014