| Josef Roth:
Hotel Savoy Köln 1964 |
| Gabriel Dan kommt aus dem Krieg nach
Hause ohne zu Hause zu sein. Er steigt im Hotel Savoy ab; muss aber in den
sechsten Stock. Die Gäste sind streng nach Geld und Bedeutung getrennt. Je
weiter oben, desto schäbiger. Der Hotelwirt Kaleguropulos wird nie gesehen
und steuert den Betrieb scheinbar durch Zettel an den Türen. Das Hotel sah
ich als Abbild der untergehenden Habsburgermonarchie, aber auch der gesamten
Menschheit. Es gibt ein Unten und ein Oben, wobei im Hotel das Ganze umgekehrt
gelagert ist: im siebten Stockwerk sind die Dienstboten. Gabriel verdingt sich
als Ladearbeiter am Bahnhof. Der hellsichtige Joseph Roth, der schon 1923 in
seinem Roman Das Spinnennetz den Nazi-Mob vorauszeichnete, ist auch im
Hotel Savoy von 1924 sozialkritisch. "Vierzehn Männer sind
wir, kämpfen gegen schwere Hopfenballen, die nach Deutschland gehen
sollen. Absender und Empfänger verdienen an diesen Hopfenballen mehr als
wir vierzehn zusammen." Alle Menschentypen sind im Hotel vertreten, eine
kleine Welt für sich. Die im Krieg Daheimgebliebenen haben wenig
Verständnis für die heimkehrenden Soldaten und wollen die Zeichen des
Niedergangs nicht sehen."Das Leben ist langweilig. Es gibt kein
Gesprächsthema" meint ein Polizist. Doch ihm wird entgegnet:
"Wenn man im Schützengraben gelegen hat, wie wir, hat man
Gesprächsstoff bis zum Tod." Auch dem Autor Joseph Roth ging bis zu
seinem frühzeitigen Tod 1939 der Stoff für prallvolle Romane nicht
aus. Im Hotel Savoy wartet er zum Ende noch mit einer Überraschung
auf. Unbedingt lesenswert. |
| Hörspiel Hotel Savoy Bearbeitung: Helmut Peschina, Regie: Robert Matejka, Deutschlandradio Berlin/ORF 1994 |
| Literatur |
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| Josef Roth: Hotel Savoy.
Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2006. Gebunden, 123 Seiten
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