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Joseph Roth. Die Flucht ohne Ende
Josef Roth: Flucht ohne Ende
Köln 1964 – roth Literaturroth Links
Das schon im Roman Hotel Savoy angeschlagene Thema: Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg und das Nicht-zurecht-finden weidet Roth auch in diesem "Ein Bericht" untertitulierten Roman von 1927 aus.
Der Kriegsgefangene Frank Tunda kann sich auf abenteuerliche Weise über Sibirien, Ukraine, Österreich nach Deutschland und endlich nach Paris durchschlagen. Dabei wechselt er mehrmals Lebensform und - ziel und auch den Namen. Schließlich merkt er, daß er nirgends zuhause ist. Am Ende fehlt es Tunda am Geld und dies "allein verleiht Existenzberechtigung."
Dabei erzählt Roth gelegentlich aus seiner Ich-Perspektive, dann aus der Erzählerperspektive des Heimkehrers und gelegentlich zitiert er auch aus dessen Tagebuchnotizen. So entsteht ein zerrissenes Bild, das zwar durch Gedankenfülle - und mit den Schauplätzen auch mit atmosphärichen Wechselspielen - auffällt, dem es aber doch an Geschlossenheit mangelt.
Bemerkenswert: der drei Jahre vorher erschienene Der Zauberberg Thomas Manns tritt hier bereits als Lektüre im Roman auf. Gebeizt wird das Geschehen durch Gesellschaftskritik. "Es war die Zeit nach der Stabilisierung des deutschen Geldes, in der neue Bankkontos angelegt wurden, sogar die radikalsten Schriftsteller in den literarischen Beilagen der bürgerlichen Blätter Honare verdienten." Voll Vorwurf ist Roth gegenüber den neuen alten Reichen und den Daheimgebliebenen, wie dem Bruder Georg Tunda, der aufgrund einer Verletzung nicht zum Kriegseinsatz kam. Die Bürokratie kommt wie üblich schlecht weg. Die Reichen konnten zu Kriegsbeginn in die Schweiz flüchten "Ein Arbeiter muß sogar in Friedenszeiten drei Tage auf das Visum warten. Nur einen Einberufungsschein bekommt er sofort." Franz Tunda gelingt die Rückkehr nicht, seine Flucht hat kein Ende. Trostlos endet der Roman: "Er hatte keinen Beruf, keine Liebe, keine Lust, keine Hoffnung, keinen Ehrgeiz und nicht einmal Egoismus. So überflüssig wie er war niemand in der Welt."
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Links
joseph rothGertrude Durusoy (Izmir): "Seelische Beheimatung und Drang zur Flucht bei Joseph Roth". In: Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften 7. September 1999.
roth Ahasver, der Ewige Jude
Literatur
Reiner Wild: "Beobachtet oder gedichtet? Joseph Roths Roman 'Die Flucht ohne Ende'". In: Roman und Neue Sachlichkeit. Neue Interpretationen zum Roman der Weimarer Republik, S. 27-48.
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roth rothJoseph Roth: Die Flucht ohne Ende. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1994. Broschiert, 142 Seiten roth
Jürgen Heizmann: Joseph Roth und die Ästhetik der Neuen Sachlichkeit. Heidelberg: Mattes 1990. 165 Seiten.roth
Untersuchung zu den Romanen Die Flucht ohne Ende, Zipper und sein Vater, Rechts und Links und Der stumme Prophet
roth roth Sabina Becker, Christoph Weiß, Hg.: Roman und Neue Sachlichkeit. Neue Interpretationen zum Roman der Weimarer Republik. Stuttgart: Metzler 2002. Taschenbuch, 332 Seiten
 
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 23.7.2006