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Zweig
Stefan Zweig: Joseph Fouché. Bildnis eines politischen Menschen
Berlin: S.Fischer 1960 – zweig Literaturzweig Stefan Zweig
Gleich der erste Satz “Am 31. Mai 1759 wird Joseph Fouché – noch lange nicht Herzog von Otranto! – in der Hafenstadt Nantes geboren” schlägt den berichtsartigen Ton des Romans an und spannt einen Bogen zu den letzten Lebensjahren der Titelfigur.
Über Kindheit und Jugend geht Zweig schnell hinweg. Nur das Nötigste: Herkunft, Klosterschule, Ordenseintritt. Ich erwartete hier immer den Beginn der ausschmückenden Erzählung, doch Zweig parliert wie in einem Geschichtswerk. Endlich merkte ich, daß der Autor genau das vermeidet, was ich historischen Romanen gerne ankreide [vergleiche z.B. zweig Marguerite Yourcenar. Ich zähmte die Wölfin -Die Erinnerungen des Kaisers Hadrian]: der Leser hat wenig Chancen, zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden; er weiß deshalb nicht, was er aus dem historischen Roman für bare Münze nehmen darf. Hier ist es – ein großes Lob – nicht so.
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Ich meine, in Zweigs Joseph Fouché sind die wichtigsten Umstände historisch korrekt wiedergegeben. Der Autor führt eine psychologische und politische Studie durch, er hebt hervor, zieht Zusammenhänge, die ansonsten gerne übersehen werden. Er zeichnet nicht nur ein Bild des Revolutionärs, des Polizeiministers und späteren Herzogs Joseph Fouché, sondern von vielen politischen Windrädern, die es verstehen, mit wachsender Bedeutung sich an den Apparat anzupassen oder/und mit sich verändernden Verhältnissen auch ihre Einstellung zu wechseln.
Einzige Stilkritik: Zweig wiederholt vorausschauende Beifügungen, wie der Hinweis auf den Herzog von Otranto, und rückblickende Beifügungen, wie auf den einstigen Tonsurträger oder Priesterzögling Fouché etwas zu oft. Manchmal dachte ich: OK, Stefan, das weiß ich jetzt, wie oft willst du es noch betonen?
Zweig hebt warnend den Finger, vor den politischen Heilsbringern. "Immer wird es gerade der reingläubige, der religiöse, der ekstatische Mensch, der Weltveränderer und Weltverbesserer sein, der in edelster Absicht Anstoß gibt zu Mord und Unheil, was er selber verabscheut." 2.Kapitel. Vergleiche dazu eine ähnliche Warnung von zweig Karl Popper vor politischen Idealen.
Und Zweig warnt die Politiker zur Mäßigung. "Die Schuld der französischen Revolutionäre ist also nicht, sich am Blute berauscht zu haben, sondern an blutigen Worten: sie haben die Torheit begangen, einzig, um das Volk zu begeistern und ihren eigenen Radikalismus sich selbst zu bescheinigen, einen bluttriefenden Jargon geschaffen und ununterbrochen von Verrätern und vom Schafott phantasiert zu haben. Aber dann, als das Volk, berauscht, besoffen, besessen von diesen wüsten, aufreizenden Worten, die ihnen als notwendig angekündigten »energischen Maßregeln« wirklich fordert, da fehlt den Führern der Mut, zu widerstreben: sie müssen guillotinieren, um ihr Gerede von der Guillotine nicht Lügen zu strafen. Ihre Handlungen müssen zwanghaft ihren tollwütigen Worten nachrennen, und ein grauenhafter Wettlauf beginnt, weil keiner wagt, hinter dem anderen in dieser Jagd um die Volksgunst zurückzubleiben." 2.Kapitel.
Joseph Fouché war der Typus – den es wohl schon in der Antike gab, den es auch heute gehäuft gibt – der Verbrechen aufklären soll, aber dabei selbst Verbrechen produziert. Man denke nur an den berühmten zweig Sprengstoffanschlag im Gefängnis Celle durch den zweig deutschen Geheimdienst.
Das macht dieses Porträt zeitlos und auch heute noch wertvoll und lesenwert.
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Literatur
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stefanzweigZweig, Stefan: Joseph Fouché. Bildnis eines politischen Menschen. Frankfurt am Main: S.Fischer, 2000. Gebunden, 285 Seiten zweig
Zweig, Stefan: Joseph Fouché. Bildnis eines politischen Menschen. Frankfurt am Main: S.Fischer, 1977. Taschenbuch zweig
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 27.12.2001