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Haushofer
Marlen Haushofer: Die Wand
Mit einem Nachwort von Klaus Antes. Frankfurt am Main, Berlin: Ullstein 1989. 282 Seiten – Haushofer Literatur
Eine Frau ist auf sich gestellt und muß sich behaupten. Dieses zentrale Thema bei Marlen Haushofer wird in Die Wand zum Extrem getrieben. Damit ist eine vielversprechende Situation vorgegeben.
Der weibliche Robinson – die Tagebuchschreiberin in Die Wand – bleibt ohne Namen.  "Es fällt mir auf, daß ich meinen Namen nicht niedergeschrieben habe. Ich hatte ihn schon fast vergessen, und dabei soll es auch bleiben." (Seite 44). Sie wird durch eine unsichtbare Wand in ländliche Isolation gezwungen. Dort haust sie mit wenigen Tieren über zwei Jahre in den österreichischen Bergen und erkennt in dieser Zeit "...wurde ich gezwungen, ein ganz neues Leben zu beginnen, aber was mich wirklich berührt, ist immer noch das gleiche wie früher: Geburt, Tod, die Jahreszeiten, Wachstum und Verfall." (Seite 150). Damit sind die einzigen Abwechslungen auf den 282 Seiten beschrieben. Auf Seite 181 gibt es vermeintliche Rauchzeichen von außen, das war's aber auch.
Die Protagonist nimmt nur zögerliche und unzureichende Versuche Ursache oder Zweck der Wand zu ergründen oder ihre Eigenschaften zu erforschen um sie zu überlisten. Siehe dazu den Haushofer Literaturhinweis unten.
Die einzelnen Abschnitte sind gut geschrieben und für sich wunderbar zu lesen, aber da der Roman über eine sehr lange Distanz geht, wirkt er eintönig. Sicher, im Vergleich zu Adalbert Stifters Nachsommer ist Die Wand ein Actionroman, beschränkt auf die Ich-Erzählerin und einige Tiere. Wer mit ständig leisen Tönen auskommt, mag zu diesem Buch greifen. Ab der Mitte des Buches, der Startpunkt liegt bei jedem Leser anders, konnte ich mich in der Kunst des Weiter- und Überblätterns üben (vergleiche Fußnote 13 auf Seite 46 in der einbändigen Ausgabe Rolf Vollmanns Die wunderbaren Falschmünzer).
Klaus Antes meint im Nachwort "Das Werk ... läuft heute Gefahr, zur Kultfibel für oberflächliche Konsumenten zu werden." Das glaubte ich jahrelang nicht. Da Die Wand aber einen gewissen Kultstatus besitzt (viele, auch im TV, loben es nachdrücklich und nennen es als Geheimtipp) überdachte ich Klaus Antes' Aussage. Ich hatte wohl das "oberflächlich" zu wenig berücksichtigt und stimme deshalb jetzt (Juni 2008) seinem Urteilt zu: die Gefahr ist realisiert.
Literaturhinweis
Das Motiv der unsichtbaren aber durchsichtigen Wand wird in der Kurzgeschichte "Arena" von Fredric Brown (aus dem Jahre 1944) eingesetzt. Dort setzt Carson alles daran, die Wand zu überlisten und damit die Menschheit zu retten. Mir wurde entgegengehalten: die Haushofer wollte keinen SF-Roman schreiben. Doch warum greift sie dann mit der plötzlich eingesetzten, unsichtbaren Wand zu einem futuristischen Mittel?
Links
Haushofer Fredric Brown
Literatur
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haushofer wandMarlen Haushofer: Die Wand. List 2004. Broschiert, 285 Seiten Ullrich
Gisela Ullrich: 'Die Wand' von Marlen Haushofer. Lernmaterialien. Stuttgart: Klett, 1999. Taschenbuch, 268 Seitenwand
strigl wand Daniela Strigl:  'Wahrscheinlich bin ich verrückt...'. Marlen Haushofer - die Biographie. List 2007. Broschiert, 400 Seiten strigl
Daniela Strigl: Marlen Haushofer. Claassen 2000. Gebunden, 397 Seitenwand

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