| Eva
Menasse: Vienna Köln: Kiepenheuer & Witsch 2005. 427 Seiten – |
| Ein weitverzweigter Familienverband hat immer schrullige Typen (wenn man so genau hinschaut, wie man es von einer Autorin erwartet). In diesem Roman geht es um eine jüdisch-katholische Sippe mit Wurzeln in vielen Regionen der ehemaligen KK-Monarchie und England. Eva Menasse beschreibt das Walten und Wandeln von vier Generationen. Allerdings geht sie nicht chronologisch vor, sondern setzt Schwerpunkte. Durch Witz und Wiener Schmäh gibt es durchaus lustig zu lesende Passagen. Das kann aber über die Beliebigkeit des überlangen Romans nicht hinwegtäuschen. |
| Die Familie der Autorin ist in Österreich wohlbekannt: den Fußballnationalspieler in Vienna gab es tatsächlich; der Autor Robert Menasse ist Evas Bruder. So hatte Eva eine gute Vorlage. Leider meinen sehr viele Menschen, dass genau ihr Leben, ihre Familiengeschichte außerordentlich und berichtenswert ist. Mit dem ersten Urteil (außerordentlich) mögen sie recht haben: jedes Schickasl ist einzigartig. Für die Familienchronik mag es auch noch berichtenswert sein, doch lesenwert nur selten. Über das Schicksal der Sippe in Vienna muß man nichts gelesen haben. |
| Nur selten
für einen Familienroman im turbulenten, aggressiven 20. Jhdt.
klingen ernste Saiten an. Die Waldheim-Affäre, ein Nazi, der
es bis zum UN-Generalsekretär und Bundespräsident der
Republik Österreich brachte, ist eine Art "running gag" ( Dass der Staat "den Bürger nicht a priori als Verbrecher behandeln" sollte und darf (S. 142) ist heute aktueller denn je. Die restriktive Einwanderungspolitik Österreichs (mittlerweile der EU) wird mit der Zeit der 30-er Jahre verglichen. Wäre sie damals ebenso inhuman gewesen, wären Onkel und Vater nicht mehr am Leben (S. 143). Vielleicht gehen diese ernsten, bedenkenswerten Absätze im Wulst der Anektoden und Belanglosigkeiten unter. |
| Vienna
gewinnt - für mich - an Charme durch den reichlichen
österreichischen Einschlag ("Bin i a Reh?"). Die
"Erläuterungen zu
einigen Austriazismen" am Buchende nutzten mir. Einige Szenen gelingen sehr gut. Köstlich fand ich den Ratschlag des Vaters zur Jobsuche: "... du gehst rein, redst nur Englisch, verstehst mi, nur Englisch, und verlangst den Chef, den Boss, na?" (S. 113). Die meisten Personen werden nur über den Verwandtschaftsgrad angegeben. Umständlich und verwirrend genug überzieht es die Autorin zusätzlich, indem sie nicht immer von der Erzählerin ausgeht, sondern oft von der jeweiligen im Mittelpunkt stehenden Person. Da gibt es Onkel, Vetter, Vater, Tante Gustl (Tante aus Sicht des Vaters) und Schwester Gustl (aus Sicht des Großvaters) oder Konstruktionen wie "sein Bruder, mein Onkel" (z.B. S. 93, S. 265). Was soll der Quatsch? Dazu kommt Schlamperei. Eva Menasse ist Journalist und meint vielleicht, das reicht auch für Romane.
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| Mit
fortschreitender Lektüre erlahmte mein Interesse. Es gab kaum
Höhe- oder Wendepunkte. Familienromane in beliebiger Manier
behagen mir nicht, auch wenn sie hoch gelobt werden ( Dagegen haben diese Familienromane den nötigen Biß: |
| Wer
viel Zeit hat lese nicht Vienna
sondern einen der Romane unter |
| Vergleichsliteratur, kleine Auswahl |
| Edward
Morgan Forster: Howards End [Wiedersehen in Howards
End] – Jonathan Franzen: Die Korrekturen – Thomas Mann: Buddenbrooks. Verfall einer Familie – Von mir noch nicht gelesen: Peter Esterhazy: Harmonia Caelestis Arno Geiger: Es geht uns gut Gila Lustiger: So sind wir. Ein Familienroman |
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| Eva
Menasse: Vienna. Random House Audio, 2005. 6 CDs
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