| Peter
Handke: Der kurze Brief zum langen Abschied Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1972. Gebunden, 194 Seiten – |
| Der kurze Roman aus dem Jahr 1972 beginnt
verstörend wie in der
Anzeige in Kleists Die Marquise von O...
( Daraus entspinnt sich ein Katz und Maus Spiel. Der Ich-Erzähler reist quer durch die USA, halb um Judith zu finden, halb um sie zu vergessen. Judith reist ihm voraus und zugleich verfolgt sie ihn. Sie macht sich noch an verschiedenen orten seiner Reise bemerkbar, einmal sogar mit einem Drohbrief. Der Roman besteht aus zwei Teilen: "Der kurze Brief" und "Der lange Abschied", denen jeweils ein Motto aus Moritz Roman Anton Reiser ( In Kalifornien treffen sich die beiden beim Filmregisseur John Ford. Judith erzählt ihm die Geschichte des Paares und damit sind die beiden endlich bereit friedlich auseinanderzugehen (S. 195). Diese Einsicht kann man als Entwicklung ansehen. Nahe Philadelphia besucht der Ich-Erzähler Claire Madison, eine frühere Bekanntschaft, und reist mit ihr und deren Kind Benedictine (nicht seines!) zu einem Ehepaar nahe St. Louis. Dieses Ehepaar wird als friedvolles, idealisiertes Gegenstück zu Judith und dem Ich-Erzähler dargestellt. |
| Stil |
| Handke lässt seinen Ich-Erzähler zum
einen recht
nüchtern beschreiben, wo er hingeht, wie die
Unterkünfte
aussehen, was er ißt. Zum anderen verzahnt er aber innere
Betrachtungen, Träume und Erinnerungen an Judith und Kindheit
des
Protagonisten. Da die vorausgegangene Ehe und das Zerwürfnis im Dunkeln bleibt, wird die Verfolgung und Flucht der beiden Getrennten nie harte Realität. Man kann es nur aufgrund gewisser Indizien (Drohbrief, S. 133) vermuten. Lakonisch und mit verschrobenen Ausdrücken bannt Handke die Leser. Die "nach innen gekrümmte Zärtlichkeit" (S. 115) kann man sich gut ausmalen. Dass Benedictine die künstlichen Zeichen der Zivilisation für natürlich nimmt (S. 117), ist treffend bemerkt, doch aufgrund ihres zarten Alters nicht ganz glaubhaft. |
| Vieles an Handkes Bildern und
Motiven blieb mir verschlossen. Ein Mexikaner im Flughafen von Tuscon,
Arizona, hat eine Hand unter dem Mantel des Erzählers, die
andere hat er zur Faust geballt und zwischen den Fingern stecken zwei
Raiserklingen (S. 157). !?! Aber man muss bei Handke nicht alles enträtseln um es genußreich einzusaugen. |
| Peter Handke band schon 1972 in seinen Text zahlreiche
Bezüge zu Film und Popmusik ein. Bei der Musik freute mich
besonders Elvis Presley:
"Jailhouse Rock" (S. 55). Dieser Rock 'n Roll
Song schafft es nicht in meine Top 20, doch zu einer lobenden
Erwähnung reicht es ( Dies und einiges mehr verbindet Der kurze Brief zum langen Abschied auch mit Faserland ( |
| Wie
schon in Kali ( |
| Assoziationen |
| Judit und Holofernes In einem Hotel sieht der Protagonist eine Bibel und ihm fällt sofort die brutale Geschichte von Judit und Holofernes ein (S. 26; Jdt 13,1-10). Judit hackt dem schlafenden, besoffenen Holofernes den Kopf ab, nicht ohne vorher mehrmals zu beten. Nicht genug, sie trägt das abgeschlagene Haupt genüßlich zum Herzeigen vor die das Volk. Wie so oft in der Bibel wird dieses Verbechen als von Gott gewollt dargestellt. Auch hier wurde mir der Bezug zum Verhältnis Judith im Roman zum Protagonisten nicht klar. |
| “Die Zeit schleifte so
hin” (S. 159) stammt aus Adalbert Stifter: Abdias ( |
| Verfilmung BRD 1976/77, Musik: Brian Eno, Regie: Herbert Vesely – |
| Peter
Handke,
* 6. 12. 1942 in Altenmark, Gemeinde Griffen in Kärnten |
| Links |
| Vergleichsliteratur |
| Karl Philipp Moritz: Anton Reiser |
| Peter
Handke: |
| Literatur |
| Bozzi, Paola (1998): "Langsame
Heimkehr oder der Betrug
der Dinge. Zu Affinitäten zwischen Herta Müller und
Thomas Bernhard, Franz Innerhofer und Peter Handke". Philologie
im Netz
6, S. 1-19. |
| Elm, Theo (1993): "Peter Handke: Der kurze Brief zum langen Abschied". In: (1993): Romane des 20.Jahrhunderts. Band 2. Interpretationen. Stuttgart: Reclam. S. 268-296. |
| Erhart, Walter (1994): "Fremderfahrung und Ichkonstitution in Amerika-Bildern der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur". Orbis Litterarum 49 (2), S. 99–122 |
| Hartung, Rudolf (1972): "Peter Handke: 'Der kurze Brief zum langen Abschied'". Neue Rundschau 2. S. 336-342. |
| Jacobs, Jürgen (1973): "Peter Handkes Weg zum Bildungsroman". Frankfurter Hefte 1. S. 57-59. |
| Kim, Hyun-Jin (2002):
Wiederfindung der
Sprache. Das
neue Verhältnis des Sprach-Ichs zur Welt bei Peter Handke seit
dem Werk »Der Chinese des Schmerzes«.
Dissertation
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. |
| Lampart, Janina: "Der moderne Mensch auf der Suche nach
seinem Ich dargestellt im Kurzroman von Peter Handke »Der
kurze Brief zum langen Abschied«". |
| Springer, Michael (1972): "Besuch bei Peter Handke. Aus Anlaß des neuen Romans 'Der kurze Brief zum langen Abschied'". Neues Forum 219. S. 55-57. |
| Wagner, Karl (1979): "Peter Handkes Rückzug in den geschichtslosen Augenblick". Literatur und Kritik 14, S. 112–123. |
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| Peter
Handke: Der
kurze Brief zum langen Abschied. Hamburg: Spiegel
2007.
SPIEGEL-Edition Band 38.
Gebunden, 173 Seiten |
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| Melanie
Kirkham: Popkultur
als
Ersatzführer in Peter Handkes "Der kurze Brief zum langen
Abschied". Wie
amerikanische Popkultur dem Erzähler zur erfolgreichen
Vergangenheitsbewältigung verhilft. Broschiert: 56
Seiten |
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| Heinz
Ludwig Arnold, Hg.: Peter
Handke. München: edition
text + kritik, 1999. Broschiert, 141 Seiten |
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| Hans
Höller: Peter Handke. Reinbek: Rowohlt, 2007. Broschiert, 160
Seiten |
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