| Wolf
Haas: Das Wetter vor 15 Jahren Hoffmann und Campe 2006. Gebunden, 223 Seiten – |
| Obwohl sich Wolf Haas bisher kaum über schlechte Kritiken oder negative Aufnahme seiner Romane beklagen konnte, lieferte er in Das Wetter vor 15 Jahren gleich mit, was die Kritiker und Leser von seinem Buch im Buch zu halten haben. |
| Haas begibt sich auf das Drahtseil und liefert einen Roman in Dialogform zwischen einer "Literaturbeilage" (ohne Namen; daher weiß man nicht, ob das gelegentliche "sie" sich wirklich auf eine Kritikerin oder schlicht auf die Literaturbeilage bezieht) und dem Autor Wolf Haas. |
| Die
beiden sprechen über einen Roman von Wolf Haas. Und
dieser hat wieder einen typischen Wolf-Haas-Plot aber ohne Brenner. Es
gibt Seitensprünge, Liebesaffären und Tote im österreichischen
Touristenort Farmach. Aber wohlgemerkt: alles aus zweiter Hand. Die
Handlung des besprochenen Haas-Romans wird im Laufe des Interviews
entblättert. Ist es nur eine Meise des skurrilen Haas? Keinesfalls: "Literaturbeilage: »Herr Haas, Sie sind doch kein naiver Autor«, S. 107. Fürwahr, Haas ist gewitzt. Der Dialog mit der Literaturbeilage gibt ihm die Möglichkeit einiges über die Interpretation und Rezension von Literatur und speziell seinen Romanen einfließen zu lassen. Ausserdem kann er – ohne anmassend oder überheblich zu wirken – gleich Interpretationsansätze mitliefern und die feinsinnigen Zusammenhänge Ruhrpott-Österreich, Wetter dort (Bergbau) und hier (Tourismus, Alpen) dem Leser brettelbreit servieren. Köstlich! |
| Es sei nicht verschwiegen, dass Haas das Interview und den zugrundeliegenden Roman teilweise langatmig streckt. Er hätte als Romanfigur Wolf Haas einige Romanstellen vorlesen können ohne darüber nur zu reden. Bei so einem Kritikergespräch kann man ja nur über den Text reden. Da man alles als Metafiktion liest fehlt auch der packende Zugriff. |
| Aber
man kann bei so einem literarischen Experiment wohl nicht alles
haben. Haas wird es auch kaum wiederholen; aber der Lesespass war das
Experiment wert. Insgesamt ist Das Wetter vor 15 Jahren hervorragend gelungen. |
| Vergleichsliteratur |
| Derzeit (9/2008) erscheinen oft Autoren in ihren eigenen Werken (Coetzee, Pamuk) oder werden echt (Kertesz) oder fiktiv (Andruchowytsch) interviewt. |
| Juri
Andruchowytsch: Geheimnis:
Sieben Tage mit Egon
Alt –
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| Imre
Kertész: Dossier
K: Eine Ermittlung –
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| Orhan Pamuk: Das
Museum der Unschuld –
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| Links |
| Literatur |