| Ödön
von
Horvath: Geschichten aus dem Wiener Wald: Volksstück in drei
Teilen Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2006. Gebunden, 528 Seiten – |
| Die Geschichten
aus dem Wiener Wald bieten ein Rondo immer gleicher
Geschichten, deshalb ist das Stück auch heute noch aktuell (entgegen
anderer Meinung, zitiert z.B. in Gladiator 2008, S. 82). Vor dem
Hintergrund wienerischer Musik treiben die Kleinbürger ihr böses Spiel
mit Marianne, der einzigen Person (na ja, vielleicht noch die
Grossmutter), die sich nicht verstellt. Im ersten und dritten Teil laufen je vier Landszenen ("Draußen in der Wachau") ab, im Mittelteil sieben Szenen, vornehmlich in der Stadt. Alle Personen spielen sich, den Lesern und den Theatergehern etwas vor und werden von Horvath demaskiert. Ausnahme: Marianne versucht nur ihr bescheidenes Glück zu finden und scheitert. • Mit Alfred wählt sie sich einen Hallodri als Mann, der ihr gemeinsame Kind Leopold zu seinen Eltern in die Wachau bringt und sich bald von Marianne abwendet. • Der Beichtvater verweigert ihr in einer Schlüsselszene die Absolution (davon gleich mehr) • Sie muss als Nackttänzerin ins Maxim • Ein Amerikaner ("Mister") bringt sie für kurze Zeit ins Gefängnis • Ihr Kind stirbt; man kann es sogar als Mord ansehen. Am Ende ist sie verzweifelt: "Ich kann nicht mehr", da zieht sie Oskar in die Welt der Spießbürger: "Dann komm –" (S. 106). Die Verlogenheit siegt. |
| Die Verlogenheit entlarvt der Autor auf Schritt und Tritt. Die Personen begründen mehrfach ihr verwerfliches Verhalten mit dem Wohl der anderen. Als sich Alfred gegen Marianne durchsetzt und sie ihren Sohn weggeben, münzt dies der Vater so um: "Hier heraußen in der guten Luft wird er besser gedeihen, ..." (S. 58). Den Beichtvater interessiert zu diesem Sachverhalt nur: "Sind das gottesfürchtige Leute?" (S. 68). Oskar sieht am Ende nur das, was Marianne getan hat. Er wünscht sich, dass sie nicht das durchmachen muss, "was du mir angetan hast" (S. 106). |
| Dabei war es Oskar, der dem Kind den Tod wünschte (S. 66) und dazu meinte, dass er Leid auf sich nehme, denn: wen Gott liebt, den prüft er und schlägt er (S. 67) |
| »Wen
der Herr liebt, den züchtigt er, / wie ein Vater
seinen Sohn, den er gern hat.« Spr 3,12 »Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; / er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat. Haltet aus, wenn ihr gezüchtigt werdet. Gott behandelt euch wie Söhne. Denn wo ist ein Sohn, den sein Vater nicht züchtigt?.« Hebr 12,6-7 |
| Oskar "tröstet" mit dieser Verniedlichung / Verherrlichung des Leids auch Marianne: "Gott ist die Liebe, Mariann – und wen er liebt, den schlägt er" (S. 106). Also ist alles bestens !? |
| Horvath hat ein diesem Stück stark gearbeitet und gefeilt. Wie genau er alles festlegte erkennt man beispielhaft am Titel, der sich nicht auf den Wienerwald (Gebirge bei Wien) bezieht, sondern auf den Wiener Wald. Hier also – wie bei der Szenenfolge – die Gegenüberstellung Stadt Land und die Assoziation der Wiener (Städterer) im Wald (im Abseits?). |
| Ein
grossartiges Volksstück mit pessimistischen Ausgang. Marianne muss sich
anpassen an die Verlogenheit und Maskerade der Leute und der
vorherrschenden Meinungen. Gerne würde ich Geschichten aus dem Wiener Wald aufgeführt sehen, da es doch als Theaterstück konzipiert wurde, in das der Regisseur einiges hineinlegen kann. Die Interpretationshilfe von Klaus Gladiator ( |
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| Ödön von
Horvath: Geschichten aus dem Wiener Wald: Volksstück
in drei Teilen. Textausgabe mit Materialien. Stuttgart:
Klett, 2009. Broschiert, 144 Seiten |
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| Klaus
Gladiator: Ödön von
Horvath: Geschichten aus dem Wiener Wald.
Interpretationshilfe
Deutsch. Stark 2008. Broschiert, 94 Seiten |
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