Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Leitgeb
Josef Leitgeb: Heimkehr (Christian und Brigitte)
Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft, 1936. Gebunden, 406 Seiten – Josef LinksJosef Literatur
In Christian und Brigitte steht eigentlich Christian im Mittelpunkt, ein aus dem 1. Weltkrieg heimkehrender junger Mann, der als Volksschullehrer in ein abgeschiedenes Tal geht. Wie vieles im Werk Leitgebs ist auch Christian und Brigitte autobiografisch gefärbt.
1921 absolvierte der Autor einen einjährigen Ausbildungskurs für Volksschullehrer am Pädagogium in Innsbruck. Ab 1922 war er Volksschullehrer in Schwendt, Unterberg und in Hall.
Bei Schwendt dürfte es sich um Schwendt bei Kössen handeln. (Die österreichischen Quellen zu Leitgeb spezifizieren Schwendt nicht näher, wohl weil der Tiroler annimmt, jeder kenne es.) Es wird dem Ort im Roman nahe kommen.
Christian kommt also in das Bergdorf und will an der dortigen Schule etwas aufbauen. In Brigitte aus bürgerlicher Familie verknallt er sich, ist aber immer am Zögern. Unentschlossenheit und Unruhe – vielleicht ein Überbleibsel aus seinen Kriegsjahren – ist ein Charakterzug Christians. Mehrmals fühlt er sich jünger als er ist.
Schon bald empfindet Christian den Hof, auf dem er lebt als ein Gefängnis, das Tal als Strafkolonie (S. 53). Lange dauert es, bis er aus dem Tal in die weite Ebene und in die Stadt flüchtet. Nach einer abenteurerlichen Reise kehrt er nach Hause zurück und es kommt zum glücklichen Ende.
Dieses Ende passt etwas seltsam in den Ablauf. Aus Quellen am Brennerarchiv, das den nachlass Leitgebs pflegt, entnehme ich, dass der Autor vom Verleger zum Happy End überredet wurde.
Der Unterschied zwischen Land (jeder hat einen Namen) und Stadt (die Menschen sind anonym geworden, S. 45) wird durch die Abgeschiedenheit des Tals betont.
Da Christian als Studierter von außerhalb kommt, findet er nur schwer Zugang zum Menschenschlag im Dorf. Von den Leuten im Dorf setzt Leitgeb einige sehr wirksam in Szene. Dabei verfällt er nicht in Ganghofersche Schwarz-Weiß-Malerei, auch jede Romantisierung liegt ihm fern.
„Die sogenannte Verwurzelung des Bauern mit der Scholle verlor bei schärferem Hinsehen ebenso an mythischen Gehalt wie das, was man Brauch und Vätersitte nannte“ (S. 140).
Das Dorf und seinen Bewohner kommt aber auch nicht so krass weg wie bei Franz Innerhofer (siehe Schöne Tage unter Josef Vergleichsliteratur).
Der Ausflug Christians in das städtische Umfeld gibt dem Autor Gelegenheit auch einige philosophische Diskussionen (Fortschritt der Naturwissenschaften, S. 226; Friedrich Nietzsche und seine Gedanken zur ewigen Wiederkunft des Gleichen, S. 205).
Sieht man von einigen wenigen umständlichen Ausbreitungen ab liest man mit Christian und Brigitte einen erstaunlich farbigen Heimatroman im besten Sinne. Charakterisierungen und die Diskrepanz bäuerliche Einstellung und bürgerliche Kultur gelingen am besten. Die Zerrissenheit des Weltkriegsheimkehrers, seine Heimatlosigkeit und seine Orientierungsschwierigkeiten sind Themen, die ob der unablässigen Kriegsführung der Völker topaktuell sind.
Links
Josef Leitgeb
17.8.1897 Bischofshofen bei Salzburg – 9.4.1952 Innsbruck
zählt zu den bedeutendsten österreichischen Dichtern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts; ab 1921 Mitglied des „Brennerkreises“ um Ludwig von Ficker; 1950 erster Träger des Österreichischen Staatspreises für Literatur. LeitgebÖsterreich LexikonLeitgebWikipedia
LeitgebJosef Leitgeb – Geb. 17.08.1897 in Bischofshofen; gest. 09.04.1952 in Innsbruck Leitgeb
LeitgebAus dem Roman Christian und Brigitte
LeitgebNachlass Leitgeb
LeitgebJosef Leitgeb: Gesammelte Werke, 21.11.2005 – Vorwort von Autor Martin Pichler aus Bozen
Leitgeb Josef Wolf: Josef Leitgeb. Leben und Werk. Freiburg, Schweiz: Universitätsverlag, 1966. Broschiert, 138 Seiten
Vergleichsliteratur
Leitgeb Olga Flor: Talschluss
Josef Franz Innerhofer: Schöne Tage
Thomas Willmann: Das finstere Tal, siehe Josef Literatur

Literatur
Holzner, Johann (2004): "Josef Leitgebs Gratwanderung zwischen Goethe, Trakl und Friederike Mayröcker". In: Grenzgänge und Grenzgänger in der österreichischen Literatur. Beiträge des 15. Österreichisch-Polnischen Germanistentreffens Kraków 2002. Kraków, S. 213-221
Rummel-Volderauer, Daniela (2005): "Manuskript und Buch: Der Weg aus der Brisanz zum Happy End". In: Johann Holzner, Manfred Moser, Hans Prantl, Daniela Rummel-Volderauer, & Anton Unterkircher, Hg.: Christian und Brigitte. Innsbruck: Tyrolia, S. 449-491. LeitgebOnline
Rummel-Volderauer, Daniela (2005): "Der Roman im Spannungsfeld zwischen Fiktion und Realität". In: Johann Holzner, Manfred Moser, Hans Prantl, Daniela Rummel-Volderauer, & Anton Unterkircher, Hg.: Christian und Brigitte. Innsbruck: Tyrolia, S. 492-542. LeitgebOnline
Unterkirchner, Anton (2003): "Josef Leitgeb und Friedrich Punt. Ein Nachlaßbericht". Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv 21/2002, S. 115-124. LeitgebOnline
Wolf, Josef (1966): Josef Leitgeb. Leben und Werk. Freiburg, Schweiz: Universitätsverlag.
 – Leitgeb Rezension
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
Leitgeb LeitgebJosef Leitgeb: Heimkehr (Christian und Brigitte). Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft, 1936. Gebunden, 406 Seiten Leitgeb
Josef Leitgeb: Christian und Brigitte. Innsbruck: Tyrolia, 2005. Johann Holzner; Manfred Moser; Hans Prantl; Daniela Rummel-Volderauer; Anton Unterkircher, Hg. Vorwort von Martin Pichler. Gebunden, 608 Seiten Leitgeb
Willmann Leitgeb Thomas Willmann: Das finstere Tal. Liebeskind, 2010. Gebunden, 314 Seiten
Leitgeb Anfang

Leitgeb
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 18.12.2010