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Herdan-Zuckmayer
Alice Herdan-Zuckmayer: Das Scheusal. Die Geschichte einer sonderbaren Erbschaft
Frankfurt: S. Fischer, 1972. Gebunden, 214 Seiten – Alice LinksAlice Literatur
Die Autorin Alice Herdan-Zuckmayer ist auch die Erzählerin. Sie erbt von ihrer Tante außer Schmuck und andere Wertsachen auch einen Hund, der beim Zoll später als "ohne Wert" eingestuft wird. Sie beschreibt ihn so:
„Der Hund streckte sich, richtete sich auf, spreizte die krummen Beine. Er hatte ein glattes, gelbes Fell, spitze Ohren, einen unförmigen Leib.
Ich sah ihn an und ekelte mich.
Der Hund hatte seine Augen auf mich gerichtet: die Augen hatten keine Iris, keine farbenbildende Traubenhaut unter der Iris, keine Pupillen, nur die weiße, harte Hornhaut überzog die Augen. Er begann die weißen Kugeln in seinen Augenhöhlen zu rollen, er knurrte und entblößte seine Zahnstummel.“ (S. 41-42)
Die Hündin hört auf den Namen "Mucki", ist nahezu blind und beißt schon mal. Ihre Sympathie verteilt Mucki recht bewusst. Der Gatte der Autorin Carl Zuckmayer stuft das Scheusal so ein:
„Kreuzung zwischen Fledermaus und Wüstenfuchs und Warzenschwein.“ (S. 50)
Mucki begleitet das Autorenpaar jahrelang durch dick und dünn. Carl Zuckmayer feiert in Berlin seinen Riesenerfolg mit Der fröhliche Weinberg, einem Lustspiel in drei Akten.
Als 1938 die Deutschen in Österreich einmarschieren ziehen es die Zuckmayer vor aus Henndorf bei Wien zu flüchten. Zuckmayers Werke waren schon seit 1933 in Deutschland verboten. Mit dem Zug entkommen sie im letzten Moment in die Schweiz, später geht es über Paris über Rotterdam in die USA. Aus dem Besuchervisum wird ein Einbürgerungsantrag. Sie pachteten eine Farm in Vermont.
Mucki darf man all die Zeit kaum aus den Augen lassen. So ist ein Höhepunkt des Romans die Teilnahme Muckis an der Premiere von "Bellman" in Zürich am 17. November 1938 (S. 143). Die verstorbene Tante war nicht nur eine Nazin, sondern hatte Mucki auch verwöhnt, unter anderem mit Rotwein. Frau Herdan-Zuckmayer ergründet mit den Jahren Muckis Eigenarten. Die Rotweinvorliebe läßt den Hund die Seefahrt in die USA trunken überstehen.
Den USA-Aufenthalt hatten die Zuckmayers vor allem Dorothy Thompson zu verdanken. Sie war Journalistin in Berlin und den USA, Schriftstellerin und von 1928 bis 1942 mit dem Schriftsteller und Nobelpreisträger Sinclair Lewis verheiratet. Im Frühjahr 1932 interviewte sie Adolf Hitler. Für die Einbürgerung mussten die Zuckmayers extra einreisen. Sie gingen also nach Kuba und von dort mit Empfehlungsschreiben u. a. von Thomas Mann, Thornton Wilder und Albert Einstein wieder in die USA. Mucki musste immer mit oder tagelang in einer  Quarantänestation dahinsiechen.
Der Roman endet mit Muckis Tod im hohen Alter auf der „Farm in den grünen Bergen“, Vermont.
Der wahrlich nicht ansprechende Hund wächst nicht nur der Autorenfamilie ans Herz. Auch das Auge des Lesers wird gelegentlich feucht. Alice Herdan-Zuckmayer erzählt das Schicksal des berühmten Emigrantenpaars und eines häßlichen Hundes locker, lustig und lesenswert.
Links
Herdan-ZuckmayerAlice Herdan-Zuckmayer, * 4. April 1901, Wien – 11. März 1991, Visp, Schweiz; Schriftstellerin und Carl Zuckmayers zweite Ehefrau
Herdan-ZuckmayerCarl Zuckmayer, 27. Dez. 1896 Nackenheim, Rheinhessen – 18. Jan. 1977 Visp, Schweiz
Herdan-ZuckmayerDorothy Thompson, 9. Juli 1894 Lancaster, New York – 30. Jan. 1961 Lissabon
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Scheusal Herdan-ZuckmayerAlice Herdan-Zuckmayer: Das Scheusal. Die Geschichte einer sonderbaren Erbschaft. Frankfurt: S. Fischer, 1972. Gebunden, 214 Seiten Scheusal
Alice Herdan-Zuckmayer: Das Scheusal. Die Geschichte einer sonderbaren Erbschaft. Frankfurt: Fischer, 1974. Taschenbuch, 192 Seiten Herdan-Zuckmayer
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