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Wolf Haas
Wolf Haas: Auferstehung der Toten – Der Knochenmann
Reinbek: Rowohlt, 2001 [1996] 152 Seiten + 1997 154 Seiten – haas Linkshaas Literatur
Im Jahr 1996 platzte der junge österreichische Autor Wolf Haas mit seinem ersten Krimi mit dem Ex-Polizisten Simon Brenner auf den Markt und spaltete die Krimi-Gemeinde.
Viele waren begeistert, manche konnten sich mit seinem Stil (u.a. ?) nicht anfreunden.
Hier eine Sammelbesprechung der beiden ersten Brenner-Krimis, denen weitere folgten.
Auferstehung der Toten. Reinbek: Rowohlt, 2001 [1996]. 152 Seiten
Der erste Krimi mit Ex-Polizisten Brenner spielt im Touristenort Zell am See und nahe dem Moserboden-Stausee. Am Tag vor Weihnachten findet man zwei erstarrte Leichen im (!) Skilift. Brenner ermittelt zunächst als Polizist, quittiert dann den Dienst und ermittelt im Herbst für eine Privatagentur weiter.
Haas stammt aus dieser Gegend und kennt sich offensichtlich aus. Er charakterisiert die Ortsfiguren und auch den Privatdetektiv Brenner hervorragend. Jeder Mensch – zumindest jeder, der für einen Roman herangezogen wird, hat sein Schrullen. Haas kann das ohne in Klischees abzugleiten und ohne dass es aufgesetzt wirkt. Ja, er trifft die ganze Stimmung eines hochfrequentierten Fremdenverkehrsort in der ausklingenden Saison sehr gut. Man ist direkt dabei. Dazu trägt sich auch der ungewöhnliche Stil (Erzählperspektive und Stil) bei.
1997: 3. Platz Deutscher Krimi-Preis, siehe haas Links
Der Knochenmann. Reinbek: Rowohlt, 1997. 154 Seiten
Rund um die Grillstation Löschenkohl, ihre Betreiber, Angestellte und sonstige Ortsfiguren lässt Haas seine skurrilen Figuren tanzen. Einige Fäden gehen ins ehemalige Jugoslawien.
Wie schon im Erstling besticht auch dieser Krimi durch die bleierne Atmosphäre einer Touristen-Massenabfertigung und eines provinziellen Nestes in der Steiermark.
Die Handlung ist wieder verworren und ich meine, diesmal rutschte der Autor einmal aus. Wie wußte Brenner, wie Horvath aussieht (S. 95)? Wenn ich es richtig las, ist dies seine erste Begegnung mit ihm (als Horvath), zudem im Dunkel!?
Der Knochenmann ist in Die Überlebensbibliothek von Rainer Moritz aufgenommen (haas Links). Der erste Satz „Jetzt ist schon wieder was passiert“ poltert in den Roman hinein (haas Links).
Es kann leicht sein, dass der Leser von Knochenmann zum Vegetarier wird oder zumindest keine Grillhendl mehr essen will. Deshalb hier einige aktuelle Romane mit der Massenware Hendl:
• Cynthia Kadohata: Kira-Kirahaas Rezension
• Marina Lewycka: Caravan [Two Caravans, engl. – Strawberry Fields, US-amerik.]
Erzählperspektive und Stil
Der Erzähler in Haas' Romanen sitzt am Stammtisch und anscheinend gut mit Brenner befreundet oder er ist gar selbst der Brenner und erzählt so, als ob er von außen draufschaut. Da wird der Leser schon mal persönlich angesprochen.
Die Sprache ist daher österreichisch-bairisch mit reichlich Partizip-Perfekt-Konstruktionen garniert. Das ist gewöhnungsbedürftig, wenn man sich daran überhaupt gewöhnen kann.
Die inhaltlichen Abschweifungen (die manche Kritiken bemängeln) finde ich wichtig um die Lokalfarben anzustreichen. Sie unterstreichen oft Verhaltensweisen, die für die dahinterliegende Handlung wichtig sind.
Der Leser (zumindest ich) wünscht sich aber doch mal einen schriftdeutschen Brenner-Roman, was keine österreichische Färbung ausschließt, wie bei den handlungsmässig behäbigeren Burgenland-Krimis von Alfred Komarek.
Beide Romane empfehle ich zur Lektüre, wenn auch die anbiedernde Erzählperspektive und der Sprechstil nicht jedermanns Sache ist. Ob er unbedingt nötig ist um österreichische Atmosphäre zu verbreiten, wurde sicher schon in Seminaren (haas Literatur zum Autor) untersucht.
Die Krimihandlung scheint mir in beiden Romanen etwas verzwickt, aber das kann man bei Raymond Chandler und anderen auch sagen.
Links
haas Wolf Haas
haas Erster Satz in der Belletristik
haas Rainer Moritz: Die Überlebensbibliothek. Bücher für alle Lebenslagen
haasDeutscher Krimi PreishaasWikipedia
Literatur
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haas HaasWolf Haas: Auferstehung der Toten. Reinbek: Rowohlt, 2001. Taschenbuch, 152 Seiten haas
Wolf Haas: Der Knochenmann. Reinbek: Rowohlt, 2002. Taschenbuch, 154 Seiten Haas
haas HaasWolf Haas: Die 6 Brenner-Romane. Hoffmann und Campe 2006.
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Haas
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