| Ruth Rehmann: Fremd in
Cambridge München: Hanser, 1999, 164 Seiten. Autorin Ruth Rehmann |
| Frauen laufen davon. Zwei Romane von Ruth Rehmann kenne ich nun,
Die Schwaigerin und eben Fremd in Cambridge und in beiden
flüchten Frauen kopflos aus behüteter Umgebung. Die deutsche
Studienrätin Elisabeth Götte hält es mit ihrer Klasse nicht mehr
aus und geht für ein Sabbatjahr nach Cambridge, England. Ich dachte bei
"sabbatical year" immer an Dozentenaustausch, wie in
David Lodges Changing
Places. Doch unsere Studienrätin pflegt anscheinend nur den
Müßiggang. Vielleicht hätte sie bei einem (selbstgestellten)
Auftrag nicht so große Anpassungsschwierigkeiten gehabt. Dabei wird alles
merkwürdig distanziert erzählt. Keine wörtliche Rede obwohl das
Buch auch von der Sprache handelt. Dies scheint Rehmanns durchgängiger
Stil zu sein, fiel es doch schon in Die Schwaigerin
(1987) auf. Auch dort war die weibliche Hauptperson geborgen auf einem
Chiemgauer Bauernhof. In höchst undankbarer Art (ohne Abschied) nahm sie
mehrfach Reißaus. Die Flucht nach Cambridge wird zwar beiläufig erläutert, ist aber keineswegs einsichtig, sondern naiv und überflüssig. Frau Götte erklärt sich am liebsten per Brief, "obwohl sie eigentlich wissen müßte, daß sie ihn, wie all die anderen, zwischen ihren Notizen vergessen wird" (25). Doch halt - das Buch ist gut! Es gelingt der Autorin hervorragend zu zeigen, daß Fremdes zur Gewohnheit werden kann. Ganz allmählich fließt das Fremdliche in Vertrautheit über. Überall auf der Welt sitzen Menschen hinter beleuchteten Fenstern. Eine wichtige Funktion spielt dabei und folgerichtig auch im Roman die Sprache. Götte wandelt auf den Spuren des Philosophen Ludwig Wittgensteins. In der neueren Literatur wird Andersartigkeit oft durch krasse Gegensätze charakterisiert: die Frau nicht ohne ihre Tochter oder bei den Massai, der Sudanese in Europa. Das ist zwar spannend, trifft uns aber nicht so stark. Ruth Rehmann wagt sich an das Verhältnis verwandter Völker. Soweit ich es beurteilen kann, zeigt sie es überzeugend ohne Keule, manchmal mit (verstecktem) Zeigefinger. Ich wünschte mir beim Lesen etwas mehr Lebendigkeit, doch wurde ich durch atmosphärische Dichte entschädigt. Insgesamt empfehle ich den kurzen Roman. Er regt an. |
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| Ruth Rehmann: Fremd in
Cambridge. München: Hanser, 1999, 164 Seiten
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