Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Carl Borromäus Heinrich
Karl Borromäus Heinrich: Karl Asenkofer
München: Albert Langen, 1907. 307 Seiten – heinrich Literaturheinrich Zitate
In Karl Asenkofer erzählt Karl Borromäus Heinrich wohl seine eigene Jugend; so ist der Protagonist des Romans wie der Autor in Hangenham bei Freising geboren. Schon bald zieht der oft mürrische Vater mit der Familie nach München. Karl Asenkofers Kindheit ist durch unsägliche Armut gekennzeichnet. Der Vater ist Schreiner und kann die Familie mit zahlreichen Nachwuchs kaum über Wasser halten. Schon früh werden daher die Kinder eingespannt: wöchentlicher Verkauf der gefertigten Waren, später gibt Karl Nachhilfestunden. Schon früh wird sein Talent erkannt und von der Mutter, soweit es in ihrer Macht steht, gefördert. Der Vater ist jähzornig und von rigiden Prinzipien geleitet, die er auch seiner Familie auferlegt, so beispielsweise nie Geschenke anzunehmen. Faru und Kinder müssen oft zur Lüge greifen. Sie befinden sich in zahlreichen Dilemmata: Gehorsam, Dankbarkeit, Ehrung der Eltern, Aufrichtigkeit wird von der bigotten Umgebung gefordert. Durch Lektüre von Schopenhauer und Nietzsche (Die Geburt der Tragödie, Also sprach Zarathustra) gelingt Asenkofer die (teilweise und zeitweise) Abnabelung vom zwanghaften Katholizismus. Er hängt sozialistischen Ideen nach, dann schließt er sich der Amicitia, einer Studentenverbindung, an, schließlich wird er Freigeist. Doch die Macht der Formung durch die Kirche trägt am Ende den Sieg davon: Karl wird wieder katholisch und wie so oft bei Bekehrten: fanatischer als zuvor.
Dabei gelingt Heinrich gerade die Anklage der sozialen Verhältnisse und der repressiven gewalt der Kirchen sehr eindrucksvoll. Den katholischen Gott fürchtete er (S. 57), andrerseits war die kirchliche Laufbahn der einzige Silberstreif für ein bettelarmes Kind (S. 62). Die Abwendung vom Katholizismus vollzieht sich allmählich: "Der Instinkt hatte sich nun gegen die knechtende Kirche aufgelhnt. Der Intellekt hinkte mach, und ging auf die Suche nach Gründen" (S. 138). Karl findet die Gründe, aber am Ende siegt der Instinkt.
Karl erlebt auch mit Auf und Ab seine erste Liebe von der er letzlich getrennt wird. Er reist am Ende des Romans nach Genf ab.
Karl Borromäus Heinrich ist ein kraftvoller Bildungsroman gelungen, der zu unrecht vergessen ist.
Zum Vergleich ist Lena Christ: Erinnerungen einer Überflüssigen (heinrich Rezension) bestens geeigent.
Karl Borromäus Heinrich
22. Juli 1884 Hangenham bei Freising – 25. Oktober 1938 Einsiedeln
Schriftleiter des »Simplicissimus«, Lektor im Verlag Albert Langen, München; Anfang 1913 Freitodversuch in München; ab Mitte der zwanziger Jahre mit seiner dritten Frau als Laienbruder in der Benediktinerabtei Einsiedeln, Schweiz; Leiter des Volksvereins für das katholische Deutschland, Mönchengladbach; vielseitige journalistische Tätigkeit; Romane und Legenden.
Georg Trakl
widmete Karl Borromäus Heinrich zwei Gedichte: "Gesang des Abgeschiedenen", "Untergang".
Literatur
Karl Borromäus Heinrich: Karl Asenkofer. München: Albert Langen, 1907. 307 Seiten: derzeit nur antiquarisch oder in Bibliotheken.
Albert von Schirnding: "Carl Borromäus Heinrich. Ein Dichter aus München, für Dietz-Rüdiger Moser aus der Vergessenheit geholt." Literatur in Bayern. Sonderheft. 2004. S. 89-91.
heinrich Anfang

Carl Borromäus Heinrich
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 7.5.2004