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Elisabeth Castonier
Elisabeth Castonier: Noella
[Hamburg: v. Schröder, 1962]. Reinbek: Rowohlt, 1979. 118 Seiten. rororo 4460 – castonier Autorincastonier Bibliografiecastonier Zitate
Die junge Diplomatenwitwe Noella Cullins erbt ausreichend und will sich eine der westlichsten britischen Kanalinseln: die Insel Grey, einige Meilen ausgedehnt, kaufen. Gegen einige Widerstände, denn Noella gibt dafür ihre Londoner Stadtwohnung und ihren Familienbesitz Lawson Hall auf.
In der zweiten Szene besichtigt Noella die Insel Grey mit dem Agenten Smith. Jener will das heruntergekommene Anwesen für seinen Auftraggeber endlich loswerden, Noella hat innerlich schon gekauft, macht aber einige Nachteile geltend um den Preis zu drücken. Der ausgiebige Gang durch die verschiedenen Bauten und Gärten erlaubt es der Autorin das Wunschschloß in allen Nuancen vorzustellen. Die auftretenden Tiere reichen vom Marienkäfer über Rabe und Frösche bis zu den Pferden; Pflanzenarten sind es nicht recht viel weniger.
"Meine Insel Irgendwo, dachte sie. Mein Badezimmerhocker, erdgeworden, bewachsen, umgeben von wirklichem Meer, mit einem Märchenschloß, mir vom Schicksal geschenkt, mein Kindheitstraum" (S. 26-27).
Das erinnert an A Room of One's Own von Virginia Woolf. Noella kauft die Insel und führt ein beschauliches Leben, alles wohl aufnehmend, so recht wie in Adalbert Stifter: Der Nachsommer, allerdings durchaus vorteilhaft nicht soo detailliert.
Zwei Episoden stören und bereichern die Idylle. In Kriegszeiten droht Beschlagnahme des Schlosses, es kommt zur Einquartierung von Fremden; ein weiterer Besucher ist ihr Jugendfreund Anthony Elpington.
Der gesamte kurze Roman ist von einer enormen Ausstrahlungskraft und tiefen Lebensfreude bei aller Bescheidenheit getragen. Am Ende entsteht ein Konflikt, als ein deutscher Soldat landet. Wie soll man Kriegsgegener behandeln? (Hochaktuell im Mai 2004, da die Bilder der irakischen Kriegsgefangenen publik werden). Die Hausmeisterin Mabel gibt zu bedenken: "Wenn unsere Jungen drüben in Gefangenschaft geraten, werden sie in Ketten gelegt oder erschossen, Madam." Noella erwidert. " Ich glaube nicht, daß man die Welt verbessern kann, indem man sich so barbarisch benimmt wie andere Menschen" (S. 111).
Ein leiser, unaufdringlicher Roman. Sehr zu empfehlen.
Noella ist trotz zahlreichen Auflagen seit der Erstausgabe 1962 derzeit (5/2004) nur antiquarisch oder in Bibliotheken erhältlich. Die Suche und Lektüre lohnt sich.

Elisabeth Castonier
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 8.5.2004