| Gerd Festerling: Wilde Reben Rosenheim: Meister, 1968. 239 Seiten Autor Links Literatur |
| Entgegen dem Titel, der mich (zusammen
mit der Verlagsankündigung: Südtirolroman) einen aktuellen, eventuell
wilden Liebesroman vermuten ließ, ist Wilde Reben ein historischer
Roman um den Graf Bartlmä, der Karneider, der von seinem Schloß
Karneid aus eine Schreckensherrschaft ausübt. Karneid (Cornedo all'Isarco) ist eine Gemeinde und
Schloß im Eisacktal in der Nähe von Bozen. Im Januar 1586 tyrannisiert Graf Bartlmä die dem Schloß zugehörigen Bauern, das Gesinde im Schloß und sogar seinen Sohn Wilhelm und dessen Frau Barbara von Römer. |
![]() © Gemeinde Karneid Mit freundlicher Genehmigung 18.5.2004 |
| Die Spannungen zwischen Schloß
und Dorfbewohnern spitzen sich zu. Barbara von Römer ist schon lange gegen
Vater und Sohn von Karneid eingestellt. Die Knechte des Grafen sagen sich, wenn
auch zögernd von ihm los. Am Ende wird der Graf angeklagt, entzieht sich
aber durch Flucht. Festerling gelingen die besten Passagen in den Schilderungen der Natur, so gleich eingangs der strenge Wintertag oder die Nachtszene (S. 79-80). In kurzen eingestreuten Betrachtungen wirft er philosophische Fragen auf.
Die Romanfiguren werden zwar charakterlich gut herausgemeisselt, sind aber zu kraß schwarz-weiß gestrickt. Neben dem bösen Grafen nebst Sohn steht die fast heilige Barbara, die rechtschaffenen Bauern und das Gesinde. Unter der Dienerschaft gibt es den einzigen Wandel: zuerst Mathes, später auch Berthold, wechseln die Fronten. Mich störten die häufig eingestreuten Fragen des Autors (beispielsweise S. 180-81 sind es 2 bzw. 4 Fragen) an den Leser. Das finde ich zu aufdringlich. Sollte der Leser nicht seine eigenen Fragen stellen? Ähnlich streute Festerling zuviele retardierende Betrachtungen an. So wirkte der Roman etwas lang und einfach gestrick, obwohl dem Autor am Ende noch mit einer guten Steigerung und einem unerwarteten Schluß auftrumpft. Zurück zum Titel: das "wilde" ist gerechtfertigt. "Reben" deuten auf Südtirol, das ist aber auch schon der enzige Verknüpfungspunkt zum vorliegenden Roman; na ja, gelegentlich wird Wein getrunken. |
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| Gerd Festerling * 1912 Halle (Saale) Kunstakademie Dresden: Studium der Malerei und Kunstgeschichte 1958-70 Aufenthalt in Südtirol und Italien ab 1972 geschäftsführender Vizepräsident des FDA, Bayern (Freier Deutscher Autorenverband) Herausgeber der Zeitschrift Europa Publikation zeitweise wohnhaft Wasserburg am Inn, Marienplatz 19 Festerling arbeitete als Maler und Schriftsteller: Roman, Hörspiel, Kurzgeschichte Mitgliedschaften: ADA - Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Autoren, Fulda; FDA - Freier Deutscher Autorenverband, Landesverband Bayern. Quelle: Dietz-Rüdiger Moser, Günther Reischl, Hg.: Taschenbuch zur bayerischen Gegenwartsliteratur. München: Piper, 1986. |
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| Links Karneid: |
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| Literatur Wilde Reben ist derzeit nicht im Handel erhältlich. Weitere gedruckte Werke Festerlings: Der Traum von Santa Barbara. Aus den Aufzeichnungen eines Malers. Klagenfurt : Alekto, 1987 180 S. Der Traum von Santa Barbara. Aus den Aufzeichnungen eines Malers. Sankt Michael : Bläschke, 1984 132 S. |