| Bernhard Ganter: Herzlos Bergisch Gladbach: Lübbe 1995. 269 Seiten Autor Bibliografie |
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| Bernhard Ganter,
geboren in Ferchensee. Nein, es heisst nicht "am Ferchensee", der ist ein
beliebtes Fotomotiv bei Mittenwald, mit dem Karwendel als Hintergrund, sondern
"in Ferchensee", ein Weiler an der B15 nördlich von Wasserburg am Inn.
Damit gehört Bernhard Ganter zur Rubrik
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| Der atmosphärische Einstieg in den
Roman Herzlos (Gefängnis Poggioreale in Neapel) läßt auf
einen besonderen Thriller hoffen. Doch zunächst läßt der Autor
auf den ersten 56 Seiten das ganze Personal des Romans antreten. Nach diesem
Kulissenaufbau im 1. Teil "Kredite" gewinnt Herzlos im 2. Teil "Organe"
an Fahrt. Ghirlandeina, die Freundin Roberto Magnanis, stirbt bei einem
mysteriösen Autounfall. Magnani, ehemals bei der italienischen
Antiterroreinheit, betreibt ein Jagdwaffengeschäft in Abbiategrasso, nahe
Mailand. Über die Organspende-Organisation OSGU kommt er nach Bozen, Sitz
der Organisation und einer Transplatationsklinik. Das Auffällige:
zahlungskräftige Kunden (beispielsweise ölreiche Araber) werden dort
bevorzugt bedient. Roberto Magnani will den Unfall als Mord aufklären und stört dadurch die lukrativen Geschäfte der Camorra und Organmafia. Es gibt Verbindungen nach Brasilien und in den Nahen Osten. Auf einer zweiten Handlungsebene laufen die Querelen und Machtkämpfe im Netz der Verbrecher. Magnanis Flug in die arabischen Emirate überzeugte mich nicht: die Lösung seines Falls wäre eher in Bozen oder Süditalien zu suchen gewesen. Doch wird der Roman in der Wüste zum harten Thriller. Das Finale im Palast des Scheichs kam mir fast übertrieben vor, doch Ganter versteht es, dort alles auf die Spitze zu treiben: es endet so irrwitzig theatralisch, daß ich voll versöhnt wurde. Keinesfalls darf man einen Hollywood-Helden nach der Masche "Ein Mann sieht rot" erwarten. Roberto hat aufgrund seines Vorlebens zwar einiges drauf, muß auch sehr viel aushalten, ist aber kein Agent007. Er verstrickt sich selbst ... Wer zur Organspende bisher aufgeschlossen stand, wird mit Herzlos in ein denkbares, bedenkenswertes Szenario hineingezogen. Die Gerüchte, daß auf diesem Markt schon einiges läuft, das der Mitteleuropäer nicht merkt, erhalten Plausibilität. Manche (wenige) Details bezweifelte ich. So nach einer Autoattacke auf Roberto, als das Angriffsauto mit hoher Geschwindigkeit davon fuhr: "Roberto dachte einen kurzen Augenblick daran, sich das Kennzeichen des Fahrzeugs zu merken. Er verwarf den Gedanken ..." (S. 82). Ich meine, daß man in dieser Situation entweder sich das Kennzeichen einprägt oder halt nicht. Davor erst abzuwägen: lohnt es sich? ist extrem unwahrscheinlich. Zu oft (für einen Thriller) überdenken die Personen ihre Handlungen. Mancher Gedanke kehrt öfters wieder. Bei der heiklen ethischen Thematik darf ein Autor mit einem emanzipierten Leser rechnen, der die Skrupel des Protagonisten dem Zwischentext entnimmt. Vielleicht orientiere ich mich da aber zu sehr an meinem Lieblingsfranzosen für schnörkellose Thriller Pierre Vial ( Rasanter Syndikatsthriller mit einem brisantem Thema. Lesenswert aufgrund der Thematik, gepaart mit komplexer, gut ein- und durchgefädelter Handlung. |
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| Motto Das dem Thriller vorgesetzte Motto aus dem Markus-Evangelium paßt. Hier die Übersetzung von Konstantin Rösch (Luther gibt die Stelle zu hölzern wieder):
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Bernhard Ganter, * 1944 in Ferchensee bei Wasserburg als Jugendlicher in Paris, Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam; Journalist für verschiedene Zeitungen, Journale und TV-Sender, u.a. Kulturredakteur der Zeitschrift Scala. Freier Mitarbeiter beim Bayer. Fernsehen, Politikmagazin Zeitspiegel (Themenwahl, Buch und Regie). Viele seiner Erzählungen wurden in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht. Lebt heute mit seiner Frau Henriette in der Nähe von München. |
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| © B. Ganter; mit freundlicher Genehmigung | |
| Bibliografie 2003 Das Jahr der Rosen. Roman. Friedland: Klaus Bielefeld 2002 Es ist nicht weit nach Gentopia. Ein visionäres Märchen. TeBiTo Audiobooks CD. Charles M. Huber (Erzähler) 2002 Es ist nicht weit nach Gentopia. Ein visionäres Märchen. Kirchheim: Lorgnon 1996 Schattenküsse. Bergisch-Galdbach: Lübbe 1995 Herzlos. Bergisch-Galdbach: Lübbe 1994 & Claudia Butenuth, Werner Schlierf: Zwei Männer und eine Frau . . . Bergisch-Galdbach: Lübbe 1992 & Werner Schlierf: Vom Fressen und vom Sterben. Ein geschmackloses Buch. Illustrationen von Erich Paulmichl. Friedland: Klaus Bielefeld. 1992 Bernhard Ganter, Hg.: Wider den Hass. Ausländer - Wer ist das? hundert Prominente nehmen Stellung. Frankfurt am Main: Betzel 1989 Morgen ist ein anderer Tag. Erzählungen. Pfaffenhofen: WLV Ludwig 1987 Das neue Lexikon der Rache. (Wolfgang G. Fienhold, Regine Marhold, Bernhard Ganter, Elke Böhm, Werner Schlierf ). Frankfurt am Main: Eichborn 1987 München für Insider. Red.: Bernhard Ganter. München: Orta Ohne nähere Angaben: Der Tunnel. Roman. Bergisch-Galdbach: Lübbe |
| derzeit (7/2004) nur antiquarisch | |