| Josef Martin Bauer: Die Nacht vor der Auferstehung
(Novelle) In: Das Mühlrad. Beiträge zur Geschichte des Inn- und Isengaues. Hg.: Heimatbund Mühldorf. Mühldorf, 2002. S. 97-144 Autor Links Literatur |
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| Der Soldat Ferdinand Molinäus
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| Stil Die Novelle klingt streckenweise durch Satzstellung und Wortwahl ("Die böse Stille zerfiel am Echo eines Schrittes, ...", S. 100; "Florian Denk, der nur über etliche beweisbare Schlußfolgerungen des Lebens verfügte ...", S. 130) gestelzt und nimmt legendenhaften Charakter an. Dies wird durch einige Handlungsumstände verstärkt. Der Vater Susannes wurde zwei Tage zuvor von den eigenen Landsleuten ermordet, die Tafel im Gutshof scheint eben erst unterbrochen, der Rotwein ist noch fein temperiert (S. 102). Die Novelle gipfelt in einer Reihe von unerhörten Begebenheiten, die zahlreiche Assoziationen wecken. |
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| Parabel Nicht nur der Titel Die Nacht vor der Auferstehung verweist auf das Jüngste Gericht und damit auf die Bibel. Das verlassene Mahl erinnerte mich an das letzte Abendmahl. Die neu ankommenden Soldaten, denen gegenüber Ferdinand bereits als Gutsbesitzer auftritt, erinnerten mich an ein eigenes Erlebnis im Karwendel.
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| Merkwürdigkeiten Manches mag in dieser Novelle unglaubhaft klingen. Susanne erzählt dem flüchtigen Soldaten vom ermordeten Vater mit dem Zusatz: "ich glaube, ich habe ihn nicht geliebt" (S. 105). Wer würde so etwas überhaupt gestehen und dann erst recht beim ersten Gespräch mit einem wildfremden Menschen? Ferdinand "gab, ganz der Herr, der Dame zu wissen, daß er Ferdinand Molinäus heiße" und sie antwortet mit: »Ich bin Susanne, ...« (S. 104). Das entgleitet dem Autor fünf Seiten später: »Ich heiße Susanne und Sie?« »Ferdinand« (S. 109). Mir fiel ein merkwürdiger Tempuswechsel der Zeitabläufe auf. Da erzählt der Autor behutsam eine stimmungsvolle Szene und beschleunigt dann das Geschehen, um es dann wieder zu verzögern. |
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| Molinäus erinnert vielleicht an Pierre du Moulin, genannt Molinaeus, * 16.10. 1568 als Pfarrerssohn auf Schloß Buhy en Vexin bei Mantes, 10.3. 1658 in Sedan oder dessen Vater. Molinaeus' Vater, Joachim du Moulin, fand im 3. Religionskrieg 1568 Zuflucht im Schloß Buhy. Er war Prediger in Soissons, als er in der Verfolgung der Bantholomäusnacht 1572 wieder fliehen mußte. 1592-98 lehrte Pierre du Moulin als Professor der Philosophie und der griechischen Sprache an der Universität in Leiden. "Ferdinand Molinäus war philosophierender Gemahl" (S. 121). |
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| Anakatastasis das letzte Wort der Novelle ana- griechische Vorsilbe: wieder, zurück , auseinander kata- griechische Vorsilbe: herunter Katastasis, Aufstellung, Vollendung der Verwicklung vor der Katastrophe (besonders im Drama) |
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| Links |
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| Literatur Steinbichler, Josef: "Josef Martin Bauer; ein Schriftsteller im Nationalsozialismus", in: Das Mühlrad. Heimatbund Mühldorf, Hg. Mühldorf, 2002. S. 79-96 |
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