Wolfgang Johannes Bekh legt mit diesem
Buch (nach Dichter der Heimat. Regensburg 1984;
Rezension) erneut das Porträt bayrischer
Autoren, diesmal neun, vor:
- Jacob Bidermann
Hans Carossa
Wilhelm Dieß
Georg Britting
Joseph Maria Lutz
- Max Matheis
- Oskar Maria Graf
- Wugg Retzer
- Benno Hubensteiner
Allen ist gemeinsam, daß sie altbayerische Autoren sind.
Bekh versucht Biographie und Werk lebendig zu machen. Beides gelingt nur
bedingt. Vor dem Leser entsteht ein lebendiges Bild des jeweiligen
Schriftstellers, da Bekh nicht im lexikalischen Stil die Lebensdaten
niederschreibt, sondern eher in einem angenehmen Essay-Ton. Die wichtigen
Stationen eines Lebens werden genannt, die Bedingungen, wie der Autor sein
Leben meisterte, spürbar. Das ist der große Vorzug von Vom
Glück der Erinnerung: Bekh stellt den Schriftsteller in seine Zeit und
seine Region und steuert oft persönliche Erlebnisse bei. Die
Würdigung des Werks der behandelten Autoren erfolgt hauptsächlich mit
langen Werkzitaten.
Nicht klar wurden mir die Kriterien der Autorenauswahl.
In der "Einleitung" informiert Bekh, daß er vier Essays dem vergriffenen
Dichter der Heimat entnommen hat. Die mit
gekennzeichnten Schriftsteller findet der Leser auch in Dichter
der Heimat. Regensburg, 1984. Warum gerade die vier? Im vorliegenden
Vom Glück der Erinnerung findet der Leser den 1578 geborenen
Bidermann, ansonsten acht Schriftsteller * 1878 bis 1924. Dabei behandelt Bekh
bunt durcheinander berühmte Autoren (Carossa, Graf, Hubensteiner) und
unbekannte (Dieß, Matheis, Retzer).
Die Stellung der Autoren in der
NS-Zeit bleibt meist unerwähnt.
Als Anhang ist ein Essay
"Bayerische und österreichische Allerseelendichtung" angefügt; das
scheint mir in einem Band über Schriftstellerporträts etwas
ausserhalb der Spur.
Die Idee, das Werk der Autoren in ausführlichen
Werksauszügen darzustellen, kann man unterschiedlich beurteilen. Bekh
versäumte es aber in einer kurzen Übersicht die wichtigsten Werke zum
Einstieg oder zum näheren Kennenlernen aufzulisten. Im Text werden zwar
einige Werke genannt, doch wurde mir nicht immer klar, welche nun typisch
für den Autor sind, welche auch heute noch lesenswert sind (oder sind es
alle genannten?) und welche sich als Erstlektüre für den Autor
eignen. So finde ich Vom Glück der Erinnerung durchaus
informativ und kurzweilig, doch nicht alle meine Erwartungen wurden
erfüllt. Jedenfalls zeigt es einige entdeckenswerte Autoren auf. |