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Bauer
Josef Martin Bauer: Die barocke Kerze
München: Ehrenwirth, 1959.Gebunden, 107 Seiten. 2. Aufl. – AutorZitate
Der etwa fünfzigjährige Friedbert Johannsen kommt mit seiner vor kurzem angetrauten, etwa halb so alten Frau Gertrud zum gewohnten Sommeraufenthalt nach Aurisbrunn. Schon bald besuchen sie seinen Freund, den Krämer und Antiquar Leibelt. Der zeigt seine neuen Schätze, darunter eine gewaltige barocke Kerze, mit deren Kauf Friedbert Johannssen liebäugelt. Während er des öfteren beim Krämer ist, führt Herr Gommer, ihr Gastgeber die junge Frau aus.
Zurück in der Stadt erkrankt Johannsen schwer und in wenigen Absätzen knüpft Josef Martin Bauer einen Zusammenhang zwischen Johannsens Krankheit und der barocken Kerze. Immer wenn sie Leibelt anzündet, verbessert sich der Gesundheitszustand des entfernten Johannsen; löscht er sie, tritt ein noch schlimmerer Rückfall ein. Leibelt wird sich seiner Macht bewußt, schimpft zur Frau Gommer über die Ärzte und brüstet sein eigenes Können. Frau Gommer hält ihn nicht bei Trost; Leibelt löscht die Kerze und Jahnnsen stirbt. Obwohl sich Leibelt reumütig der Tat bezichtigt, wird er nicht für ernst genommen.
Bauer erzählt gewohnt geschliffen. Mir wurde aber die Bedeutung der Geschichte nicht klar. Leibelt spricht von seiner Schuld, der Autor meint, Leibelt habe seinen besten Freund geopfert (S.108).
Beides las ich keineswegs so.
Obwohl die barocke Kerze recht groß war, reichte sie nur für wenige Tage. Leibelt hätte also schon ein paar Tricks ausprobieren müssen: neue Kerze an der barocken entzünden, beispielsweise, sonst wäre Johannsen soweiso bald verschieden.
Die plötzliche Macht des Krämers mit Kerze stellt der Autor zwar nach nur zweimaligem Löschen gut dar, sie leuchtet aber keineswegs ein. Das heißt, ein experimentierfreudiger Krämer hätte seine Macht nochmals überprüfen können und die Kerze erneut anzünden. Besser machte es jedenfalls der Arzt in "Der Gevatter Tod" der Gebrüder Grimm. Andere Beziehungen und Sachverhalte in der Novelle: Johannsen behandelt Gertrud wie ein Kind (S. 24); Herr Gommer bewundert sie; Leibelt hat nicht die gewünschte Aufmerksamkeit, sind nur andeutungsweise eingeführt.
So hinterläßt mich die Novelle etwas ratlos; ich kann darin wohl "ein reifes und geschlossenes Miniaturwerk deutscher Prosa" (Steinbichler 1994, S. 103) entdecken, allerdings kein sonderlich überragendes.
Literatur
Die barocke Kerze erschien zuerst 1938 in Leipzig: Reclam (Nachwort Herbert Günther); Neuauflage 1953 in Bamberg: Bayerische Verlagsanstalt (Einführung von Ferdinand Denk). Ich las:
Josef Martin Bauer: Die barocke Kerze. München: Ehrenwirth, 1959.Gebunden, 107 Seiten. 2. Aufl.
Josef Steinbichler: "Josef Martin Bauer – Zeittafel zu Leben und Werk", in: Das Mühlrad. Beiträge zur Geschichte des Inn- und Isengaues. Heimatbund Mühldorf, Hg. Mühldorf, 1994. S. 79-134

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 8.1.2005