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Lena Christ
Lena Christ: Die Rumplhanni
München: Süddeutscher, 1970. S. 505–672. – christ Autorin Lena Christ
Lena Christ (1881 Glonn/Oberbayern – 1920 München) ist ein Erzähltalent, das man aufgrund ihrer Biografie eigentlich nicht erwartet. In der Erzählung Die Rumplhanni schafft sie packende Atmosphäre, wenn man sich an den boarischen Dialogen nicht stört. Die Erzählung hat autobiografische Züge, aber – den Ausgang vergleichend – doch nicht zuviele. Lena Christ erzählt den Versuch von Johanna Rumpl, Köchin von Öd (nahe Grafing, Oberbayern), ihre Selbstständigkeit zu erreichen, die sich in "a Haus und a Kuah und a Millisupperl in der Fruah" zuspitzt (übrigens: wer das lesen kann, wird auch die Dialoge hinkriegen). Die ersten Versuche zuhause und in München scheitern, doch man lese weiter! Christ führt uns zu Beginn des ersten Weltkriegs in eine schon längst versunkene Dienstbotenwelt, in einer treffenden Sprache, die für die Stimmung sorgt. Über die Münchner Biergärten, zum Beispiel: "Hier sitzt der Reiche bei dem Armen, der Hohe neben dem Niederen; und alle Standesunterschiede verschwinden bei der beschaulichen Ruhe, die über allem liegt und jeden überkommt, der da zufrieden seinen Rettich oder Käs verzehrt und dazu sein Häflein trinkt" (671). Manch altes Wort taucht auf, nicht mehr vertraute Gerichte werden aufgetragen und ungebräuchliche Sprichwörter genannt, wie christ "Wo der Pfenning gschlagn is, da gilt er nix" (613). Das Elend haben auch andere beschrieben, doch Lena Christ kann sich mit ihnen messen, wenn sie knapp die Armut zusammenfaßt: "Und der Alt hockt dahoam und huast, d' Kinder plärrn um was z'essen, und d' Hund winseln ums Fuatta" (625). Frau Weinzierl nimmt Hanni in München auf und kommentiert: "Unseroana is und bleibt der Depp. Im Lebn und im Sterbn. Aber dees macht nix. Dafür gehts die reichen Leut besser" (638). Man wird an christ Frank McCourts Irland erinnert.
Für der boarischen Sprach' Kundige unbedingt zu empfehlen.
Die Rumplhanni christonline bei Gutenberg
Verfilmung: "Die Rumplhanni", 1981. Regie: Rainer Wolffhardt christImdb
Hörspielbearbeitung
Enzi Fuchs,Regie: Michael Peter; Komposition: Rolf Wilhelm; Produktion: BR 1981
mit Lisa Fitz, Annemarie Wendl, Richard Haller, Michael Schreiner, Katharina Aigner, Marianne Brandt, Egon Biscan, Marianne Lindner und anderen
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Lena Christ Lena ChristLena Christ: Die Rumplhanni. Rosenheim: Rosenheimer, 2003. Gebunden, 207 Seiten
"Wo der Pfenning gschlagn is, da gilt er nix" (man beachte das bayrische "ing")
Das Verdienst Lena Christs, dieses Sprichwort lebendig zu halten, ist umso höher zu bewerten, als ähnliche Sprichwörter norddeutscher Herkunft genau das Gegenteil behaupten.
  • Ich interpretiere "Wo der Pfenning gschlagn is, da gilt er nix" mit "Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande". Dieses Sprichwort wiederum geht auf die Bibel zurück.
  • "Da sprach Jesus zu ihnen: »Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seiner Vaterstadt und in seiner Heimat«" Mt 13,57, siehe auch Mk 6,4 und Joh 4,44.
  • Plattdeutsch: "Wo de Pennig eslagen is, da gelt he an'n märsten."
  • Oberharz: "Wu d'r Pfenng geschlan ward, gilt er am mehrschten" W.Lohrengel. Altes Gold. Deutsche Sprichwörter und Redensarten. Clausthal 1860.

Lena Christ
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 2.2.2008