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Christ
Lena Christ: Mathias Bichler
Rosenheim: Rosenheimer, 2003. Neu überarbeitete Auflage. 271 Seiten – Autorin Lena Christ
Das Findelkind Mathias Bichler wächst um 1800 bei einer Pflegefamilie mit vielen Mitpflegekindern auf. Sein lebenslanger Widersacher Ambros bringt ihn fast zu Tode. Er wird aber von Kathrein gerettet und zur Irscherin, der Waldhexe, gebracht. Das wird seine neue Koststelle. Die Waldhexe weiß allerlei geheimnisvolle Rezepte und ist deshalb gleichzeitig als Ratgeberin und Heilerin beliebt und verfemt. Sie empfiehlt beispielsweise die Wurzel der Mandragora als Glücksbringer. Die Wurzel der Mandragora ist die Alraune; sie wird nach altem Aberglauben als Zaubermittel verwendet und soll Glück und Reichtum bringen. Der jüngere Mathias verliebt sich in die fünfzehnjährige Kathrein. Sie heiratetet aber einen Bauernerben. Noch bei der Hochzeit will Mathias mit der Braut flüchten. Doch Kathrein lacht das Büblein aus (S. 117). Da zieht Mathias von Sonnenreuth (nahe dem Schwarzenberg und dem Wallfahrtsort Birkenstein) ins Leitzachtal hinein. Auf mancherlei Wegen ("Linz, Innsbruck, Salzburg, Rosenheim, Wasserburg", S. 192; christ Literarisches zu Wasserburg am Inn und Umgebung) und Abenteuer kommt er nach München, bekommt am Ende doch noch seine Kathrein. Beim Gang zur Christmette stirbt sie.
Der erste Teil des Romans klingt wie ein Märchen, wie Hänsel und Gretel. Die Hochzeit der Kathrein wird ausführlich geschildert. Christ legte großen Wert auf authentische Schilderung des Brauchtums. Mathias' Wanderschaft mutet dann wie das Leben eines Taugewohls an.
Wie schon in anderen Werken fiel mir hier die häufige Verwendung von Volkssprüchen und pralle Wendungen auf.
Kathrein zum gerade noch geretteten Mathias: "Ich hab schon gefürchtet, dass ich dem Totengräber das Maß bringen müsst für deine Grube" (S. 25). Erinnert an die Drohung: "My man's an undertaker and he's got a coffin just your size" (Dinah Washington: "My Man's an Undertaker", Mercury 1953; christ Dinah Washington)
"Große Freud führt nicht weit" (S. 104)
"Freunde in der Not, gehen hundert auf ein Lot." (S. 129), vergleiche dazu christ Horaz, Bibel u.a.
Die vorliegende neue, überarbeitete Auflage merzte offensichtlich auch veraltete Worte aus.
Original:
Ein tiefer Winter war derweil gekommen, und der Schnee lag glänzend über der keimenden Saat, beugte die Bäume unter seiner Last und bedeckte die Dächer und Türme mit hohen, in der Sonne blitzenden Hauben. Die Wege waren schuhtief verschneit, und männiglich steckte den Kopf fest unter den Mantelkragen und zog die Pelzhaube tief über die Ohren.
Überarbeitet; Änderung hervorgehoben:
Ein tiefer Winter war derweil gekommen, und der Schnee lag glänzend über der keimenden Saat, beugte die Bäume unter seiner Last und bedeckte die Dächer und Türme mit hohen, in der Sonne blitzenden Hauben. Die Wege waren schuhtief verschneit, und jeder steckte den Kopf fest unter den Mantelkragen und zog die Pelzhaube tief über die Ohren. S. 267
Darüber kann man verschiedener Meinung sein. Ich bin damit nicht einverstanden, da der Text einer Autorin nicht geändert werden sollte, zumal er in der Originalfassung nicht unverständlich ist. Der Roman ist in "neuer" Rechtschreibung. Das Geheul gegen diese ist nicht verständlich: es fällt im Mathias Bichler kaum auf.
Lena Christ begann mit dem Roman Mathias Bichler im März 1913. Er erschien 1914 und wurde wenig beachtet. Es ist eine wunderbare Lebensgeschichte. Die letzten Jahre des Mathias Bichler kommen gegenüber der fein ausgearbeiteten Jugend etwas zu kurz.
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Christ christLena Christ: Mathias Bichler. Rosenheim: Rosenheimer, 2003. Neu überarbeitete Auflage. 271 Seiten

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 27.12.2004