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Lena Christ: Madam Bäuerin
Rosenheim: Rosenheimer, 2003. Gebunden, 143 Seiten – Autorin Lena Christ
Lena Christ begann diesen Roman 1918 in Landshut; Madam Bäuerin erschien 1919 und ist ein insgesamt heiteres Werk, wenige Monate von ihrem Freitod.
Drei Frauen aus der Stadt verbringen die Sommerfrische in Berganger. Auf dem Anwesen der Schiermosers leben ganz unterschiedliche Charaktere unter einem Dach. Die städtische Rosalie ist eigentlich schon einem Assessor versprochen, doch entspinnt sich eine Liebe zum Hoferben Franzl. Es geht nicht alles glatt ...
Madam Bäuerin wäre ein typischer Heimat-Heftchenroman, wenn nicht Christs hervorragende Dialoge, ihre kraftvolle, unverfälschte, kitschfreie Sprache und ihr Sinn für Brauchtum den Roman davon weit abheben würden. So wurde auch kein "Ganghofer" draus: hier hat jede Person ihre Vorzüge und Fehler, jeder lernt hinzu und verändert sich.
Ein Beispiel für Christs unverbrauchte Vergleiche. Franz schaut seine Rosalie an. "Ganz voller Verlegenheit ist er, und seine Augen hängen an ihr wie an einem Heiligenbild!" (S. 111). Ein meisterhaftes psychologisches Kammerspiel ist der Besuch der Schiermoserin bei der Reistalerin im elften Kapitel.
Manchmal geht der erzählerische Gaul durch. So wenn der Eindruck erzeugt wird, Knechte und Dirnen würden draußen auf der Wiesn gleichzeitig mähen, wenden und das trockne Heu häufeln (S. 8).
Madam Bäuerin ist ein gelungener Roman mit einem uralten literarischen Motiv. Zwei junge Leute lieben sich, obwohl die jeweiligen Anverwandten das nicht gerne sehen. Dazu kommen die Spannungen zwischen Stadt und Land und eher nebenbei zwischen Fortschritt und Tradition.
Lena Christs Einsatz von volkstümlichen Sprichwörtern und Redewendungen
S. 6: "Umsonst ist der Tod und der kostet das Leben" wird manchmal auch als "Das Leben ist teuer, umsonst ist der Tod, und der kostet das Leben" ("der kost's Leb'n") zitiert.
S. 14: "Die Kirche im Dorf lassen" wendet sich gegen voreiliges unüberlegtes Handeln; man kann vieles ändern, aber die Kirche sollte man doch im Dorf lassen.
S. 68: "Man soll net das Getreide schon dreschen, bevor's gemäht is."
S. 72: "Des wär freilich eine gemähte Wiesen für euch!" Der Ausdruck "a g'mahte Wiesn" wurde in den 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder populär. Er steht für eine erledigte Sache, bei der einem eine mühevolle Arbeit abgenommen worden ist.
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Christ christLena Christ: Madam Bäuerin. Rosenheim: Rosenheimer, 2003. Gebunden, 143 Seiten. Neu bearbeitete Auflage.

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 29.12.2004