|
Oskar Maria Graf: Bolwieser. Roman eines Ehemannes München: List, 1994. Oskar Maria Graf Werkausgabe Band IV. Seiten 7-211. – |
| Die Themen
dieses Romans sind nicht so einfach, wie man beim Lesen meint. Es geht
– wie bei Shakespeares Othello ( Der Bahnhofsvorsteher Xaver Bolwieser ist ein kleinstädtischer Normalbürger, viele Rezensionen bezeichnen ihn als Spießer; Oskar Maria Graf wollte den tragischen Pantoffelhelden darstellen ( Oberföster Windegger betatschelt die Bedienung Mariele: "Du scheinst ja direkt gar nichts untern drinn' anzuhaben, was?" Die Kellnerin entgegnet: "Anpumpeln werd' ich mich bei so einer Hitz' wie eine Klosterfrau!" Und alles endet in einer typischen Stammtischweisheit: "Ganz recht! Wo nichts ist, braucht man nichts wegräumen, wenn's drauf ankommt." (S. 11) "Der echte Unternehmer trachtet nach der Ausdehnung seines Betriebes und nach Macht. Der Arbeiter kämpft mit seinesgleichen um erträglichere Lebensbedingungen. Der Kleinbürger hingegen will das eine nicht und hat das andere. Er strebt nach intimem Luxus. Er will die erborgte Prächtigkeit, wie man sie mitunter in veralteten Gesellschaftsfilmen zu sehen bekommt. Er liebt das Himmelbett, reiche Spitzendecken und Nippessachen. Er kauft die überladen geschnörkelten Möbel und alle jene eigentlich überflüssigen Dinge, welche gleich einem Fetisch auf Gemüt und Sinne wirken. Darum versteht er gar nicht, daß es Leute gibt, die anders empfinden und denken als er. Spürt er nur im geringsten eine Bedrohung seiner Interessen und Passionen, so wird er ängstlich und gehässig." (S. 67) |
| Quellen “Doch jetzt zum Doktor Hesse [Wirtshauskumpan Dr. Hesse, Besitzer des Gelächter von außen, München: List, 1994 [1966], S. 439-40 |
| Links |
|
|
| Auszüge
mit Bezug zu Wasserburg Es gibt eigentlich nur wenig direkt Bezüge zu Wasserburg am Inn. Da ist der Greinbräu, als Treffpunkt der Kleinbürger von Werburg. Die Stadt liegt an einem Fluß. Doch dank |
| “Draußen vor den Fenstern stand der freundliche Tag. Silbern funkelten die Gleise in der Sonne und liefen vielverschlungen unter die hohe, verrußte Brücke. Die Stadt mit ihren altertümlichen, ineinandergeschachtelten Häusern sah appetitlich aus, und der klare Himmel spannte sich wie eine durchsichtige Glasglocke darüber.” (S. 10) |
| “Träge verrannen die letzten Wintertage. Der verrußte Schnee auf den Dächern schmolz in der Märzensonne. Auf den Plätzen und Straßen bildeten sich schmutzige Pfützen, und durch die ausgehöhlten Pflasterrillen flossen dünne, trübe Bächlein. Der Fluß, der die Stadt zerteilte, stieg mit jedem Tag. Längst hatte er die Sandbänke überflutet, da und dort überspülte er bereits die Ufer seines breiten Bettes, und die Keller der anliegenden Häuser liefen voll. Klar, wie blankgeputzt schälte sich jeden Morgen der hohe Himmel aus dem Nebel. Frische Wolken überschleierten ab und zu die hervorgebrochene Sonne, gaben sie wieder frei und zogen langsam weiter. In den kahlen Bäumen trillerten die ersten Stare, und die Luft roch nach belebender Würzigkeit.” (S. 159) |
| “Der anfahrende Zug kroch aus Burgreith, rollte schneller dahin und verschwand nach einer sacht ansteigenden Biegung in einem Hügeldurchbruch. Sein dumpfes Getöse ging schnell im Sausen des Windes und im Geprassel des unbarmherzigen Regens unter. Die verlassene Landschaft wellte sich. Drüben auf sanften Anhöhen leuchteten etliche gelbe Lichter massiger Einödhöfe auf. Wurfweit dahinter dunkelte unabsehbarer Wald in die gejagten Wolken. Zur Linken gab es Felsbrüche und ineinander verlaufende Hügel und endlich, nach einigen großen Windungen, öffnete sich ein ziemlich schroff abfallender Talkessel, den am anderen Ende ein breit gebogener Flußarm begrenzte. Unten in der Mulde ragten Kirchtürme und vereinzelte Schlote auf, Hausdächer stuften sich ineinander, helle Fenster und leicht schwankende Straßenlaternen reihten sich aneinander und, umstellt von farbigen Signallichtern, vielfach durchschnitten vom wirren Gestäng der eisernen Maste, schälte sich der Bahnhof aus der dampfenden Helligkeit –: Werburg.” (S. 204) |
| Literatur |
|
Heczko,
Boris (1986): "Der Spießbürger ganz
nackt. Aspekte der Kleinbürger-Thematik bei Graf". In: Heinz Ludwig
Arnold, Hg.: Oskar Maria Graf. München: Edition
Text & Kritik. S. 72-85. |
| Weber, Reinhard (1995): "Oskar Maria Grafs “Bolwieser” und sein historisches Vorbild" In: Dittmann, Ulrich, Hans Dollinger, Hg.: Jahrbuch 1994/95 der Oskar Maria Graf-Gesellschaft. Die Münchner Vorträge im Graf-Jubiläumsjahr 1994. München und Leipzig. S. 224-234. |
| Bei Amazon nachschauen | Bei Amazon nachschauen | |
![]() |
![]() |
|
| Oskar Maria
Graf: Die
Ehe des Herrn Bolwieser. btb, 1998. Broschiert, 248
Seiten |
||
![]() |
![]() |
|
| Oskar Maria
Graf: Bolwieser. Roman eines Ehemannes. Wilfried F.
Schoeller (Herausgeber). München: DTV; 1997. Broschiert 248 Seiten |
||