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Michael Gerwien: Wer mordet schon am Chiemsee? 12 kurze Krimis und 225 Freizeittipps
Meßkirch: Gmeiner,  2014. Broschiert, 250 Seiten – Michael LinksMichael Literatur
Seit  Februar 2011 schwimmt Michael Gerwien auf der Regionalkrimi-Welle. Das verheißt nichts Gutes. Geboren 1957 in Biberach an der Riß wuchs er in Mittenwald auf. Da ich ab 1958 bis 1965 auch dort wohnte (allerdings als Fünfzehnjähriger und älter) war ich neugierig, wie er den Chiemgau in seinen zwölf Kurzkrimis verwurstelt. Vorab: gut bis hervorragend.
Die zwölf kurzen Krimis spielen dem Titel gemäß oft im Landkreis Traunstein nahe dem Chiemsee oder in den Chiemgauer oder Berchtesgadener Alpen. Sepp Bauer, Hauptkommissar bei der Kripo Traunstein, ermittelt zusammen mit seiner Schwester Babs, die geistreiche Amateurdetektivin.
Gleich der Auftaktkrimi "Im Strandbad" geht voll zur Sache. Gerwien mischt in allen Krimis gekonnt das kriminalistische Geschehen mit den privaten Seiten des ermittelnden Geschwisterpaars. Keine Angst: der Chiemgau ist nicht wegen zuvieler Morde ausgestorben: der Autor vermarktet auch kleinere Delikte spannend.
Für einheimische Leser ist es angenehm, dass der Autor Redewendungen und Bilder das oberbayerischen Idioms beherrscht, aber nicht totschlägerisch einsetzt. Nicht alle Regionalkrimis verfügen über ein stimmiges Lokalkolorit. Um das zu überspielen tragen sie dann oft zu dick auf. Nicht so bei Michael Gerwien.
Doch nicht nur sprachlich passt es, Gerwien kennt auch die Gegend von der er schreibt. Er weiß z.B., dass es beim Radweg um den Chiemsee keine nennenswerte Steigunge gibt, dieser also überall flach ist (S. 46). Leute aus Bremen werden vielleicht widersprechen.
Die mittleren Krimis der Sammlung belegen, dass es nicht immer Mord sein muss. "Der Fremde" ist ein seiner Art recht gut gelungen. Manchmal passt aber bei diesen Kein-Mord-Krimi die zu lange Exposition nicht zur trivialen Lösung.
Köstlich gelang die Persiflage auf die Kreuzigung Jesus. Sie wiederholt sich im Chiemgau: "Die Passion" (S. 211–227). Viele Leser werden dem Kriminaler Sepp zustimmen: „Unglaublich” (S. 226) und seiner Schwester Babs: „Unglaublich” (S. 227) ebenso. Trotzdem glauben es Millionen Deutscher.
Kleine Ungereimtheiten überliest man gerne:
  • Im ersten Krimi kreuzen gleich zehn Uniformierte auf (S. 33). Ich bezweifle, dass die Kripo Traunstein soviel Uniformierte zu einem Fall gleichzeitig ausschickt, wenn sie überhaupt so viele in einer Schicht hat.
  • Ob der Computerseidl aus Laufen Kupfer zur eigenen Herstellung braucht (S. 202) bezweifle ich sehr.
Schwerer wiegt das Fehlen von Wasserburg am Inn bei den eingestreuten Freizeittipps. Der Autor bringt fast alle gängigen Orte des Chiemgaus und geht mit München und Innsbruck weit darüber hinaus. Damit der Autor Schnaitsee (ein guter Tipp!) unterbringen kann, läßt er am Ende (S. 219) sogar einen Sektenjüngling nahe Bernau unmotiviert seinen Herkunftsort nennen. So weit, so gut. Doch dass die Perle des Inntals, Wasserburg am Inn, dabei fehlt ist mehr als ein Fauxpas.
Druck– / Flüchtigkeitsfehler
  • „Wimmbachklamm” (S. 35) ist falsch, richtig steht es im Text S. 20: „Wimbachklamm”.
  • Das Rosenheimer Ausstellungshaus ist allenfalls metaphorisch ein „Lockschuppen” (S. 64) , offiziell ist es der „Lokschuppen”.
  • Statt „im” muss es „ihm” lauten (S. 174).
Die zwölf Kurzkrimis sind gut bis hervorragend. Nicht nur durch die eingestreuten Hinweise auf sehenswürdige Orte im Chiemgau wird bei den Lesern die Lust auf das Land zwischen Inn und Salzach geweckt, auch die Geschichten selbst bringen reichlich angenehmes lokales Flair.
Vergleichsliteratur
Michael Bernd Grashoff: Das dunkle Geheimnis in der Brauerei. Ein bayerischer Kriminalroman
Michael Andreas Föhr: Der Prinzessinnenmörder: Kriminalroman
Michael Michael Gerwien: Alpentod
Michael Susanne Henke: Makellose Morde to go. Erlesene Verbrechen und herzerfrischende Gemeinheiten
Michael Katja Hirschel: Der Semmelkönig. Ein Krimi aus Bayern
Michael Jörg Maurer: Föhnlage. Alpen-Krimi
Michael Volker Streiter: Fressen ihn die Raben. Alpen-Krimi

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