| Ralph
Hammerthaler: Alles bestens Reinbek: Rowohlt, 2002. Gebunden, 284 Seiten – |
| Ralph Hammerthaler, Journalist der
Süddeutschen Zeitung, ist ein aus Wasserburg am Inn
gebürtiger Autor. Er gab in der Wasserburger Bibliothek eine
Lesung; das Buch zu lesen war daher Pflicht für mich. Ein erfolgreicher Berliner Chefredakteur der Zeitschrift Wissen ist der Ich-Erzähler und schiebt sein ganzes Befindlichkeitsgesülze auf 284 Seiten zum Leser hinüber. Für ihn läuft alles bestens. Er ist überzeugter Single, erfolgreich, kann einige Frauen ziemlich leicht überreden und hält nicht viel von den persönlichen Problemen z. B. seiner Freundin Nicole in Jena, die mit zwei hässlichen Kindern zurecht kommen muß. Verstörend für ihn und den Leser sind seine plötzlichen Black-outs. Ohne Vorankündigung wird er bewußtlos, bei späteren Vorfällen wird es eher nachwandlerisch: für seine Mitwelt agiert er leicht abwesend, aber noch normal; er selbst weiß später nicht, was vorfiel. Yuppie-gerecht zieht er sich in ein Hotel zurück, kapselt sich ab und fängt ein Verhältnis mit dem Zimmermädchen an. Oder: "Ach, Schulz, dachte ich, die Leute haben keine Zeit, fünfhundert gescheite Seiten zu lesen, deshalb habe ich ja die Regel aufgestellt: alles, was man wissen muss, kommt in die Überschrift, teils in die Hauptzeile, teils in die Unterzeile ..." (S. 153). Oder: " ... sodass wir uns lieber fragen sollten, weshalb diese Bomben so selten verschickt werden, wir dürfen uns glücklich schätzen, dass diese Gesellschaft so verklemmt ist, das hält sie im Zaum (S. 254). Einige sehr gute Stellen und witzige Einfälle (Angelpunkt bei der Kurdin) machen noch keinen Roman. Alles bestens ist so geschrieben, daß man ganze Absätze überspringen kann, ohne etwas Entscheidendes zu versäumen. Gerade bei Alles Bestens gilt: jeder muß sein Urteil selbst treffen. |
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