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Vorgestern
Hans Klinger: Zwischen Vorgestern und Heute 1933-1948
Wasserburg: Wasserburger, 1985. 179 Seiten
Es handelt sich um mehr oder minder verbundene Erzählungen. Sie beginnen im März 1933 und decken die Zeit bis Oktober 1948 ab. Ihre Bedeutung erhalten die Erzählungen für uns, daß sie diese Jahre aus der Sicht der Heranwachsenden jener Zeit schildern; zudem kommt für Wasserburger das Lokalkolorit dazu. Gelegentlich kommentiert der Autor am Ende die Erzählungen ganz kurz, gibt ergänzende Hinweise. Damit erhält er den authentischen Charakter.
Darin liegt aber die große Gefahr: die Sprache ist teils im Duktus der Zeit und läßt keinen Abstand oder neue Beurteilung (sicher vom Autor so beabsichtigt) erkennen. Da stehen dann die Soldaten 1942 im "traditionsreichen Feldgrau", dem "Ehrenkleid der Nation" (S. 76). Da wissen die Heimkehrenden im Oktober 1946 nicht, wem sie das Schlamassel zu "verdanken" haben. Sie rätseln: Hitler? Stalin? alle Russen? (S. 138) Auf die einzig richtige Antwort: sich selbst, kommen sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Im Gegenteil: Moritz durchdenkt sogar später noch Möglichekiten, wie der Krieg zu gewinnen wesen wäre (S. 164).
Zuviele der vorkommenden Personen erscheinen mir den Nazis widerwillig gegenüber zu stehen. So kann es wohl nicht gewesen sein. Das Todesurteil gegen einen polnischen Zwangsarbeiter in Wasserburg wird zu leichtfertigt kommentiert. Aus der zitierten nüchternen Notiz des "Wasserburger Anzeigers" kann ich kein Mißfallen erkennen (S. 66).
Eindrucksvoll war für mich die Geschichte "Ein Morgen wie kein anderer" (S. 100-104).
Insgesamt sowohl geschichtlich als auch literarisch zu anspruchslos und harmlos, obwohl doch der nicht dabei gewesene Leser mit vielen der geschilderten Situationen etwas lernen kann.
Eine extra Lob dem eindringlichen Umschlagbild von John Klinger.
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klinger klingerHans Klinger: Zwischen Vorgestern und Heute 1933-1948. Wasserburg: Wasserburger, 1985. 179 Seiten

Klinger
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 26.10.2004