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Landgraf
Artur Michael Landgraf: Hieselstal
München: Kösel-Pustet, 1941. 201 Seiten – AutorZitate
Franz Hochholzer, der Ich-Erzähler des Romans, wird parabelartig eingeführt. Seine Brüder sind Jakob und Hermann, seine Schwester Eva. Sie haben ihren Platz im Leben, am Rande des Aktionsfeldes des Protagonisten. Er ist ein im Examen gescheiterter Student, der vorher schon ein Theologiestudium geschmissen hatte. Jetzt arbeitet er beim Bau der Bahnstrecke bei Isen und Hohenlinden. Franz kommt bei einem Bauern in Hieselstal unter, wohl das heutige Höselsthal, nördlich von Isen.
Während seinen Monaten harter körperlicher Arbeit wird ihm klar, daß die körperliche Arbeit nicht seine Berufung (Landgraf verwendet dafür synonym "der Beruf") ist. Er hält sich in der Freizeit von den Arbeitern fern und beschreibt sie so:
"Drunten am Bahndamm, der nun wie eine Schlange sich mehr und mehr ins Land windet, ist die Kirche des Satans mit Fluchen und wieherndem Schmutz. An den Samstagen schon verlumpen viele ihren Lohn bei Trunk und Spiel." S. 38
Aber keine Angst: Franz ist kein Moralapostel, verdeutlicht aber an Beispielen.
"Im Markt hätte es heute beinahe Streit gegeben. Als ich zum Mittagessen in das Wirtshaus kam, waren alle Tische besetzt bis auf einen. An dem saß der Herr Forstassessor. Ich sagte: “Sie gestatten!” und nahm an seinem Tisch Platz. Darauf nahm der Forstassessor sein Glas und ging damit an den Tisch, an dem der Bauführer mit dem eben hier weilenden Oberbauinspektor saß. Ich hätte mich nicht darum gekümmert. Aber ein Tisch von Arbeitern wurde laut und fragte, ob der Herr Assessor für sein Bier und Mittagessen mehr bezahle als ein Arbeiter ... Da nahm der Bauführer sein Glas und kam zu mir herüber. Gleich hinter ihm kam auch der Oberbauinspektor." S. 88
Franz schildert feine Naturbeobachtungen und macht sich mit seinen Unterkunftsgebern bekannt. In Rückblenden erfährt der Leser Episoden aus seiner Kindheit und Jugend in Rosenheim, Wasserburg und München.
Mit verwoben hat Landgraf eine Liebesbeziehung des Franz zur Beppi, der er als Schüler am Penzinger See (bei Wasserburg) das Leben rettete (S. 103) und die Hausaufgaben machte.
Artur Michael Landgraf verwob in diesem Roman eigene Erlebnisse mit biografischen Einzelheiten seines Vaters, der um die Jahrhundertwende leitender Ingenieur beim Bahnbau in dieser Gegend war.
Bemerkenswert ist der Roman nicht nur für Bewohner der Gegend zwischen Isen - Mühldorf - Wasserburg und Rosenheim. Hierzu ein Beispiel aus Wasserburg:
"Schließlich wanderte ich über die Brücke und drüben den steilen hang empor sorthin, wo das Steilufer jäh in die Tiefe fällt und man über der Stadt steht, die wahrhaftig vor einem liegt, als sei sie ein Riesenspielzeug, just aus der Fabrik gekommen und eben aus der Holzwolle gepackt und aufgestellt. Soeben schlugen die Turmuhren halb zwölf." S. 188
Mir fielen zahlreiche heute ungebräuchlicher Worte ("Beruf" im Sinne von "Berufung" erwähnte ich bereits) auf, so "Singeldinger" für eine Art Erntedankfest auf dem Bauernhof (S. 93).
Sei gefühllos!
Ein leichtbewegtes Herz
Ist ein elend Gut
Auf der wankenden Erde.
Hieselstal, S. 183. Beginn der Dritten Ode aus "Oden an meinen Freund", 1767, von Johann Wolfgang von Goethe. LandgrafAn Behrisch
Goethe gab den Oden den Titel "Drei Oden an meinen Freund Behrisch". Ernst Wolfgang Behrisch (1738–1809), Hofmeister beim Sohn des Grafen Lindenau, war Goethes Vertrauter und Berater in Leipzig. Leipziger Klatsch berichtete Schlechtes über Behrisch und dessen Freundeskreises an den Grafen. Behrisch gab seine Stellung auf und zog nach Dessau. Goethe nahm in den Oden dazu Stellung und bekannte sich zu Behrisch.
Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
Damon, den Dolch im Gewande;
Ihn schlugen die Häscher in Bande.
“Was wolltest du mit dem Dolche sprich!”
Entgegnet ihm finster der Wüterich.
“Die Stadt vom Tyrannen befreien!”
“Das sollst du am Kreuze bereuen”

Beginn von Friedrich Schiller: "Die Bürgschaft"
Hieselstal, S. 189.LandgrafFriedrich von Schiller: Die Bürgschaft
Hieselstal ist ein volkstümlicher Roman im besten Sinne. Für Bewohner des Altlandkreises ist er fast eine Pflichtlektüre.
Landgraf LandgrafArtur Michael Landgraf: Hieselstal. München: Kösel-Pustet, 1941. 201 Seiten.
Nur antiquarisch oder in Bibliotheken erhältlich.

Landgraf
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 13.11.2004