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Landgraf
Artur Michael Landgraf: Die verschwundene Madonna und andere Geschichten der Haflinger Tischrunde
Nürnberg: Sebaldus, 1954. 229 Seiten – AutorWasserburg am InnZitate
Bei einem Aufenthalt in Hafling, nahe Meran, treffen sich der ungenannte Ich-Erzähler, ein Germanist und ein Theologe und tauschen Geschichten aus. Diese sind ganz unterschiedlich: realistische Erzählung, Essay, Legende, Märchenhaftes. Alle sind in volkstümlichen Ton (hier bei Landgraf immer in unverfälschtem positiven Sinn) und – gemäß der Ausgangssituation Haflinger Tischrunde – schnörkellos geplaudert. Im Laufe des Sammelbands verliert aber Landgraf die Verbindung zum Stammtisch, die Geschichten hängen in der Luft.
Dabei sind die Legenden, vielleicht nicht zum Titel und zur Tischrunde in Hafling passend, dennoch recht reizvoll. Wie würde wohl Landgraf heute "Als Petrus zurückkam" ausführen, wo die Feindlichkeit gegenüber Fremden geradezu von Politikern geschürt wird?
Am besten gefiel mir "Die gefälschte Unterschrift".
Themenverschiebung
Während in der ersten Hälfte, wie zu erwarten, Germanist und Erzählton überwiegen, sind es gegen Ende des Werks Legenden. So geben die Erzähler zunächst viele Hinweise auf Lektüren:
Franz Dülberg (1873–1934); Schriftsteller; ein "Cardenio und Zelinde" (S. 21) wie bei Gryphius, konnte ich von Dülberg nicht finden; Dülberg schrieb vornehmlich über Malerei.
Martin Greif (1839–1911), eigentlich Friedrich Hermann Frey; von ihm zitiert Landgraf Gedichte (S. 104-106); landgraf Martin Greif, eigentl. Friedrich Hermann Frey
Franz Grillparzer (1791–1872), S. 55: anscheinend unbekannt verliebt in Maria Piquot, die wohl die auf dem Friedhof zu St. Marx in Wien liegenden Marie Piquot sein dürfte.
Andreas Gryphius (Andreas Greif; 1616–1664): Cardenio und Celinde (Trauerspiel, 1657)
Paul Heyse (1830–1914): L'Arrabbiata (1857), Meraner Novellen (1860)
Gottfried Keller (1819–1890), landgraf Gottfried Keller
Maurice Maeterlinck (1862–1949): "Schwester Beatrix", Drama (1904)
Karl May (1842–1912), eigentlich Karl Hohental
Wilhelm Raabe (1831–1910), landgraf Wilhelm Raabe
Peter Rosegger (1843–1918): Die Schriften des Waldschulmeisters (1875), Der Gottsucher (1883)
Karl Tanera (1849–1904), auch Carl Tanera, ein mir bislang unbekannter, aber im 19. Jahrhundert und im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts sehr beliebter Weltenbummler und Reiseschriftsteller: Aus drei Weltteilen. Reiseskizzen; Vom Nordkap zur Sahara; schrieb auch historische und martialische Erzählungen und Romane: Die Befreiungskriege; Die Revolutions- und Napoleonischen Kriege.
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Fehltritt des Veit Stoß (S. 42)
Veit Stoß (polnisch: Wit Stwosz) 1447/48 Horb am Neckar(?) – 22.9.1533 Nürnberg; Bildhauer, Kupferstecher, Maler; arbeitete in Krakau und Franken; wurde 1503 in Nürnberg wegen Schuldscheinfälschung gebrandmarkt und 1506 von Kaiser MaximilianI. rehabilitiert.
Odo von Chateauroux aus "Die Legende des Odo of Chateauroux", S. 198-211
eigentlich: Odo de Castro Radulphi; Theologe, Kardinalbischof von Tusculum und päpstlicher Legat, ca. 1208 – 25.1.1273 in Orvieto. Über Odos Herkunft ist nichts bekannt. odoOdo of Chateauroux
Wasserburg am Inn
"Meran hat die alten Lauben und die engen Gassen wie Bologna und Padua und wirkt doch so wenig italienisch wie Innsbruck oder gar das köstliche Wasserburg". S. 6
"Die Spur im Schnee", S. 12-27 spielt in Wasserburg am Inn und erinnert den Fifties-Fan an Marty Robbins: "Footprints In The Snow", vergleiche Fußtritte im Schnee – Footprints in the Snow
"Hochzeit", S. 35-49; Handlungsort Wasserburg am Inn; sehr gelungene Erzählung
Die Lonie aus "Die verwunschene Prinzessin" (S. 64-83) ging im Institut der Englischen Fräulein in Wasserburg zur Schule (S. 79).
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landgraf LandgrafArtur Michael Landgraf: Die verschwundene Madonna und andere Geschichten der Haflinger Tischrunde. Nürnberg: Sebaldus, 1954. 229 Seiten.
Nur antiquarisch oder in Bibliotheken erhältlich.
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 13.11.2004