| Bernhard
Ganter: Das Jahr der Rosen Friedland: Bielefeld, 2003. 200 Seiten Links |
| Miriam, die Frau des Angestellten
Florian Beckers wird beim Nachhauseweg von der Arbeit vergewaltigt (sagt sie).
Florian reagiert darauf äußerst psychotisch. Er will Miriam kaum
noch berühren, sondert sich von ihr ab, denkt nur noch an Selbstjustiz und
steigert sich in eine irrwitzige Irrealität. In Alex sieht er felsenfest
den Vergewaltiger, den es zu erledigen gilt. Ganter gelingt es gut, die Situation Florians zu maskieren. Durch die Erzähltechnik des in Florian hineinblickenden Allwissenden, glaubte ich zunächst, all die Klischees (Gefährdung durch das Nervenkrankenhaus; Vertuschung von Ausbrüchen, S. 52), Vorurteile (hohe Trefferquote von Vergewaltigungen, S. 14; "geile Augen des Arztes", S. 23; die "Fremden" = italienisches Restaurant mag er nicht, S. 77) und bizarre Folgerungen stammen vom Autor. Doch es ist Florian, der sich konsequent in eine Scheinwelt von Rosen und Krampfmoral flüchtet. Florian projeziert seine Mittelmäßigkeit (sie äußerst sich besonders in seinem beruflichen Verhalten und in der im Laufe des Romans entblätterten Beziehungslosigkeit) auf die Umgebung. Nicht Alex oder der vermutete Vergewaltiger ist abartig, sondern Florian. Im Bus faselt er im Selbstgespräch (!): "Ich werde ihn umbringen" und wundert sich über die Reaktionen der Passagiere. Er merkt sein allmähliches Abgleiten in den Wahnsinn ("Ja, ich bin verrückt!", S. 52). Am Ende steigert Bernhard Ganter kräftig. Die Handlung reißt mit (und das Moralisieren und Räsonieren nimmt ab) und steigert sich zum überraschenden Finale. Leider läßt uns der Autor zwischenzeitlich an all den wahnsinnigen Gedanken des Protagonisten Florian teilnehmen. Seitenlang liest man dessen Hin- und Herüberlegungen. Ein Beispiel: Miriam spricht kurz über ihre Urlaubswünsche (S. 155). Darauf folgt über eine Buchseite Räsonieren Florians. Nach einem kurzen Wortwechsel faselt wieder fast eine Seite Florian. Erst auf S. 157 ganz unten geht der Dialog weiter. Köstlich dagegen ist die Szene, als sich der psychisch kranke Florian besorgt zur Sicherheit im Nervenkrankenhaus Gabersee bei Wasserburg erkundigt. Man hätte ihn gleich dort behalten sollen. Daß Mark und Euro sich abwechseln vermerke ich nur nebenbei. Der Roman spielt in Wasserburg am Inn und Umgebung ( Der Roman Das Jahr der Rosen baut auf einem grandiosen Konzept. Die Durchführung läßt über weite Strecken arg zu wünschen übrig; das Konzept ist für 200 Seiten nicht tragfähig. In der dargebotenen Form (vermeintliche Vergewaltigung; der eigentliche Verbrecher ist der Ehemann) ist das Konzept sehr gefährlich. Das wird durch kurze Auszüge aus Urteilsbegründungen in Vergewaltigungsprozessen zu Beginn jeden Kapitels gemildert. |
Ergänzungen
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| Empfehlung
anderer Romane, in denen der Täter oder der Verfolger irrsinnig
wird: |
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