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Frisch
Max Frisch: Biografie: Ein Spiel. Neue Fassung 1984
Frankfurt: Suhrkamp, 1985. Gebunden, 174 Seiten – Frisch LinksFrisch Literatur
Max Frisch machte mit seinem Theaterstück Biografie: Ein Spiel genau dies, was er im Stück selbst vorführte. Er schrieb es 1967 (Uraufführung 1.2.1968 im Schauspielhaus Zürich) und überarbeitete es 1984. Darum geht es im Stück: Die handelnden Personen können in ihrer Biografie zurückgehen (oder nur die Hauptperson Verhaltensforscher Kürmann?) und können sie neu gestalten.
Die Idee ist grandios, aber nicht neu. Allerdings ist mir nicht gegenwärtig in welchem Werk (Buch, Film?) die Idee – für die Frisch ein Zitat aus Anton Cechov: Drei Schwestern voranstellte  – bereits ausgeführt wurde.
Frisch nannte das Stück eine Komödie. Beim Lesen erschloß sich mir das komödienhafte nicht. Kürmann nutzt seine Chance (er darf mehrmals zurückgehen: küren) nicht entscheidend. Allerdings sind die "Spielregeln", die ein Spielleiter vorgibt, nicht klar. So endet das Ganze in einer Tragikkomödie.
Kürmann kehrt einmal den bekannten Grundsatz: Was ist, ist auch möglich (aber nicht umgekehrt) um (S. 70-71; siehe Frisch Ab-esse-a-posse-Prinzip). Doch alles was möglich wäre in seiner Biografie darf er nicht einmal bei diesem Spiel.
Sollte man es als Zuschauer / Leser schon als komisch empfinden, dass Kürmann mit Antoinette in der ersten gemeinsamen Nacht Schach spielt (S. 12ff; 26)? (Weiteres zum Thema Frisch Schach in der Literatur)
Mir scheint, Kürmann erkennt, dass alle Möglichkeiten, die ihm offen stehen, wenig taugen. Das ergibt sich aus dem folgenden Dialog (S. 155), bei dem er eine niederschmetternde Beliebigkeitsfolgerung zieht:
Kürmann: Soll ich mit Yoga anfangen?!
Spielleiter: Es gibt vielerlei Lehren ...
Kürmann: Die Summe der Banalität bleibt gleich.
Das erinnert an:
Die Summe der Intelligenz auf der Erde bleibt konstant, die Weltbevölkerung wächst Frisch.
Was auf der Bühne, wo man die verschiedenen Personen, die von zwei Assistenten gespielt werden, besser auseinander halten kann, vielleicht ein wirksames Theaterstück sein mag, ist beim Lesen blaß.
Ab-esse-a-posse-Prinzip
Lateinisch: "Ab esse ad posse valet, a posse ad esse non valet" – "Was ist, ist auch möglich (aber nicht umgekehrt)" oder weiter: "Vom dem was ist kann auf das, was möglich ist, geschlossen werden, aber nicht umgekehrt.
Die Umkehrung durch Kürmann ist nicht ohne Witz, da sie Grundlage der biografischen Versuche im Theaterstück ist.
Mancheiner hält die Umkehrung für korrekt, zumindest wird sie oft ins Feld geführt um empirisch nicht belegbare Glaubensinhalte zu motivieren. Beispiele: "Es ist nicht auszuschliessen, dass die Planetenkonstellation bei der Geburt entscheidenden Einfluß auf den Neugeborenen hat" – "Es ist doch möglich, dass es eine Hölle mit Satan gibt". Aus der Möglichkeit wird geschlossen, dass es die Dinge gibt oder die Sachverhalte zutreffen.
Vergleiche
frischFriedrich Dürrenmatt: "Der Meteor"
frischMax Frisch: Mein Name sei Gantenbein - Roman
Jean-Paul Sartre: "Les jeux sont faits" - "Das Spiel ist aus"
Film: Groundhog Day - frischUnd täglich grüßt das Murmeltier
Links
frischAb-esse-a-posse-Prinzip
Frisch Max Frisch: Der Mensch erscheint im Holozän
Literatur
Brigitte L. Bradley: "Max Frisch's Biografie: Ein Spiel". The German Quarterly 44:2 (1971). S. 208-226. Bezieht sich auf die Erstfassung des Theaterstücks.
Klaus Hübner: "Biografie: Ein Spiel". In: Knaurs Großer Schauspielführer. München, 1988. S. 221
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frisch frisch Max Frisch: Biografie: Ein Spiel. Frankfurt: Suhrkamp, 2001. Gebunden, 117 Seiten. 21. Aufl. frisch
Max Frisch: Biografie: Ein Spiel. Neue Fassung 1984. Frankfurt: Suhrkamp, 1985. Gebunden, 174 Seiten frisch
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 8.9.2007