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Bernhard Jendricke: Alfred Andersch. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten
Reinbek: Rowohlt, 1994. Taschenbuch, 157 Seiten – Bernhard LinksBernhard Literatur
Andersch Werk und sein Leben sind eng verzahnt. Eine Biografie ist daher zum Werkverständnis sehr hilfreich.
In München aufgewachsen wurde er als junger Erwachsener zweimal in „Schutzhaft” ins KZ Dachau gesteckt. Das prägte ihn.1941 wurde er wegen seinen KZ-Aufenhalten aus der Wehrmacht entlassen, später benötigte man jeden Mann und er wurde wieder eingezogen. Am 6. Juni 1944 lief er in Italien zu den Amerikanern über. In der Kriegsgefangenschaft in den USA wurde er großzügig behandelt und mit der Demokratie vertraut gemacht. Das prägte erneut. Nach dem Krieg wurde er sofort journalistisch tätig, setzte aber – entgegen dem Umerziehungsprogramm der US-Besatzung – auf Lernen durch Einsicht (s. 58). Das passte den Amerikanern nicht und er wurde als Presseherausgeber abgesetzt.
Doch Andersch ließ sich nicht verbiegen. Nach der Veröffentlichung des autobiografischen Romans Die Kirschen der Freiheit (1952) wurde er angefeindet (S. 77). Viele in der Adenauer-Ära waren noch braun gefärbt und sahen den Abfall von der Wehrmacht als streng zu verachtendes Delikt an. Im Jahr 1955 sollte er Abteilungsleiter der Kulturredaktion beim Radio Frankfurt werden, doch er wurde abgelehnt, weil er aus der Kirche ausgetreten war. Ein weiterer Beleg für die dumpfe Gemüts– und Gesinnungslage in den Fünfzigern.
Andersch setzte sich für Heinrich Böll, Wolfgang Hildesheimer, Arno Schmidt, Hans Werner Henze, Ingeborg Bachmann, Samuel Beckett und Günter Grass ein (S. 71). Aufgrund der Anfeindungen emigirierte Andersch 1958 in die Schweiz. Trotzdem engagierte er sich in Deutschland weiterhin politisch. Zum Radikalenerlass 1972 mit Berufsverbot bei bestimmter, unbequemer Gesinnung schrieb er das Gedicht artikel 3 (3), das mit den Zeilen endete:
„ein geruch breitet sich aus
ein geruch einer maschine
die gas erzeugt”
Das Gedicht entfesselte einen kulturellen und politischen Skandal aus (S. 114-115).
Bernhard Jendricke beschreibt Anderschs Leben und Werk eindringlich. Der bei den Rororo Bildmonografien übliche umfangreiche Anhang mit Zeittafel, Zeugnissen zu Andersch und ausführlicher Bibliografie macht dieses knappe Büchlein zu einer willkommenen Einführung für den auch heute noch lesenswerten Autor.
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Jendricke AnderschBernhard Jendricke: Alfred Andersch. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek: Rowohlt, 1994. Taschenbuch, 157 Seiten
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