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Magnusson
Kristof Magnusson: Das war ich nicht
München: Goldmann, 2011. Taschenbuch, 288 Seiten – Kristof LinksKristof Literatur
Das Personal dieses Romans aus der heutigen (=2010) Wirtschafts– und Literaturszene besteht im wesentliche aus drei Figuren:
  • Jasper, Banker, der nach einer kurzen Zusatzausbildung in Chicago in Trader-Geschäft einsteigt
  • Meike, Übersetzerin des Pulitzergewinners Henry LaMarck, die zusammen mit dem Verlag dringend auf das neue Werk des grossen Literaten wartet
  • Henry LaMarck, erfolgreicher Autor, der an einer Schreibblockade leidet.
Alle drei sind prototypisch überzeichnet.
  • Jasper navigiert sich immer weiter in riskante Geschäfte hinein, bis er seine Firma an den Rand des Ruins bringt. Wäre diese nicht mehrfach in der Realität passiert, man würde es dem Autor kaum abkaufen.
  • In Meike wird die befristet Beschäftigte unserer Zeit thematisiert. Man bangt um die Vertragsverlängerung oder ist – wie hier – nur an bestimmte Projekte gebunden. Solange alles läuft hat man sein gutes Auskommen, ansonsten wird's eng. Meike will das vermeiden und begibt sich selbst auf die Suche nach dem verschollen LaMarck.
  • Der Erfolgsschriftsteller ist – wie viele Autoren – schwul und findet in einem Fotos Jaspers in der Presse seinen Typ, der ihn von der Schreibblockade befreien könnte.
Es ist also wohl angelegt, dass sich die drei Lebensläufe in Chicago kreuzen. Wer schon mal in einer Millionenstadt als Fremder war, wird bestätigten, dass man den anderen Fremden ständig über den Weg läuft. Hier kommen die Interessen Meikes an Henry, Henrys an Jasper und schließlich Jaspers an Meike als Binde– und Treffkitt hinzu. Die Verknüpfung der Handlungsstränge fand ich daher überzeugend und doch oft überraschend.
Die einzelnen Kapiteln werden abwechselnd von den drei Protagonisten erzählt. Das bringt zusätzlichen Lesegewinn, da man die turbulenten Situationen aus drei Blickwinkeln kennenlernt.
Freilich hätte sich der Autor manche Episode sparen können. Die Dichte der Handlung hätte dadurch gewonnen. Die Handlung ist deshalb so entscheidend, weil die drei Protagonisten doch zu typisch daherkommen. So schliddert Jasper in seine gigantischen Geschäfte nicht aus Profitgier, aber aus Gier zu dieser Welt, den »Rockstars«, dazu zu gehören. Das gesamte System aus Wirtschaft, Öffentlichkeit und Medien unterstützt diese Gier. Dafür opfert Jasper bedenkenlos Freundschaften und Familie.
Meikes Charakter ist in manchen Punkten unstimmig. Sie wird als angenehm nüchtern eingeführt:
  • Wärme ist Strahlung von Energie, egal, ob Kachelofen oder Heizspirale (S. 15).
  • Salz ist Natriumchlorid, egal ob aus dem Himalaya oder Bad Reichenhall (S. 21).
Dann jedoch stürzt sie sich nahezu mittellos in ein schier aussichtsloses Unterfangen, legt Wert auf Sternzeichen (S. 124)  und liest Horoskope (S. 225). Henry LaMarcks Werke versucht sie durch ihre Übersetzung zu verbessern und sie schickt ihm gar eine Mängelliste.
Meikes Mängelliste an Henry LaMarck ergänzend kann man bemerken:
Auf S. 267 benannte Magnusson den berühmten Edgar Allan Poe zu Edgar Allen Poe an. Wie peinlich für Autor und Lektorat.
Jasper Lüdemann & Schach
Jasper spielte früher Schach im Verein (S. 35). Kurz trauert er der Vereinsatmosphäre nach (S. 35): er könnte auch Bier trinken und Blitzschach spielen (S. 36). Doch er entschied sich für den anderen Lebensentwurf.  Jetzt spielte er Schach nur noch online und zockte berufsmässig mit Börsenpapieren.
Beides passt gut zusammen: eine Motivation sich ganz dem Schachspiel zu widmen, ist es an der Spitze dazu zu gehören. Jasper wählt die in seinen Augen besondere Schicht der Online-Börsenhändler.
Von den möglichen Typen des Schachspielers (Musiker, Mathematiker) scheint Jasper der Zocker zu sein.
Hörspiel: Kristof Magnusson: Das war ich nicht
MDR 2010, mit: Katja Bürkle, Felix von Manteuffel, Daniel Lommatzsch, Udo Schenk, Ilja Richter u.a.
Das war ich nicht ist ein burlesker Gegenwartsroman, der die Welt der Broker und Trader geschickt einfängt.  Angenehme Lektüre ohne psychologischen Tiefgang.
Empfehlenswert für Urlaubsgepäck.
Links
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Magnusson Schach & Literatur 
Literatur
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Magnusson Magnusson Kristof Magnusson: Das war ich nicht. München: Kunstmann, 2010. Gebundene Ausgabe: 288 Seiten Magnusson
Kristof Magnusson: Das war ich nicht. München: Goldmann, 2011. Taschenbuch, 288 Seiten Magnusson
Magnusson Magnusson Kristof Magnusson: Das war ich nicht. CD [Audiobook] Kunstmann 2010.
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 12.6.2013