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Kästner
Erich Kästner: Der kleine Grenzverkehr
In: Werke. Junggesellen auf Reisen. Romane II. München: Hanser, 1998. S. 351-430
Kästner AutorKästner LinksKästner Literatur
Der kurze Roman erschien 1938 als Georg und die Zwischenfälle. Es ist ein leichter, heiterer Roman im Geiste eines Horst Wolfram Geißlers (Kästner H. W. Geissler).
In einer Vorrede charakterisiert Kästner Georg Rentmeister als verschrobenen Literaten. Im nachfolgenden Tagebuch Georgs gewinnt man freilich einen etwas anderen Eindruck. Er trifft sich zur Festspielzeit in Salzburg mit seinem Freund Karl und verliebt sich in Konstanze. Die flüchtige politische Note erhält das Werk durch die rigorosen Devisenbestimmungen zwischen Deutschland und Österreich. Sie zwingen Georg sich in Bayern nahe der Grenze einzuquartieren. Er pendelt dann täglich nach Salzburg. Der "Grenzverkehr" findet allerdings auch zwischen den Ständen statt: Konstanze entpuppt sich als reiche adelige Gräfin. Eigentlich könnte der Roman schon zur Halbzeit zu Ende sein, doch Kästner baut noch ein Verwirrspiel zwischen der Familie Konstanzes und amerikanischen Gästen ein.
Zitat von S. 370 entfernt, da das deutsche Abmahnwesen sofortige hohe Geldstrafen erlaubt, wenn man bestimmte Autoren zitiert.
Die gräfliche Familie gibt sich als die Dienerschaft aus (die Grafenfamilie sei verreist) und bedient die US-Gäste. Graf H., Konstanzes Vater, ist schrullig (wie es sich für eine ältere Person blauen Bluts gehört) und will die Studien der komischen Situation in einem Theaterstück (er ist Amateurschriftsteller) verwerten. Er hat einiges mit dem Graf Franz Walsegg gemeinsam, der bei Wolfgang Amadeus Mozart ein Requiem Auftrag gab (Kästner Graf Franz Walsegg). Mozarts Frau hieß ebenfalls Konstanze.
Ob der leichten Hand Kästners sollte man nicht leichter Hand seine feinen Beobachtungen überlesen. So die touristische Situation in Salzburg allgemein und besonders, wenn die Touristen die Einheimischen in puncto Tracht übertrumpfen wollen (S. 373).
Der kleine Grenzverkehr kann als Salzburgführer und erste Bekanntschaft mit dem österreichischen Lustpiel und der komischen Oper dienen.
Anmerkungen
„Hic habitat felicitas”
Motto des Romans. Inschrift des römischen Mosaiks am Mozartplatz in Salzburg: „Hic habitat felicitas. Nil intret mali!” – Hier wohnt das Glück, kein Schaden trete ein! Auch als Bildunterschrift in Pompeji bekannt.
Graf Franz Walsegg-Stuppach, Franz Graf von Walsegg, (1763-1827)
Graf Franz Walsegg-Stuppach, wohnhaft auf Schloss Stuppach am Semmering, gab über einen Mittelsmann bei Wolfgang Amadeus Mozart ein Requiem in Auftrag. Der Graf, ein musikbegeisterter Amateur (wie Graf H. in Der kleine Grenzverkehr), schmückte sich gern mit fremden Federn. Er gab die Auftragskompositionen als seine eigenen aus, obwohl jedermann wusste, dass sie nicht von ihm sind. Mozart konnte die Arbeit am Requiem nicht vollenden: er starb zuvor.
Grenzverkehr
Die kuriosesten Grenzübergange zwischen Bayern und Österreich waren freilich nicht die vorm "Anschluß", sondern die nach dem Krieg, als der Grenzübertritt verboten war. Das wurmte vor allem die bayrischen Bergsteiger.
"So wurde der Weg über den Kiefersfeldener Friedhof vielen zu einem lieben Wochenendbummel – mit dem Weiterweg in den Wilden Kaiser versteht sich. Der Friedhof liegt unmittelbar an der Grenze, das hintere Friedhofstürl, eine solide Gitterkonstruktion, führt direkt nach Tirol. Weil es so quietschte, was besonders in der Nacht peinlich war, wurde es geölt. Andere Wege waren umständlicher und zeitraubender, so etwa der in die Zillertaler, der über den Schildenstein führte. Dafür war er eben sicherer."
Fritz März: Gratwanderungen. Notizen übers Bergsteigen und den Alpenverein. Rosenheim 1992. S. 14
Auf das Überschreiten der Grenze war die Todesstrafe angedroht!
Verfilmung
1943 Deutschland, Regie: Hans Deppe, mit Willy Fritsch, Hertha Feiler. Während der Außenaufnahmen in Salzburg 1943 wurde der Ufa-Film verboten.
1956 Salzburger G'schichten, BRD, Regie: Kurt Hoffmann, mit Marianne Koch, Paul Hubschmid, Helmuth Lohner
Links
Kästner Erich Kästner, Autorenseite
KästnerDer kleine Grenzverkehr im Wandel der Zeiten, empfehlenswert!
KästnerZur Geschichte des Requiems
Literatur
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Kästner   KästnerErich Kästner: Der kleine Grenzverkehr oder Georg und die Zwischenfälle. München Dtv. Broschiert Kästner
Erich Kästner: Der kleine Grenzverkehr. Universal Music, 1999. 2 Audio-CDs, Sprecher: Gerd Wameling Kästner
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 8.7.2005