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Stifter
Netzwerk Memoria, Hg.: Stifter reloaded. Ein Dutzend bunter Steine
Wien: Picus 2005. Karl-Heinz Jähn, Übs. Gebunden, 192 Seiten – Stifter Links – Stifter Literatur
Sechs oberösterreichische und sechs tschechische Autoren schrieben ihre Geschichte zu einer der Stifter-Erzählungen aus Bunte Steine: "Granit", "Kalkstein", "Turmalin", "Bergkristall", "Katzensilber" und "Bergmilch". Jedes Erzähl-Original wird von Christian Schacherreiter auf einer Seite vorgestellt (Schüler aufgepasst: beste und kürzeste Zusammenfassung für das Schulreferat!), dann folgt die oberösterreichische und tschechische "Reloaded"-Version. Die Übersetzung aus dem Tschechischen leistete Karl-Heinz Jähn. Es entstand eine höchst unterschiedliche Sammlung.
Die sechs Seiten Einleitung von Leopold Federmair blieben mir völlig verschlossen. Ich verstand die Worte und die einzelnen Sätze, doch weder Zusammenhang noch Sinn.
Die Lektüre von Adelheid Dahimène: "Kopfstein, die Überschreibung von »Granit«" brach ich sogar ab. Es war für mich nichtssagend. Jetzt ärgerte ich mich, dass ich auf den verheißungsvollen Titel der Sammlung Stifter Reloaded und auf Zusatzinformationen hereingefallen war und das Buch gekauft hatte ohne eine kompetente Besprechung des Buches zu lesen.
Doch schon die tschechische Version zu "Granit" baute mich auf. Jan Matej Krninsky (nicht verzweifeln: er ist in den Kurzbiografien unter Jan Houska zu finden) legte eine feine Science Fiction Story hin.
Der Rückschlag folgte sofort. Hans Eichhorn schreibt nette Sätze, aber kryptisch. Was das Reisebüro und der "Drehmoment der Wand" (S. 45) sein soll, kapierte ich nicht. Leseprobe: "Die Wand ist unbestechlich. Das Wort der Wand lautet: Das Wort Wand lautet nicht." Das ist zwar deutsch aber für mich Schmarrn. Dafür trifft das tschechische Pendant Hanka Hosnedlová die Erzählung "Kalkstein" gut. Bei Stifter reicht der Pfarrer den Kindern die Hand, hier ist es Richard, der Drogensüchtigen hilft. Hosnedlová trifft auch den Stifterschen Gestus gut, schrammt nahe am Sozialkitsch vorbei.
Margit Schreiner beginnt ihr "Turmalin" ausgezeichnet, mit Gedanken zu fast unmöglichen Gedanken, entwickelt aber leider eine sehr seltsame Geschichte. Dann fällt Vlasta Duskova mit ihrer "Drachenzeit" ab: sie reiht sich in die erwähnten konfusen Geschichten ein. Die erzählerische Ausbeute und damit das Lesevergnügen bis zur Mitte des Bandes war dürftig. Doch – Kopf hoch! – es wird besser.
Rudolf Habringer erzählt eine moderne Bergkristall-Geschichte und setzt eine zweite dagegen. Beide handeln vom Tod, sonst entging mir, warum die völlig getrennten Stränge unter einem Titel stehen. Dazu kommt die verbreitet Unart (ich vermute immer: Vortäuschung von Modernität), Satzzeichen beliebig zu entfernen. Das erschwert die Lektüre, ersetzt aber nicht den Tiefgang. Der Ich-Erzähler der Nachbarschafts- und Dorfgeschichte gibt die Lebensbeichte des Nachbarn Färber in dessen Worten wieder. Färber gesteht einen Mord als Fremdenlegionär durch gezielten Schuß. Nun schreibt Habringer ohne wörtliche Rede anzuzeigen: "Ich weiß nicht, sagte Färber umgelegt?, abgeknallt? Ich habe es vergessen" (S. 110). Durch mehrmaliges Lesen muß ich herausfinden, ob das "ich" Färber oder der fiktive Erzähler ist (ich vermute diesen, da hinter "Färber" kein Komma steht; doch wer weiß?). In der zweiten Erzählung Habringers muß ein Vater seinem Sohn ein trauriges Ereignis berichten. Ich fand nicht den kleinsten Hinweis einer Verbindung zur Nachbarschaftsstory. Schade, beide Geschichten sind für sich lesenswert: ineinander geschachtelt wird nur gekünstelt Komplexität erzeugt.
Die vier folgenden Erzählungen von Frantisek Niedl, Walter Kohl, Hynek Klimek und Andreas Weber verdienen Bestnoten, zumindest sind sie alle gut und lesenswert. Weber reicht stilistisch Stifter die Hand. Für mich die allerbeste Geschichte ist die letzte von Antonin Pelisek: "Der Fall Pasovary". Die Veränderungen im Dorf Pasovary von 1938 bis heute sind ein paradigmatischer Fall Europa im 20. Jahrhundert.
Wenn man die Sammlung als deutsch-tschechisches Duell liest, hat Tschechien einwandfrei gewonnen. Mein Rat: man lese die Geschichten bei der letzten beginnend nach vorne.
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 13.9.2005