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Koch
Roland Koch: Das braune Mädchen
München: Droemer Knaur, 1999. Broschiert, 187 Seiten. Knaur 61178 – Koch AutorKoch LinksKoch Literatur
In der Erzählung "Katzensilber" aus Adalbert Stifter: Bunte Steine (Koch Rezension) spielt das "braune Mädchen" in der Nachfolge von Goethes Mignon eine Hauptrolle. Von Roland Koch wird es zu der Hauptgestalt seines Romans gemacht.
Das junge Ehepaar Fanny und Konrad ziehen in ein einsam gelegenes Haus auf dem Land. Bald entdecken sie ein etwa neunjähriges Mädchen. Es scheint elternlos verwahrlost im Wald herumzustromern. Konrad freundet sich ganz allmählich mit Giula, dem braunen Mädchen, an und holt es schließlich auf Dauer in ihr Haus. Fanny, inzwischen schwanger, ist zunächst reserviert, schaltet aber den Kinderpsychologen Dr. Malte Moritz ein.
Koch schreibt ruhig über das Zusammenleben in Haus und Natur über fast ein Jahr. Mir war es zu ruhig und insofern dem Vorbild Stifter gleichend, ihn allerdings stilistisch nicht erreichend. Das Motiv, dass ein modernes Paar (er Übersetzer, sie im Verlag tätig) die Idylle auf dem Lande sucht, könnte von Adalbert stammen.
Gelegentlich erscheint der Roman nicht schlüssig.
  • Das Mädchen ist beim ersten Frühstück im neuen Heim und Konrad tafelt alles auf, was die Küche hergibt, damit "Giula alles fand, an das sie vielleicht gewohnt war" (S. 68). Dabei ist Giula anfangs verwahrlost, hauste mit ihrer Grossmutter in einer Waldhütte und lebte von (obwohl das nie recht klar wird) dem, was der Wald hergibt. Grosse Ansprüche kann sie also nicht haben.
  • Nicht plausibel macht der Autor, warum das Paar sich um die Herkunft und Zukunft des Mädchens nicht wirklich kümmern. Nur zögerlich machen sie sich Gedanken, doch zur Schule geht das Mädchen nicht. Lange wird das Für und Wider diskutiert und Konrad sondiert mal (ohne Mädchen) die Grundschule (S. 126).
  • Nachts fährt Konrad mit dem Auto im abgelegenen Wald ohne Licht und merkt es nicht !? (S. 165)
Ganz am Ende setzt Koch einen Knalleffekt auf, der so garnicht zum poetischen Erzählfluss der vorhergehenden 180 Seiten passt. Freilich, der den Fremden anknurrende Hund, fiel mir bereits früh auf. Ansonsten gibt der Autor aber während des gesamten Romans keine Anzeichen für drohendes Unheil. Über weite Strecken ist Das braune Mädchen viel zu ruhig; das wird noch verstärkt durch den Gegensatz zum unvermittelten Knaller am Ende.
Koch Anfang
Roland Koch
* 1959 in Hagen; Studium der Literaturwissenschaft in Siegen und Houston, Texas.
Seit 1991 freier Schriftsteller, wohnt in Rodenkirchen; Gastdozent am Johannes R. Becher-Institut und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.
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KochLiteraturbüro NRW e.V.
Koch Adalbert Stifter: Bunte Steine
Literatur
Roland Koch: "Das kalte Gesetz. Zu Stifters »Der Waldbrunnen« und meinem Roman »Das braune Mädchen«", in: Heinz Ludwig Arnold, Hg.: Adalbert Stifter. München 2003.
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Koch KochRoland Koch: Das braune Mädchen. München: Droemer Knaur, 1999. Broschiert, 187 Seiten. Knaur 61178 Koch
Roland Koch: Das braune Mädchen. Kiepenheuer & Witsch, 1998. Gebunden, 187 Seiten Koch
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