| Bernd Hoffmann: Die Katharer
Schriften Saarbrücken: Conte, 2005. Gebunden, 422 Seiten |
| Der historische Kriminalroman,
genauer: Verschwörungsroman und der Geschichtsroman allgemein schwappt
seit Jahren als eine Modewelle durch die deutschsprachige Literatur (auch durch
andere Kulturkreise?). Ich habe dazu Vorbehalte. So fuchst es mich, dass ich
darin Fiktion nicht von solidem geschichtlichen Wissen unterscheiden kann. Eine
eigene Gruppe in diesem Genre sind die Romane, die ein Gemälde, ein Buch
oder wie hier Schriftrollen zum Ausgangspunkt einer Hetzjagd
machen. Die Katharer Schriften stammen aus dem ersten Jahrtausend und werden am Ende des 1. Weltkriegs versteckt. Etwa zehn Jahre später setzt eine Jagd auf diese Schriftrollen durch verschiedene, gegeneinander arbeitende Personen und Gruppen ein. Die Brisanz der Schriften ergibt sich dadurch, dass sie die, von der orthodoxen Lehre abweichende Geschichte Jesus' enthalten. Er starb nicht am Kreuz sondern überlebte, floh nach Südfrankreich und hatte Nachkommen. Die alternative Geschichte des Christentums hat Bernd Hoffmann genial konstruiert und gut motiviert. Sie bezieht neben den Katharern auch die Gralslegende und die Jesuiten mit ein. Hoffmann gibt die Hintergrundgeschichte portionsweise an den Leser ab. Sie hat (wie ich später erfuhr) zahlreiche Vorläufer ( Nach dem furiosen Start in Berlin verlagert sich das Geschehen bald in die Schweiz und findet seinen Höhepunkt in der Eiger-Nordwand. Sie war zum Romanzeitpunkt noch undurchstiegen (Erstdurchsteigung im Juli 1938 durch die deutsch-österreichische Seilschaft Heinrich Harrer, Anderl Heckmair, Fritz Kasparek und Ludwig Vörg). Der Roman endet etwas unvermittelt mit der Fahrt des Luftschiffs Italia zum Nordpol. |
| Die Handlung ist gut ausgedacht.
Für mich führte der Autor zuviele Personen und konkurrierende Gruppen
ein. Die gegenseitigen Störaktionen erweisen sich zu oft als
stümperhaft. Manchmal strickt der Autor zu einfach: Vereinbarte Treffen
zwischen sich fremden Personen funktionieren oft schlagartig durch
"untrügliches" Erkennen. Trotz Misstrauen tappen die Personen in plumpe
Fallen des Gegners. So überredet am Ende der Jagd einer der Ganoven
Adalbert von Grolitz zu einer Abkürzung auf einem "Trampelpfad", obwohl
die Fragwürdigkeit dieser Variante über zwei Seiten diskutiert wird
(S. 391-392). Vielleicht geriet das Mammutwerk dem Autor am Ende etwas aus den
Fugen. Da sind die Protagonisten plötzlich im Mailänder Bahnhof (S.
378), obwohl gerade noch das Verhalten in Lugano besprochen wird, einige Seiten
weiter von Mailand noch in der Zukunft geredet wird (S. 380) und noch
später die Grenze SchweizItalien überschritten und nach Mailand
gefahren wird (S. 385). Soweit ich es aus der alpinen Literatur beurteilen kann, sind die Showszenen am Eiger trefflich recherchiert, auch wenn es in der Schweiz keinen "Südwestgrad" oder "Mittelgrad" gibt (S. 158). |
| Insgesamt packte Bernd Hoffmann zuviel
in seinen gut ausgedachten historischen Thriller. Das scheint mir ein Trend in
diesem Genre zu sein, siehe Dan Brown: Illuminati 701 Seiten ( |
| Autor |
| * 1962 Horn bei Bad Meinberg. Hoffmann
arbeitet als Krankenpfleger für die evangelische Kirche. Bisherige Werke des Autors (vergriffen): Das Gemälde. Hamburg : Mein Buch, 2003. 344 S. Veritas. Hat Jesus die Kreuzigung überlebt? Roman. Münster, Westfalen: Tebbert, 1995. 333 S. |
| Literatur |
| Die Idee, dass Jesus Nachkommen bis in die heutige Zeit hat und der Gral mehr ist als ein wertvoller, heiliger Kelch, geistert auch durch die Romane von Michael Baigent, Henry Lincoln, Richard Leigh und Dan Brown. |
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| Michael Baigent, Henry Lincoln,
Richard Leigh: Der Heilige Gral und seine Erben. Lübbe 2004. Broschiert,
472 Seiten
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| Michael Baigent, Richard Leigh:
Der Tempel und die Loge. Lübbe 2005. Broschiert, 482 Seiten 9.,
Aufl.
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| Dan Brown: Angels and
Demons. Pocket Star 2001. Broschiert, 572 Seiten
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| Dan Brown: Illuminati.
Lübbe 2003. Broschiert, 701 Seiten 2., Aufl. |
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