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Maron
Monika Maron: Endmoränen
Frankfurt am Main: Fischer, 2004. 252 Seiten – maron Linksmaron Literatur
Die Ich-Erzählerin gesteht gleich zu Beginn, dass sie seit drei Jahren bemerkt, erleichtert zu sein, wenn der Herbst kommt. Warum wurde mir nie klar. Die vorschnell zu vermutende Verbindung: Herbst allegorisch fürs Lebensalter passt nicht, da Johanna das Alter keinesfalls erleichtert aufnimmt (S. 27 u.v.a.), sondern im Gegenteil in Endmoränen von einer Lebenskrise berichtet.
Johanna ist wohl etwas mehr als 53 Jahre alt und lebt in einem Sommerhaus im Dorf Basekow. Mit ihrem Mann Achim hat sie ein recht komisches Verhältnis: er ist selten da, weil er in der Stadt arbeitet. Mit Christian P. pflegt sie eine merkwürdige Brieffreundschaft. Denkt sie an den Lebensherbst? Erleichterung (so wie mit der Jahreszeit) kann damit nicht verbunden sein, da sie am Alter nur die Unabhängigkeit verlockend findet (S. 27). Jedenfalls hängt sie Erinnerungen nach. Sie beschreibt das eigentümliche Gefühl, wenn man auf das gelebte Leben zurückblickt und merkt: das war's. Es ging vorüber ohne dass man es richtig fasste.
Die eingeflochten Überlegungen sind teilweise recht geistvoll (so die kluge Diskussion über Tier- und Menschenversuche, Lebensbeginn usw. S. 124-136; speziell zu Gottes Ebenbild, S. 124), teils zu lang, da zu langweilig (Diskussion zwischen Johanna und Igor, S. 233-242). Recht gute Gedanken zwischendrin halten das Interesse aufrecht:
"...wenn du nicht nach den Sternen greifst, schaffst du es nicht mal bis zur Dachrinne"
(S. 183-84)
Mit der Dorfbewohnerin Friedel Wolgast entsteht ein weiblicher Michael Kohlhaas. Wie dieser scheitert sie kläglich.
Ja, und natürlich – ähnlich wie nach 1945 bei so vielen – Johanna leistete inneren Widerstand, indem sie zu DDR-Zeiten "subversive Botschaften" in ihre Texte miteinfliessen ließ.
Als journalistische Auftragsarbeit schreibt Johanna über Wilhelmine Enke, der Geliebten von Friedrich Wilhelm II. (Preußens Pompadour, Die Zeit, 31.12.2003). Anfangs las ich das treu mit, bis ich merkte, dass man es getrost überlesen kann. Es trägt nichts zur Erhellung bei.
Ergänzung: Maron wollte wohl verschiedene weibliche Lebensentwürfe gegenüberstellen. Diese Absicht schlug zumindest bei mir – da ich sie nicht merkte – fehl.
Was ein Synonym ist hat die Johanna (oder die Maron?) nicht so richtig begriffen. Wenn Begriffe zu "Mätresse" synonym sind, müssen sie nicht untereinander synonym sein. Beim Synonym-Programm von Windows95™ bemängelt sie, dass Prostitutierte als synonym für Geliebte gilt (S. 81). Dabei sind die beiden Wörter "nur" synonym zu "Mätresse".
Anderes Beispiel: zu "Bank" sind "hölzerne, breite Sitzgelegenheit" und "Geldinstitut" synonym, das heisst nicht, dass die beiden letzten Begriffe untereinander synonym sind.
Ich-Erzählerin Johanna erschien mir wie eine lasche Tante aus einem Roman von Wilhelm Genazino (Rezensionen: maron Ein Regenschirm für diesen Tagmaron Die Kassiererinnen). Allerdings erschien sie mir doch noch aktiver als die Typisierung der Oberlangweiler beim Büchner-Preisträger Genazino. Am Ende der Lektüre fragte ich mich, warum mir der Roman unterwegs eigentlich recht gut gefallen hat, obwohl am Ende nichts übrig blieb, ausser dass das Dorfleben recht langweilig sein kann.
Angenehm zu lesen, es bleibt aber wenig hängen.
Anmerkung
Trompe-l`oeil (frz. täusche das Auge, tromper „täuschen“; l’œil „Auge“)
ist ein illusionistisches Gemälde, bei dem versucht wird, Fotorealismus zu erzielen; MaronTrompe-l’œil
Links
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Wilhelmine Gräfin von Lichtenau (Wilhelmine Enke):
MaronPreussen.de
MaronWikipedia
MaronDie Zeit 2003

Literatur
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Maron MaronMonika Maron: Endmoränen. Frankfurt: Fischer, 2005. Broschiert, 256 Seiten Maron
Monika Maron: Endmoränen. Frankfurt: Fischer, 2004. Broschiert, 252 Seiten Maron
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