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Diether Dehm: Die Seilschaft. Eine Kriminal-Novelle
Schkeuditz: Schkeuditzer Buchverlag, 2004. Broschiert: 124 Seiten – dehm Linksdehm Literatur
Rufschädigung ist ein heikles literarisches Thema. Es gilt bei diesen Fällen abzuwägen zwischen freier Meinungsäußerung und Pressefreiheit einerseits und den persönlichen Rechten andrerseits.
In Die Seilschaft wird ein Pfarrer Gert Sulima der Stasi-Tätigkeit verdächtigt. Er flieht vor Anfeindung und Ausgrenzung nach Polen. Das Besondere daran ist, dass Gert zugleich Motor einer Bürgerinitiative BI gegen ein gewaltiges Bauvorhaben (Investoren sind Jack White, Musikproduzent, und Boris Becker, Tennisspieler) im ländlichen Raum um Saarow und Fürstenwalde (Brandenburg) ist. Diese droht nun führerlos an inneren Querelen zu scheitern. Nadja Bulan versucht alles Mögliche um Gert zu rehabilitieren und die BI vorwärts zu bringen. Verschiedene Seilschaften alter und neuer Geheimdienstler, zwischen Presse und Politik arbeiten gegeneinander. Dehm zeigt, dass alle auf ihren Vorteil sehen und dabei von Mauscheleien bis Gewaltanwendung alle Register ziehen. Auch für Nadja heiligt ihr Zweck die Mittel: sie will eine gefälschte Stasi-Erklärung zur Reinwaschung des Pfarrers (S. 43).
Die Diskussion dieser Problematik wird in Die Seilschaft zurecht nicht übertrieben, schließlich nennt es sich Kriminal-Novelle (ich meine eher: Polit-Thriller). Das Bekenntnis von Günter Grass, Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, ist derzeit (August 2006) ein gutes Beispiel der öffentlichen Debatte über Aufklärung pro und contra. Es wird oft mit zweierlei Maß hantiert. Ex-Mitglieder von DDR-Mörderbrigaden setzen es gerichtlich durch, dass ihr Ruf nicht durch Namensnennung beschädigt wird. Geheimdienstler erhalten, je nach Coleur, Berufsverbot und werden öffentlich gegeisselt oder sie dürfen den Überwachungsstaat weiter ausbauen. Erstaunlich, dass hier Dehm die Namen der Investoren nennt; ansonsten läuft ein Buch auch nur bei Andeutung einer lebenden Person, Gefahr in Deutschland verboten zu werden (siehe Angegriffene Literatur unter dehm Links).
Mit manchem in Deutschland scheint der Autor nicht vertraut zu sein. Er meint, Telefonabhörungen müssen durch Gerichtsbeschluss abgesichert werden (da bin ich mir nicht sicher) und "hinterher muss es mitgeteilt werden" (S. 39; da bin ich mir sicher: es muß nicht; siehe dehm Akustischer und visueller Lauschangriff).
Mit manchen scheint Dehm gut vertraut zu sein. Man sagt dem Roman nach Ausfälle gegen Gregor Gysi und André Brie zu enthalten. Diese erkannte ich nicht, den zweiten Namen kenne ich nicht mal. Da Dehm als „IM Dieter“ und „IM Willy“ mit der Stasi zusammen gearbeitet haben soll (THG Lexikon, siehe dehm Links), steckt wohl auch einiges Autobiografische in denm Roman.
Stil
Diether Dehm schreibt etwas undurchsichtig und gewöhnungsbedürftig. Das Bild der Lamettastreifen der Sonne ist komisch; Dehm setzt es gleich zweimal ein (S. 9, S. 61). "tough" ist in einem deutschen Roman allenfalls in wörtlicher Rede berechtigt. Dehm benutzt es in deklinierter Form: dem toughen schneidigen Tausendsassa" (S. 71).
Dazu kommen etliche Ausdrücke, die nicht zu meinem Wortschatz gehören. Zwei Beispiele: "Swanns Zeigefinger beschrieb ein fröhliches Minuszeichen in die Luft" (S. 32; was ist das?). – "Memphis im eigenen Garten" (S. 53; was ist das?).
Die Seilschaft geht verdienstvoll in Zirkel, die sowohl dem Kriminalroman aber auch mir speziell fremd sind. Dadurch gibt der Roman ungewöhnliche Einblicke. Er bewegt sich fernab des Who-done-it oder Private-Eye Krimi. Das tut dem Leser gut. Der Stil ist verbesserungsfähig, zu viele Handlungsfäden hängen herum.
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Links
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dehm Angegriffene Literatur in der Bundesrepublik
Rezension
dehmKlaus Höpcke: "Bruch eines Prangers. Diether Dehms »Die Seilschaft«: Eine Kriminal-Novelle, in der ein »knallroter Öko-Pfarrer« gejagt und gerettet wird". junge welt 3.7.2006 / Politisches Buch / S. 13
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dehm dehmDiether Dehm: Die Seilschaft. Eine Kriminal-Novelle. Schkeuditz: Schkeuditzer Buchverlag, 2004. Broschiert: 124 Seiten
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