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Polley
Brigitte Polley: Schicksalsrose. Die Geschichte einer dramatischen Flucht
Norderstedt: Books on Demand, 2003. Broschiert, 144 Seiten – Polley LinksPolley Literatur
Nicht vom Titel und Titelbild abschrecken lassen: das ist kein Liebes- und Heimat-Groschenroman, sondern – gemäß Untertitel – die Geschichte einer dramatischen Flucht. Von Serbien über Deutschland nach Kanada flüchtet Arjon mit seiner Tochter Irina. Allein die Flucht in deutsche Gefilde und der erschwerte Aufenthalt gäben einen Kriminalreißer ab. Dazu kommt der Brückenschlag von Kanada ins ehemalige Jugoslawien mit Bill als einsamen und großartigen Brückenkopf: ein weiterer Agententhriller, an dem Graham Greene seine Freude gehabt hätte.
Die vielen Handlungsträger in Schicksalsrose lernen im Laufe des Romans vieles: insofern geht mit der körperlichen Bewegung eine geistige einher. Die teilweise bewegende Schilderung greift auch den Leser an. Die fast kitschige Episode mit der Rose greift zwei Motive auf: Freude, die einem selbst geschenkt wurde, an eine Unbekannte weitergeben und freundliche Gaben, die man vielleicht selbst nicht verwerten kann, werden in einer Kette weitergereicht. Je nach Haltung denkt man an noble christliche Quellen oder vielleicht an Willie Nelsons "Pass it on":
“But if everyone would help just one and that one helps another one along
Like a fire that's burning low every log would make it grow.
So pass it on”
nelsonWillie Nelson: "Pass It On", (Charlie Williams, Diane Dickerson, Steven Bivins), November 1985, Padernales Studio, Spicewood © 1983 Talbot Music, BMI
"... wenn Gott uns so sehr geliebt hat, dann müssen auch wir einander lieben". 1 Jo 4,11
Wer die Schicksalsrose aufmerksam liest, wird sich von einigen Vorurteilen verabschieden, manchen Menschen anders ansehen. Wenn sich auch besonders Arjon im Roman nicht immer durch kluge Entscheidungen auszeichnet, so bringt die Autorin doch alles glaubwürdig an den Leser.
Allerdings wird durch den zeitungsmässigen Berichtsstil der Lesegenuß erschwert. Vieles wird auf der Satzebene zu ausführlich geschildert. Dem Leser wird alles in den Mund gelegt. Zu Beginn sind Arjon und Irina auf der Flucht in Serbien und kommen trotz ... gut voran. Das wird dem Leser durch die Handlung klar, doch Brigitte Polley erwähnt es extra. Und damit nicht genug, flicht sie völlig überflüssig "mit der Flucht" ein: "... kamen sie mit der Flucht trotz großer Gefahren ..." (S. 14). Diese Redundanz ist ein Stilmerkmal der Autorin. Sie traut dem Leser nichts zu. Ein zweites und letztes Beispiel: Zwei Serben wollen sich nach einem Fremden erkundigen. Da im Ort nur 1 Pension ist, fragen sie dort nach. Das braucht keine Erwähnung: die Handlung genügt. Doch die Autorin führt es mit zwei Superlativen "am unverfänglichsten und aussichtsreichsten" aus und belehrt den Leser mit einem weiteren Satz: "Das war nahe liegend, denn ein Fremder braucht logischerweise eine Quartier". Der Leser weiß es längst, da es nicht nur nahe liegt sondern (logischerweise polley) der einzige Nachfrageort ist.
Die tolle Geschichte wird literarisch ungenügend aufbereitet. Der Berichtsstil trübt den Gesamteindruck beträchtlich.
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 10.9.2006