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Bertolt Brecht: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny
Aus: Die Stücke von Bertolt Brecht in einem Band. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1987. S. 203-226
Brecht LinksBrecht Literatur
Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny wurde am 17. Juli 1927 in Baden-Baden uraufgeführt und vom Autor mit Kurt Weill 1928-29 zu einer Oper verarbeitet. Premiere der Oper 1930 in Leipzig. Seitdem steht es immer wieder in den Theatern zur Debatte. Das zeigt die zeitlose Gültigkeit der angesprochenen Themen:
  • Kapitalismus: alles wird dem Geld untergeordnet
  • Verhältnis der "kleinen Leute" zur Obrigkeit, insbesondere der Gerichte (Szene 18: "Die Gerichte in Mahagonny waren nicht schlechter als andere Gerichte) Die antike Forderung "panem et circensis" (Brecht Zitate von Juvenal) ist in Mahagonny erfüllt. Brecht listet: fressen, lieben, kämpfen (Boxsport und Kampf ums Überleben), saufen.
    Erstens, vergeßt nicht, kommt das Fressen
    Zweitens kommt der Liebesakt
    Drittens das Boxen nicht vergessen
    Viertens Saufen, laut Kontrakt.
    Vor allem aber achtet scharf
    Daß man hier alles dürfen darf. (Beginn der Szene 13)
  • Paul ist es, der mehrfach sich wiederholend (antikes Theater; Blues) warnt:
    Laßt euch nicht verführen
    Es gibt keine Wiederkehr. ...
    Laßt euch nicht betrügen
    Daß Leben wenig ist. ...
    Laßt euch nicht vertrösten
    Ihr habe nicht zu viel Zeit. ...
    Laßt euch nicht verführen
    Zu Fron und Ausgezehr. ... (Szene 12)
    Paul warnt hier eindringlich vor den verführischen Propheten, die seit Jahrhunderten die Leute einlullen und das Heil im Jenseits versprechen und deshalb sei der Fron hier zu ertragen.
  • Allerdings ist Paul klar, das etwas fehlt, dass ihn das alles nicht glücklich macht (8. Szene).
  • Verhalten der Leute zueinander unter erschwerten Bedingungen
Inwieweit Brecht konkret Amerika vorführen wollte (siehe "Amerika und Amerikanismus im Mahagonny-Songspiel" unter Brecht Links) oder ob er es nur als paradigmatischen Fall wählte, ist mir unbekannt. Die Roaring Twenties beherrschten Berlin ebenso wie die Grossstädte der USA (siehe Rezension Brecht Fitzgerald, F. Scott: The Great Gatsby). Doch war der Goldrausch nur in den USA glaubhaft. Schon immer haben Autoren die Handlung in ein fernes Nirgendwo verlegt um der Zensur zu entgehen; was Brecht kaum half: die Nazis verboten Theater und Oper Mahagonny (siehe Brecht 1933 – 1938 Bücherverbrennungen). Jedenfalls hat er seinen Zeitgenossen mit diesem Lehrstück in epischen Theater (siehe "Brechts Vergleich zwischen dramatischer und epischer Form des Theaters unter Bertolt Brecht: Anmerkungen zur Oper »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« (1929/30) unter Brecht Links). Da vieles allgemein gehalten ist, könnte man Brecht vielerlei wundersame Visionen zuschreiben: Kontraktsaufen ist seit Jahren (gesehen von 2006 aus) bei der Jungend beliebt; eine Ikone des sich selbst bereichernden Kapitalismus ist Josef Ackermann, Deutsche Bank; der Hurrikan fegte im August 2005 New Orleans weg.
Ich meine, es ist ähnlich wie bei Richard Wagner. Gournemanz sagt im »Parsifal«: "Zum Raum wird hier die Zeit". Man wird Wagner hier keine Vorahnung des Relativitätstheorie zuschreiben brecht.
Die Beliebtheit des Stücks in den Theatern beruht, meine ich, neben der Aktualität auch darauf, dass es viel Raum für die Fanatasie der Inszenierung lässt; mit wenigen Personen auskommt; nach Belieben können weitere auftreten; die Texte sind nicht lang und werden zudem durch Songs aufgelockert.
Sprechende Namen
Mahagonny soll Brecht aus lautmalerischen Gründen verwendet haben. Andere Namen sind sprechend: Dreieinigkeitsmoses (verbindet das Christentum mit dem Judentum); Mandelay (Bar; der Begriff "Man Delay" wird heute für viele Mittel und Mittelchen verwendet um die Ejakulation des Mannes zu verzögern); Frau Leokadja Begbick heisst in anderen Versionnen des Stücks: Begbig und sie handelt für ihre Mädchen hohe Preise heraus.
Sehr aktuelles Stück. Wegen der epischen Form (wenig Dramatik und Handlung; Personen mehr auf der Bühne ausgestaltbar) ist zu empfehlen eine Theater- oder Operaufführung zu besuchen.
Links
BrechtAufstieg und Fall der Stadt Mahagonny
BrechtBertolt Brecht: Anmerkungen zur Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny"(1929/30)
BrechtMahagonny.com 75 Jahre Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny
BrechtNancy Thuleen: "Amerika und Amerikanismus im Mahagonny-Songspiel" (1996)
BrechtArthur Lazere: "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny - Kurt Weill/Bertolt Brecht" (1999)
Brecht Bertolt Brecht: "Die heilige Johanna der Schlachthöfe"
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BrechtInternational Brecht Society
BrechtBertolt Brecht
BrechtAlbrecht Dümling Aus: Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG)
Gedichte von Brecht unter Brecht Gedichte-Wegweiser
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brecht BrechtBertolt Brecht: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2006. Broschiert, 160 Seiten brecht
Bertolt Brecht: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2003. Edition Suhrkamp Nr.21. Broschiert, 95 Seiten Brecht
brecht BrechtBertolt Brecht: Ausgewählte Werke in sechs Bänden . Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2005. Broschiert: 4000 Seiten. brecht
Bertolt Brecht, Kurt Weill, Fritz Hennenberg, Jan Knopf : Brecht /Weill. 'Mahagonny'. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2004. Broschiert, 450 Seiten Brecht
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