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Andreas Maier: Klausen
Frankfurt: Suhrkamp, 2004. Taschenbuch, 214 Seiten – Andreas LinksAndreas Literatur
Im südtirolischen Klausen treffen recht skurrile Personen aufeinander. Wenn man in der Gemengenlage von einer Hauptperson sprechen kann, dann ist es Josef Gasser, der einige Zeit in Berlin verbrachte. Nun gilt er in dem Ort als Sonderling und Außenseiter, der mit Vorsicht zu behandeln ist. Alle sind untereinander verfilzt, wenn nicht verwandtschaftlich, dann über Besitz oder gemeinsame Interessen. Der Erzähler leitet daraus das Paradox ab, dass alle so verfilzt sind, dass alles offen zutage tritt (S. 37). Obwohl kaum einer dem anderen offen entgegentritt.
Den Erzähler stört offensichtlich das Viadukt der Brennerautobahn bei Klausen, dem er mehrmals das Gemälde "Das große Glück" von Albrecht Dürer von 1494 entgegensetzt, auf dem der Meister ein dörfliches Klausen verewigt hat. Neben diesem Thema der Dorfverschandelung tritt die "Verschandelung" der Leute, sei es durch den Aufenthalt im fernen Berlin (wie schon erwähnt) oder durch die mondäne Welt des Films, in die Josefs Schwester Kathi fliehen konnte.
Das dritte Thema ist die Kommunikation im Dorfe. Angeblich tritt zwar alles offen zutage, doch es handelt sich nur um Vorurteile, Beschuldigungen und Gerüchte.  Je weniger man die Quelle des Gerüchts kannte, also je mehr Stationen es vom Urheber entfernt war, desto exakter wurde es (S. 47). Nix Genaues weiß man nicht. Diese Gerüchteküche spiegelt sich auch in zahlreichen Andeutungen, Ungewissheiten und Vorankündigungen durch den Erzähler. Mit einer solchen beginnt der Roman und es folgen noch viele. Wobei ich nie eine dieser Andeutungen eingelöst sah.
Das Gebrodel von liebevoll gezeichneten Charakterfiguren und banalen Diskursen gerät erst ziemlich spät (S. 204) in eine Tatort-Situation (wie es der Klappentext verspricht). Da fallen dann die Fernsehteams in den Ort ein. Doch leider ist dann nach zehn Seiten der Roman schon zu Ende.
Andreas Maier (* 1. 9. 1967) hat über Thomas Bernhard promoviert und lehnt sich dessen Stil an. Dazu macht er – hier Bernhard übertreffend – keinen Absatz und arbeitet mit reichlich Konjunktiv. Das schafft Stimmung und ist ambitioniert. Doch es mutete dem Leser einiges zu.
Ambitionierter Roman, den man anfangs recht wohlgesonnen liest, der aber den Biss missen läßt. Das Ziel erreicht er nicht. Ich werde weiteres von Andreas Maier nur zögerlich zur Hand nehmen.
Links
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maier MaierAndreas Maier: Klausen. Frankfurt: Suhrkamp, 2004. Taschenbuch, 214 Seiten maier
Andreas Maier: Klausen. Ursula Honisch, Sprecherin. Dhv der Hörverlag, 2002. 4 Audio-CDs Maier

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 8.11.2008