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Hoppe
Felicitas Hoppe: Johanna
Frankfurt am Main: Fischer, 2006. Gebunden, 176 Seiten – Felicitas LinksFelicitas Literatur
Im Prolog wird Johanna auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Durch Ankündigungen zum Buch wußte ich, dass es dann nicht mehr vordergründig um Johanna weitergeht. Also lasse ich mich nicht dadurch vergraulen, dass ich auf Seite 11 kaum etwas verstehe. Da ist von jemand namens Peitsche die Rede und ganz unten merkt man: Ich-Erzähler(in?) spricht.
Seite 13: ich verstehe immer noch nichts. Ich habe keine Ahnung von was die Autorin durch ihre Ich-Erzähler(in?) sagen will.
Seite 19: ich stelle fest, dass ich immer noch nichts verstehe und mir dämmert, dass vielleicht der amazon-Kunde doch recht hat: "Für mich war es eindeutig eine Luftblase, leeres, auf Intellektualität zielendes Abrakadabra".
Jetzt merke auch ich es: der Kaiser hat wirklich keine Kleider an. Um mich zu vergewissern blättere ich schwungvoll weiter. "Natürlich" ruft Peitsche auf Seite 45, "ein Fall für die göttliche Irrenheilkunde". Da hat er nicht ganz unrecht. Es ginge auch ohne "göttlich", aber es handelt sich ja um die heilige Johanna hoppe. Obwohl: selbst aus dem Irrenhaus gibt es Verständliches als anregende Literatur. Weiterlesen von Johanna ist unnötig. Daher wäre Johanna ein guter Testfall für Pierre Bayards Anleitung: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat; siehe Felicitas Literatur. Vielleicht ist Johanna nur eine Übertragung aus der Malerei in die Literatur, siehe "Kunst" (Originaltitel: Art), ein Theaterstück der französischen Autorin Yasmina Reza um das Bild „Weißes Bild mit weißen Streifen“.
Die Schmähung der Literatur durch die postmoderne Intellektuelle
Der US-amerikanische Physiker Alan Sokal reichte 1996 den Aufsatz „Transgressing the Boundaries: Towards a Transformative Hermeneutics of Quantum Gravity” (deutsch: "Die Grenzen überschreiten: Auf dem Weg zu einer transformativen Hermeneutik der Quantengravitation") beim postmodernen Magazin Social Text ein. Der Aufsatz wurde prompt in einer Sondernummer der Zeitschrift gedruckt. Sokal parodierte darin das undurchdringliche Geschreibsel mancher zeitgenössischer Theoretiker. Kurz danach bekannte er in der Zeitschrift Lingua Franca, dass es sich bei seinem Aufsatz um eine Parodie handele.
Siehe dazu die Felicitas Literatur. Wann bekennt Felicitas Hoppe die Parodie / den Hoax?
Nicht nur Johanna verstand ich nicht, auch die Besprechungen dazu sind mir mit acht Siegeln verschlossen. Ich zitiere aus einer: "«Johanna» von Felicitas Hoppe ist eine artistische Konstellation, eine Anrufung und Vermeidung zugleich. Ihre Koordinaten öffnen sich in einem Fliesstext, der bunte Scherben dieses verbürgten Materials aufnimmt und damit ein Spiel aus Spiegelungen inszeniert". Capito?
Von Felicitas Hoppe nehme ich so schnell kein Buch mehr zur Hand und auch den Empfehlungen des Literaturkritikers und Hoppe-Fans Denis Scheck werde ich künftig mehr misstrauen. Andersherum: nachdem ich offensichtlich nicht zur Zielgruppe der Autorin zähle, ... Stattdessen empfehle ich, wenn's schon um die Johanna gehen soll, dann: Bertolt Brecht: Die heilige Johanna der Schlachthöfe (Felicitas Links) oder Giuseppe VerdiGiovanna d'Arco, 1845.
Sagen wir's wohlmeinender: ich gehöre offensichtlich nicht zur Zielgruppe der Autorin Felicitas Hoppe.
Links
Felicitas Hoppe (* 1960 Hameln): LiteraturportalHoppeWikipedia
HoppeSimone Dattenberger: „Ein unlösbares Rätsel. Kühle Umkreisung: Felicitas Hoppes Roman »Johanna«”, Münchner Merkur, 13.12.2006
HoppeAngelika Overath: "Johanna für Profitaucher. Felicitas Hoppe hat keinen Roman zu Jeanne d'Arc geschrieben". Neue Züricher Zeitung 2.10.2006
HoppeMichaela Holdenried: "Ein unbekannter Stubengenosse Schillers, das Tropenverdikt
Ottiliens und die Suche nach dem Berbiolettenfell. Anmerkungen zur postmodernen Zitationspraxis und Autorschaft im Werk von Felicitas Hoppe"
(pdf)
HoppeSokal-Affäre
HoppeAlan Sokal, Professor of Physics, New York University, mit Material zur Kontroverse
Felicitas Bertolt Brecht: Die heilige Johanna der Schlachthöfe
Judith Wiebke Eden: »Keine Angst vor großen Gefühlen«. Schriftstellerinnen – ein Beruf. Elf Porträts
Literatur
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hoppe Hoppe Felicitas Hoppe: Johanna. Frankfurt am Main: Fischer, 2008. Broschiert, 170 Seiten hoppe
Felicitas Hoppe: Johanna. Frankfurt am Main: Fischer, 2006. Gebunden, 176 Seiten Hoppe
sokal Hoppe Alan Sokal, Jean Bricmont: Fashionable Nonsense: Postmodern Intellectuals' Abuse of Science. New York: Picador, 1999. Taschenbuch, 320 Seiten sokal
Alan Sokal: Beyond the Hoax: Science, Philosophy and Culture. Oxford: Oxford UP, 2008. Gebundene Ausgabe: 448 Seiten Hoppe
sokal Hoppe Alan Sokal, Jean Bricmont: Eleganter Unsinn. Wie die Denker der Postmoderne die Wissenschaften mißbrauchen. Dietmar Zimmer, Johannes Schwab, Übs. München: DTV, 2001. Taschenbuch, 349 Seiten Bayard
Pierre Bayard: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat. München: Kunstmann, 2007. Gebunden, 224 Seiten Hoppe
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 26.8.2009